• 23.09.2008, 08:34:17
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: US-Wahlkampf: Jetzt geht es um Wirtschaft - von Herbert Geyer

In der Sache haben freilich beide Kandidaten wenig zu bieten

Wien (OTS) - Spät aber doch hat den US-Wahlkampf die Wirtschaft
eingeholt. Auf ausländische Beobachter wirkte es schon bisher
befremdlich, dass im Präsidentschaftswahlkampf in einem Land, dessen
Budgetdefizit alljährlich neue Rekordmarken erreicht, dessen
Leistungsbilanzdefizit völlig aus dem Ruder läuft und dessen Währung
in den letzten vier Jahren bis zu einem Drittel an Wert verloren hat,
so locker über Abtreibung, Stammzellenforschung, den Irakkrieg oder
Terrorismusbekämpfung diskutiert wird, statt Antworten auf die
Wirtschaftsprobleme des Landes zu suchen.

Seit in der Vorwoche für unsinkbar gehaltene Schlachtschiffe der
Finanzbranche untergegangen sind oder mit Staatshilfe gerade noch
ins Trockendock geschleppt werden konnten, lässt sich das Thema
Wirtschaft jetzt aber nicht mehr ausblenden - so angenehm das den
Republikanern gewesen wäre: Ihr Kandidat John McCain kann zwar
überzeugend den Kriegshelden und Heerführer darstellen - dass er
(oder erst recht seine Vize-Kandidatin Sarah Palin) das Zeug hätten,
ein Unternehmen zu führen, glaubt nicht einmal die eigene
Wirtschaftsberaterin Carly Fiorina. Das jedenfalls gab die frühere
Chefin von Hewlett Packard in einem Rundfunk-Interview zu.

Praktische Erfahrungen in der Führung von Wirtschaftsunternehmen kann
zwar auch McCains Gegenspieler Barack Obama nicht vorweisen, ihm
kommt aber zugute, dass er nicht erst seit dem Offenkundigwerden des
Versagens der Finanzaufsicht für mehr staatliche Kontrolle über die
Wirtschaft eingetreten ist, während McCain selbst für jene
Deregulierungsmaßnahmen eingetreten ist, die er jetzt selbst als
Ursache der Finanzkrise identifiziert.

In der Sache haben freilich beide wenig zu bieten: McCain wird erst
erklären müssen, wie er die "Gier" bekämpfen will, die seiner Ansicht
nach in Washington ebenso regiert wie in den Investmentbanken. Und
Obamas Gegenmittel - Hilfsaktionen auch für die kleinen Kreditnehmer,
die im Zug der Krise unter die Räder kommen - kostet zusätzlich viel
Geld, ohne der Volkswirtschaft wesentliche Impulse zu verleihen. Was
beide zur Verschärfung der Finanzaufsicht planen - die zentrale
Aussage beider zu den aktuellen Problemen - lassen sie bisher im
Dunkeln.

Aber jedenfalls bekommt Obama jetzt Rückenwind von jenen, die sich
fragen, wie ein Land, das kein Geld für Krankenversicherungen,
Infrastruktur und Bildung hat, sich eine milliardenschwere
Rettungsaktion für Großbanken leisten kann. Die Frage ist berechtigt
- nur werden die USA künftig für beides kein Geld mehr haben.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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