ÖH Leoben: Unis werden für berufstätige Studierende bestraft

Rot-blau-grüner Antrag ist ein Attentat auf Österreichs Universitäten

Leoben (OTS) - Die Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Montanuniversität (ÖH Leoben) hat schwere inhaltliche Bedenken gegen den vorliegenden rot-blau-grünen Antrag zur Abschaffung der Studienbeiträge.

Im ersten Moment war Peter Pulm, Vorsitzender der ÖH Leoben, über den Antrag zur Abschaffung der Studiengebühren hocherfreut, würde doch damit eine langjährige Forderung der ÖH Leoben endlich umgesetzt werden. Doch nach der genauen Durchsicht des Antragstextes
schlug die Freude schnell in Entsetzen um.

"Der vorliegende Antrag ist ein Attentat auf Österreichs Universitäten. Wenn der Nationalrat diesen völlig unausgereiften Text so beschließt, werden die heimischen Universitäten budgetär ausgeblutet", ist Pulm überzeugt.

So sieht der Antragstext vor, dass berufstätige Studierende, die über 4886,16 Euro pro Kalenderjahr verdienen, unabhängig von ihrer Studiendauer von den Studiengebühren befreit werden. An sich eine vernünftige Maßnahme, jedoch mit einem sehr teuren Haken: Nach dem vorliegenen Entwurf bekommen die Universitäten die den berufstätigen Studierenden erlassenen Studiengebühren nicht refundiert.

"Gerade in technischen Studien ist es üblich, in der vorlesungsfreien Zeit im Sommer gut dotierte Industriepraxis zu sammeln. Durch die geplante Regelung würden die technischen Universitäten um Millionen von Euro umfallen. Die Universitäten würden somit für jeden berufstätigen Studierenden bestraft.

Es ist für mich auch nicht erklärbar, warum sozial schwache Studierende schnell studieren müssen, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, Studienbeiträge zahlen zu müssen, während jeder zum Studium berechtigte Erwerbstätige, auch wenn er ein weit über 4.886,14 Euro liegendes Jahreseinkommen erzielt, die Universität völlig kostenlos zu privaten Weiterbildungszwecken nutzen kann. Auf der Strecke bleiben die Universitäten, die für das Studium von Erwerbstätigen keinen müden Cent sehen", so Pulm.

"So könnte ein hochbezahlter Manager sich auf Kosten der Republik fortbilden, während ein Studierender aus einfachen Verhältnissen -womöglich auch noch auf Grund unverschuldeter Studienverzögerungen, die sich durch die fehlende Selektion in Massenstudienrichtungen leicht ergeben können - seinen Studienbeitrag abliefern muss. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, sehr geehrte Herren Wissenschaftssprecher!", gibt Pulm zu bedenken. "Von der ungerechtfertigten Konkurrenzierung von Erwachsenenbildungsinstituten durch die öffentliche Hand und den durch diese Regelung entstehenden Administrationskosten ganz zu schweigen."

Die Unausgereiftheit dieses Rechtstextes zeigt sich vor allem in den Details. So ist das Inkrafttreten mit 1. März 2009 für die Montanuniversität auf Grund deren kürzerer Semesterferien etwas zu spät angesetzt.

"Müssen wir jetzt ein Semester länger Studienbeiträge zahlen, weil wir nicht so lange Ferien machen?", fragt sich Pulm.

Weiters ärgert den Vorsitzenden der ÖH Leoben die Diskriminierung der FH-Studierenden, die weiter ihre Beiträge abliefern sollen, und die fehlende Entwicklung von Anreizen, um endlich mehr Studienanfänger zur Wahl eines technischen Studiums zu motivieren.

"Hat man mit viel Einsatz und Geld die FH's zu einem wichtigen Bestandteil des heimischen tertiären Bildungssektors gemacht, um sie jetzt zu ruinieren? Sind FH-Studierende für Sie Studenten zweiter Klasse?

Und die Massenstudienrichtungen? Halten Sie es für volkswirtschaftlich sinnvoll junge Leute weiterhin unbeschränkt in Studienrichtungen gehen zu lassen, die auf Grund der unbewältigbaren Zahl an Studierenden nur mäßige Qualität halten können und ihre Absolventen dann in einen Alltag prekärer Anstellungsverhältnisse und Akademikerarbeitslosigkeit entlassen, während zum Beispiel Absolventen von ingenieurwissenschaftlichen Studienrichtungen von der heimischen Wirtschaft dringend gebraucht werden?", mockiert sich Pulm.

Kritisch betrachtet wird auch der Zeitpunkt des Antrages.

"Unsere Universitäten sind zu wichtig um für Wahlkampfpopulismus Opfer undurchdachter Gesetzesänderungen zu werden. Mit derartigen Schnellschüssen kann man, so gut diese auch gemeint sind, dem gesamten österreichischen Hochschulraum viel Schaden zufügen.", schließt Pulm.

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Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Montanuniversität
Peter Pulm, Vorsitzender
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mailto: vorsitz@oeh.unileoben.ac.at
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