• 15.09.2008, 17:40:19
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: Land der Ärzte und Experten

Ausgabe vom 16. September 2008

Wien (OTS) - Ein handfester Skandal um schlampige und langsame
Gerichtsgutachter explodiert. Endlich. Was tut die Justizministerin?
Nichts. Was macht der ORF? Einen PR-Abend für die Gutachter. Es geht
ja eh nur um Kinder und Familien, über deren Schicksal Gutachten nach
einem(!) Zehn-Minuten-Gespräch entscheiden. Auf die man aber Jahre
warten muss.

*

Über die Qualität unserer gutachtenden wie auch anderen Ärzte wird
man sich künftig ohnedies nicht den Kopf zerbrechen müssen. Denn das
Medizinstudium wird bald nur noch ein Massenbetrieb ohne jede
Ausbildungsqualität sein - zumindest, wenn der FPÖ-Antrag auf
Massenzulassung zum Studium wirklich Gesetz wird (hat vielleicht ein
Burschenschafter den Aufnahmetest nicht geschafft?). Wir sollten uns
demnächst Ärzte in Pressburg, München oder Budapest suchen.

*

Die Finanzkrise hat ihren Höhepunkt erreicht. Und erstmals ist es
durchaus wahrscheinlich, dass bei Banken nicht der Steuerzahler die
Risken übernimmt (wie beim Bawag-Crash), sondern dass auch eine große
Bank, wie jeder andere Betrieb, in Konkurs geht. Mit allen
Auswirkungen für Aktionäre und Gläubiger (=Kunden) der Bank. Das wird
gewiss viele von ihnen schmerzen, aber die Alternative wäre
mittelfristig ein Staatsbankrott. Es geht auf Dauer einfach nicht,
dass Aktionäre und Anleger in fetten Jahren von riskantem Agieren
profitieren, dass in den mageren aber der Steuerzahler herhalten
muss. Ein echter Konkurs wäre eine heilsame Lehre für die Zukunft.
Apropos: Wie wäre es, wenn die großen heimischen
"Wirtschaftsexperten" Wolfgang Fellner, Peter Gnam, H.C. Strache,
Werner Faymann und Christoph Matznetter mit ihrem Privatvermögen für
den Unsinn haften müssten, den sie - ausgerechnet in Zeiten wie
diesen! - mit ihrer Forderung nach einer Mehrwertsteuersenkung
anrichten? Es wäre eine heilsame Lehre für die Zukunft . . .

*

Parteien dürfen im ORF nicht werben. Dass aber die Billa-Gruppe
neuerdings mit einem schwer politischen Spot wirbt, stört die
ORF-Juristen offenbar nicht. Oder wollen sie uns nur noch einmal
bestätigen, dass Billa & Co die Hauptprofiteure einer
Mehrwertsteuersenkung sein werden?

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
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Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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