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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Geld-Turbo überdreht total, muss flott gedrosselt werden" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 20.09.2009

Graz (OTS) - Die Alarmglocken läuten seit über zwei Jahren.
Losgegangen ist das, was sich jetzt zur angstmachenden größten
globalen Finanzkrise seit 1929 gemausert hat, mit dem Beginn der
US-Immobilienkrise. Als erste Investmentbanken und Riesenfonds zu
straucheln begannen, weil sie in der Manier von "Bruder Leichtfuß"
viel zu viele, plötzlich uneinbringliche, "faul" gewordene
Immobilienkredite gekauft hatten. Das Hauptübel wurde rasch
lokalisiert: unsägliche Gier gepaart mit der Dummheit, viele
Milliarden in nicht mehr durchschaubare Konstrukte zu stecken - und
versagende Marktwächter.

Jetzt, auf dem vermeintlichen Höhepunkt der Krise, der wegen täglich
neuer Meldungen über weitere Kettenreaktionen des finanziellen
US-Supergau in Geldtempeln der ganzen Welt zu bezweifeln ist, wird
laut nach neuen Regeln gerufen. Als ob es erst jetzt dämmern würde,
dass der ungebremste Finanz-Turbokapitalismus, der täglich mehr als
das Hundertfache des Bruttoinlandsprodukts der Industrieländer in
Gestalt von Finanztransaktionen um den Erdball jagt, nur Sieger und
Verlierer kennt - jedoch keine Skrupel und keine Moral.

Schon 1972 hatte ein gewisser, inzwischen bekannter James Tobin mit
seiner für internationale spekulative Geldtransfers geforderten
Tobin-Steuer von sich reden gemacht. Damit wollte er
Währungsspekulanten, die viele Länder gebissen haben, die Zähne
ziehen.

Lange wurde nur nur gestritten. Frankreich und Belgien haben die
Tobin-Steuer sogar beschlossen. Jedoch mit dem Hintertürchen, sie
erst einzuführen, wenn dies auch EU-weit passiert. Was freilich nicht
passiert ist, auch wenn sie 2005 vom früheren Bundeskanzler Wolfgang
Schüssel für die EU und erst heuer im Jänner von Noch-Regierungschef
Alfred Gusenbauer und Finanzminister Wilhelm Molterer in seltener
Eintracht gefordert wurde.

Das Problem, die gierigen Spekulanten einzubremsen, ist immer
dasselbe: Neue Spielregeln sind weltweit schwer umsetzbar, schon
wegen gegensätzlicher Interessen. Leider sind sie aber auch nur
wirksam, wenn dies international im völligen Gleichschritt passiert.

Jetzt hat es im Finanzsystem wieder gescheppert, so laut und
verheerend wie seit fast 80 Jahren nicht. Ob das Ansätze
beschleunigen wird, den freiesten aller Märkte, den Finanzmarkt,
endlich an die Kandare zu nehmen? Alles andere als neue, globale
Spielregeln, echt bissige Aufsichtsbehörden und Spekulationssteuern
liefern uns den reinen Egozentrikern und Anarchisten des
Finanzsystems aus. Daran zweifelt hoffentlich jetzt keiner mehr. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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