Rheumatoide Arthritis: Chancen trotz Erkrankung berufstätig zu bleiben sind ungleich verteilt

Wien (OTS) - Sieben Millionen Krankenstandstage, 2,5 Millionen Betroffene pro Jahr: Erkrankungen des Bewegungsapparates sind in Österreich die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Im Schnitt bleiben Betroffene über zwei Wochen pro Jahr im Krankenstand . Die Chancen trotz Erkrankung berufstätig zu bleiben sind bei chronischen Leiden wie der rheumatoiden Arthritis (RA) ungleich verteilt.

Eine Notiz schreiben, eine E-Mail tippen oder ein Hemd zuknöpfen -was im beruflichen und privaten Alltag selbstverständlich ist, können rheumakranke Finger oft nicht bewältigen. Die häufigste der chronisch-entzündlichen Gelenkserkrankungen ist die rheumatoide Arthritis (RA). Stark schmerzende und geschwollene Gelenke führen dazu, dass Betroffene alltägliche Bewegungen nicht mehr ausführen können. Die Folge: Sie müssen sich krankmelden oder ihre bisherige Tätigkeit - auf lange Sicht - aufgeben. Ungelernte Arbeitskräfte haben dabei gegenüber Angestellten ein 3,4-fach erhöhtes Risiko vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden . Untersuchungen aus Deutschland zeigen, dass die Arbeitsmarktchancen für Frauen mit rheumatoider Arthritis in Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit besonders schlecht stehen: jede Zweite wird mit fortschreitendem Verlauf der Erkrankung in die Arbeitslosigkeit getrieben. Allein in Österreich sind rund 62.500 Menschen von der Diagnose betroffen.

Drei Viertel bereits im ersten Krankheitsjahr arbeitsunfähig

Drei Viertel der Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) sind bereits im ersten Krankheitsjahr mindestens einmal arbeitsunfähig -und dies fünfmal so lang wie alle anderen Versicherten. Nach mehr als 10-jähriger Krankheit sind 40 Prozent aller RA-Patienten nicht mehr erwerbstätig. Je länger mit der entsprechenden Therapie gewartet wird, desto schlimmer werden die Beschwerden und körperlichen Beeinträchtigungen der Patienten. "Je früher eine wirksame Rheumatherapie beginnt, umso größer ist die Chance, den Entzündungsprozess günstig zu beeinflussen", so Univ.-Prof. Dr. Winfried Graninger, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie, "mit den heute verfügbaren modernen Medikamenten ist es möglich die Zerstörung der Gelenke aufzuhalten und den Menschen den Weg in die Arbeitslosigkeit und soziale Isolation zu ersparen." Hinzu kommt, dass die Krankheit schubweise verläuft. Soziale Aktivitäten lassen sich dadurch nur kurzfristig planen. Häufig ist auch eine Vereinsamung der Betroffenen die Folge. Neben der Bewältigung großer Schmerzen sind viele Betroffene auf eine langfristige und pflegeintensive Betreuung durch ihre Partner, Familien und Freunde angewiesen. Ein Umstand der in der aktuellen gesundheitspolitischen Debatte immer mehr an ökonomischer Bedeutung gewinnt, so Univ.-Prof. Dr. Kurt Grünewald, Gesundheitssprecher der Grünen.

Flexible Arbeitsplatzgestaltung und moderne Therapien verhindern soziale Isolation

Die verminderte Erwerbstätigkeit ist umso gravierender als viele Rheumapatienten trotz ihrer Beschwerden weiter im Berufsleben stehen wollen. Um die gleichen Arbeitsleistungen wie ihre gesunden Kolleginnen und Kollegen erbringen zu können, können sie durch verschiedene Rehabilitationsmaßnahmen unterstützt werden. Doch wissen dies anscheinend oftmals weder die Patienten noch ihre Arbeitgeber. "Es käme zu weit weniger Arbeitsausfällen, wenn die Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse von Patienten mit rheumatoider Arthritis angepasst würden", meint dazu der Gesundheitssprecher der Grünen, Univ.-Prof. Dr. Kurt Grünewald. "Beispielsweise führt die Möglichkeit, sich die Arbeit selbst einzuteilen, zu einer erheblichen Steigerung der Leistungsfähigkeit, denn wegen der häufigen morgens lang anhaltenden Steifigkeit der Gelenke wären flexible Arbeitszeiten sinnvoll. In Kombination mit einer frühzeitigen medikamentösen Therapie könnten wir dadurch die Arbeitsfähigkeit und damit auch die Lebensqualität der Betroffenen erhalten." Die Anpassung der Arbeitsbedingungen ist für die Arbeitgeber insgesamt von Vorteil, da Fehlzeiten reduziert und erfahrene Arbeitnehmer im Betrieb gehalten werden können. Derzeit wird geschätzt, dass die Kosten, die der Wirtschaft durch arbeitsbedingte Gesundheitsschäden entstehen, zwischen 2,6 Prozent und 3,8 Prozent des Bruttosozialprodukts liegen . Für die Betroffenen selbst stellt der fortgesetzte Kontakt zu den Arbeitskollegen eine bedeutende Einbindung in das soziale Leben dar, das im Freizeitbereich durch die Erkrankung häufig eingeschränkt ist.

Über rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis (RA) zählt zu den rheumatischen Erkrankungen des Bewegungsapparates und ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Bereits alltägliche Bewegungen und Tätigkeiten wie Treppensteigen oder Zuknöpfen des Hemdes werden für die RA-Patienten zur Qual. Bei dieser Rheumaform kommt es in unterschiedlichen Körpergelenken zu Entzündungen, die im weiteren Verlauf von schmerzhaften Gelenkschwellungen bis hin zur Zerstörung der betroffenen Gelenke reicht. Ohne eine entsprechende Behandlung schreitet die RA in jedem Fall fort und beeinträchtigt nach und nach den gesamten Bewegungsapparat. Körperliche Beeinträchtigungen, Arbeitsunfähigkeit oder gar Frühpensionierung der Betroffenen sind mögliche Folgeerscheinungen.

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