• 22.09.2008, 10:30:00
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Das Hausarztmodell zur Gesundheitsreform

Pressekonferenz Österreichischer Hausärzteverband (ÖHV): Ist das Gesundheitssystem krank oder "krank"geredet

Wien (OTS) - "Das Thema 'Gesundheitsreform' wurde im Wahlkampf in
einen dicken Mantel des Schweigens gehüllt", kritisierte der
Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes (ÖHV), Landesgruppe
Wien, Dr. Wolfgang Werner, bei einer Pressekonferenz eine Woche vor
den Nationalratswahlen 2008. Der Grund dafür ist, vermutet Werner,
dass die Politiker mit "Gesundheitsreform" lediglich eine Minderung
der Ausgaben im niedergelassenen Bereich meinen.

Der Österreichische Hausärzteverband (ÖHV) hat daher ein Modell zu
einer qualitativen Gesundheitsreform entwickelt.

"Grundsätzlich", so Werner, sei das österreichische
Gesundheitswesen tatsächlich "eines der besten". Die finanziellen
Turbulenzen der Krankenkassen, allen voran der Gebietskrankenkassen,
seien zum überwiegenden Teil von den Politikern hausgemacht.

Und das durchaus mit Kalkül: Der Gesundheitsbereich ist - nicht
zuletzt demographisch bedingt - aus wirtschaftlicher Sicht einer der
wenigen wachsenden. Die Wirtschaft habe daher ein starkes Interesse,
in diesen noch weitgehend geschützten Bereich vorzudringen, um hier
neue Gewinne zu lukrieren.

Es ist daher kein Zufall, dass sich der jüngste Vorschlag für eine
"Gesundheitsreform" auf einem "Sozialpartnerpapier" befindet. Die
Wirtschaftskammer hofft auf neue Gewerbetreibende (laut dem
vergangene Woche präsentierten 1. MTD-Bericht gibt es bereits mehr
als 150 "selbsternannte Gesundheitsberufe), sowie auf die
Investitionen von Großanlegern, und der Gewerkschaft sind aus
standespolitischen Überlegungen wenige große zentralisierte Betriebe
lieber, als viele kleine Wirtschaftseinheiten.

"Diese Gesundheitsreform brächte eine weitere massive
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für niedergelassene ÄrztInnen
und damit zumindest mittelfristig auch für PatientInnen", betont
Werner.

Die finanzielle Sanierung der Krankenkassen sei das eine, die
zeitgemäße medizinische Versorgung der Bevölkerung das andere", so
Werner. Der österreichische Hausärzteverband mahnt daher mit einem
"Hausarztmodell zur Gesundheitsreform" wieder die "seit Jahrzehnten
propagierte, aber nie umgesetzte Aufwertung der Hausärzte ein", so
Werner.

Ohne HausärztInnen gibt es kein Gesundheitswesen

HausärztInnen sind praktisch für die gesamte Bevölkerung die erste
Kontaktstelle in Gesundheitsfragen. Sie sichern durch die dezentrale
Struktur und durch Hausbesuche eine wohnortnahe Versorgung. In der
medizinischen Basisversorgung gibt es keine spitalsüblichen
Wartelisten.

HausärztInnen haben eine einzigartige Stellung im
Gesundheitssystem: Sie versorgen PatientInnen ganzheitlich (von der
Prophylaxe über Therapie bis zur Rehabilitation) und begleiten sie
ein Leben lang.

Sie betreuen meist auch Familienmitglieder der PatientInnen,
wissen daher auch um das soziale Umfeld der PatientInnen Bescheid und
sind somit die einzigen Kompetenten für eine Familienmedizin.

Sie sind die zentralen Stellen für ganzheitliche Gesundheitsdaten.

Die niedergelassene Ärzteschaft hat enorme wirtschaftliche
Bedeutung: Rund 15.400 ArbeitgeberInnen sorgen für rund 60.000
Arbeitsplätze.

HausärztInnen sind UnternehmerInnen mit besonderen
Arbeitsbedingungen: Sie sind ethisch im Notfall zur kostenlosen
Leistung verpflichtet, sie arbeiten für Honorare zu "Sozialtarifen",
sie unterliegen Werbebeschränkungen, sie sind "unecht"
mehrwertsteuerbefreit, usw.

Das Hausarztmodell: Gesundheitsversorgung im 3. Jahrtausend

Für eine adäquate Gesundheitsversorgung sind nach Ansicht des ÖHV
einige Systemänderungen erforderlich:

1. Erstkonsultation beim Hausarzt (Sperrung der e-card)
2. Familienmedizin statt "Therapie anonym"
3. Ermöglichung aller Zusammenarbeitsmuster, die auch anderen freien 
   Berufen zugestanden werden (Neue Organisationsformen wie z.B.: 
   neben Einzelpraxen auch Gruppenpraxen und virtuelle 
   Gruppenpraxen, Anstellung von ÄrztInnen durch ÄrztInnen,  
   Apparategemeinschaften, Einkaufs- und Personalgemeinschaften, 
   Telefongemeinschaften, etc.)
4. Anpassung des Leistungsspektrums an die neuen Gegebenheiten
   (Spirometrie, Notfalltests, Raucherentwöhnung)
5. Abgeltung der zunehmenden Bürokratie
6. Finanzierung aus einer Hand
   Abschaffung der "unechten" Mehrwertsteuerbefreiung, da die 
   geltende Ausgleichszahlung eine Belohnung für Nicht-Investieren 
   darstellt

Rückfragehinweis:

MR.Dr.Wolfgang WERNER 
   Präsident ÖHV Landesgruppe Wien
   Weitmosergasse 3, 1100 Wien
   T: 01/617 22 68
   F: 01/617 22 684
   E: dr.w.werner@aon.at
    
   Otto Havelka
   RHIZOM PR
   Schlossparksiedlung 37, 2433 Margarethen am Moos
   T: 02230/2791
   F: 02230/2791-27
   M: 0664/103 54 21
   E: havelka@rhizom.at

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