- 19.09.2008, 11:00:00
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Bald wird niemand mehr den ärztlichen Beruf ergreifen wollen
Wien (OTS) - Die Arbeits- und Lebenssituation der MedizinerInnen
im öffentlichen Dienst hat sich derartig verschlechtert, dass es
möglicherweise rasch zu Engpässen in der PatientInnenversorgung
kommen wird
Die im Frühsommer des Jahres diskutierte so genannte
Gesundheitsreform ist nur ein Mosaikstein einer Entwicklung, die sich
für alle Ärztegruppen in ganz Europa abzeichnet und recht bald die
Patientinnen und Patienten schmerzlich treffen könnte. "Bereits
niedergelassene Kassenärztinnen und -ärzte klagen über zunehmend
schlechtere Arbeitsbedingungen im Verhältnis zu Ausbildung,
Verantwortung und Arbeitseinsatz. Und auch im Bereich der
Angestellten sind es vor allem die Arbeitsbedingungen, die immer mehr
betroffenen Ärztinnen und Ärzten zu schaffen machen. Auch dort können
freie Stellen schon lange nicht mehr immer problemlos nachbesetzt
werden", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer für
Niederösterreich. Vor diesem Hintergrund wurde eine Online-Befragung
der NÖ Ärztekammer unter allen Mitgliedern durchgeführt, um valide
Daten über Details der Arbeits- und Lebenssituation der Ärztinnen und
Ärzte zu erhalten.
Die Ergebnisse sind alarmierend. Dr. Ronald Gallob, Kurienobmann
der angestellten Ärzte in Niederösterreich, berichtet von
Überschreitungen der Obergrenze bei der Wochenarbeitszeit von 72
Stunden bei 63 % der ÄrztInnen: "Bedenkt man, dass die "normale"
Wochenarbeitszeit in Österreich bei 40 Stunden liegt und dass das
Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz eine Inanspruchnahme bis 48 Stunden
gestattet, dann ist es mehr als verwunderlich, dass 72 Stunden als
"normal" angesehen werden und dass Überschreitungen über das absolute
Höchstmaß in einem derartigen Ausmaß Realität sind." Doch auch im
niedergelassenen Bereich liegt einiges im Argen: "Zu der zeitlichen
Dimension des Arbeitsaufwandes kommt wie in allen Gesundheitsberufen
eine zusätzliche, psychische Belastung durch schwere Krankheit und
Tod von Patientinnen und Patienten hinzu. Dies alles in Kombination
führt offensichtlich auch dazu, dass sich bestehende Unzufriedenheit
bereits bei der Hälfte der Kassenärztinnen und -ärzte durch
beginnendes oder bestehendes Burn-out bzw. andere berufsbedingte
Erkrankungen äußert", so Dr. Johann Jäger, Kurienobmann der
niedergelassenen Ärzte.
Die ÄrztInnen in Niederösterreich schlagen jedenfalls Alarm: "Im
öffentlichen Gesundheitswesen herrschen Arbeitsbedingungen, die in
keiner anderen Branche akzeptiert würden. Die Einkommenssituation
wird von den betroffenen Ärztinnen und Ärzten als schlecht und
ungerecht eingeschätzt, wobei eine Arbeitsbelastung vom
anderthalbfachen der durchschnittlichen vollbeschäftigten Bevölkerung
in Österreich vorherrscht. Das hat seinen Preis: Die Ärztinnen und
Ärzte im öffentlichen Dienst sind zu einem großen Teil entweder
unzufrieden oder sehr unzufrieden mit den Arbeits- und
Lebensbedingungen, familiäre und/oder gesundheitliche Probleme sind
allgegenwärtig", so Präsident Dr. Reisner. Die Studie belegt
beispielsweise bei jeder zweiten Spitalsärztin/jedem zweiten
Spitalsarzt die klare Bereitschaft, entweder in einen anderen Beruf
oder ins Ausland zu wechseln, wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht
rasch und nachhaltig ändern. "Wenn nicht bald gegengesteuert wird,
sehen wir mittelfristig einen eklatanten Mangel an Ärztinnen und
Ärzten entstehen, da sich immer weniger Menschen dieser offenbar
schon sehr unattraktiv gewordenen Tätigkeit widmen wollen", so das
Resümee von Präsident Dr. Reisner.
Die Zusammenfassung der Studie zum download unter www.arztnoe.at
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Niederösterreich, Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel.: 0664/144 98 94, E-Mail: [email protected]
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