WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nerven bewahren ist jetzt "Gold-richtig" - von Esther Mitterstieler

Weg aus der Falle der Sparbuchgewohnheit

Wien (OTS) - Zugegeben: Jetzt über hysterische Märkte zu schreiben und auch noch zu beruhigen, kann einem Wagnis ähneln. Demselben wie dem, das die Anleger jetzt landauf, landab mit ihren Veranlagungen spüren. Trotzdem heißt es jetzt: Nur nicht in Panik verfallen. Der Herdentrieb verleitet so viele, in das gute alte Sparbuch zu fliehen. Was ihnen sogar von Investmentbankern nahe gelegt wird und an und für sich ihrem ureigenen Geschäft widerspricht. Fassunglosigkeit kann sich da nur breit machen. Schauen Sie sich doch einmal an, was Ihnen das Sparbuch wirklich bringt: Nach Abzug der Kapitalertragssteuer von 25 Prozent und unter Berücksichtigung der Inflationsrate, rechnen wir mal mit 3,7 Prozent, bleibt unterm Strich ein Minus. Also weg von der Falle der Gewohnheit. Besser schaut es da traditionsgemäß bei Gold oder anderen Rohstoffen aus. Wichtig ist schließlich, einen bunten Mix im Portfolio zu haben, um krisensicher zu fahren. Dass Investmentbanker wie der ehemalige Bank-Austria-Vorstand Willi Hemetsberger via Äther Anlegern trotzdem empfehlen, aufs Sparbuch zu setzen, kann nur Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit sein.

Weil wir schon beim Stichwort sind: Hilflos scheinen zurzeit auch die Politiker, wenn es um ökonomische Zusammenhänge geht. Da kommt SP-Chef Werner Faymann mit seinem Vorschlag eines Fünf-Punkte-Programms, um die Menschen zu entlasten und die Konjunktur anzukurbeln. Was sein Gegenüber von der VP, Wilhelm Molterer, auch im Beisein seiner Finanzministerkollegen in Brüssel dezidiert ablehnt. Vier Tage später fängt dann plötzlich sein eigener Wirtschaftsminister Martin Bartenstein laut an, darüber zu sinnieren, dass wir vielleicht doch ein Konjunkturpaket brauchen könnten. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass die Finanzkrise den heimischen Politikern noch als Rechtfertigung zum Geldausgeben dient. Konjunkturpaket hin oder her: Ein paar Rädchen in die Richtung zu drehen, ist nicht verkehrt. So könnte eine Verschrottungsprämie den Automarkt ankurbeln und gleichzeitig den CO2-Ausstoß vermindern. Das hat in Italien funktioniert. Auch der Vorschlag, KMU bei Investitionen zu unterstützen, ist gut, leider nur von der Europäischen Investitionsbank. Hierzulande wird wieder nach dem Gießkannenprinzip allen versprochen, was das Zeug hält: Wohl, weil dies vor Wahlen schon immer so war. Da schließt sich der Kreis zur Legende des guten alten Sparbuchs wieder.

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