Bald wird niemand mehr den ärztlichen Beruf ergreifen wollen

Wien (OTS) - Die Arbeits- und Lebenssituation der MedizinerInnen
im öffentlichen Dienst hat sich derartig verschlechtert, dass es möglicherweise rasch zu Engpässen in der PatientInnenversorgung kommen wird

Die im Frühsommer des Jahres diskutierte so genannte Gesundheitsreform ist nur ein Mosaikstein einer Entwicklung, die sich für alle Ärztegruppen in ganz Europa abzeichnet und recht bald die Patientinnen und Patienten schmerzlich treffen könnte. "Bereits niedergelassene Kassenärztinnen und -ärzte klagen über zunehmend schlechtere Arbeitsbedingungen im Verhältnis zu Ausbildung, Verantwortung und Arbeitseinsatz. Und auch im Bereich der Angestellten sind es vor allem die Arbeitsbedingungen, die immer mehr betroffenen Ärztinnen und Ärzten zu schaffen machen. Auch dort können freie Stellen schon lange nicht mehr immer problemlos nachbesetzt werden", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich. Vor diesem Hintergrund wurde eine Online-Befragung der NÖ Ärztekammer unter allen Mitgliedern durchgeführt, um valide Daten über Details der Arbeits- und Lebenssituation der Ärztinnen und Ärzte zu erhalten.

Die Ergebnisse sind alarmierend. Dr. Ronald Gallob, Kurienobmann der angestellten Ärzte in Niederösterreich, berichtet von Überschreitungen der Obergrenze bei der Wochenarbeitszeit von 72 Stunden bei 63 % der ÄrztInnen: "Bedenkt man, dass die "normale" Wochenarbeitszeit in Österreich bei 40 Stunden liegt und dass das Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz eine Inanspruchnahme bis 48 Stunden gestattet, dann ist es mehr als verwunderlich, dass 72 Stunden als "normal" angesehen werden und dass Überschreitungen über das absolute Höchstmaß in einem derartigen Ausmaß Realität sind." Doch auch im niedergelassenen Bereich liegt einiges im Argen: "Zu der zeitlichen Dimension des Arbeitsaufwandes kommt wie in allen Gesundheitsberufen eine zusätzliche, psychische Belastung durch schwere Krankheit und Tod von Patientinnen und Patienten hinzu. Dies alles in Kombination führt offensichtlich auch dazu, dass sich bestehende Unzufriedenheit bereits bei der Hälfte der Kassenärztinnen und -ärzte durch beginnendes oder bestehendes Burn-out bzw. andere berufsbedingte Erkrankungen äußert", so Dr. Johann Jäger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte.

Die ÄrztInnen in Niederösterreich schlagen jedenfalls Alarm: "Im öffentlichen Gesundheitswesen herrschen Arbeitsbedingungen, die in keiner anderen Branche akzeptiert würden. Die Einkommenssituation wird von den betroffenen Ärztinnen und Ärzten als schlecht und ungerecht eingeschätzt, wobei eine Arbeitsbelastung vom anderthalbfachen der durchschnittlichen vollbeschäftigten Bevölkerung in Österreich vorherrscht. Das hat seinen Preis: Die Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Dienst sind zu einem großen Teil entweder unzufrieden oder sehr unzufrieden mit den Arbeits- und Lebensbedingungen, familiäre und/oder gesundheitliche Probleme sind allgegenwärtig", so Präsident Dr. Reisner. Die Studie belegt beispielsweise bei jeder zweiten Spitalsärztin/jedem zweiten Spitalsarzt die klare Bereitschaft, entweder in einen anderen Beruf oder ins Ausland zu wechseln, wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht rasch und nachhaltig ändern. "Wenn nicht bald gegengesteuert wird, sehen wir mittelfristig einen eklatanten Mangel an Ärztinnen und Ärzten entstehen, da sich immer weniger Menschen dieser offenbar schon sehr unattraktiv gewordenen Tätigkeit widmen wollen", so das Resümee von Präsident Dr. Reisner.

Die Zusammenfassung der Studie zum download unter www.arztnoe.at

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