Kulisse - Wiens älteste Kabarettbühne ist von der Schließung bedroht

Presse-Information / PK 11.9.08

Wien (OTS) - Die Nichteinhaltung gegebener Zusagen und die
ständige Kürzung von Sponsorgeldern veranlassen die Betreiberin der Kulisse, Doris Ringseis, eine endgültige Schließung des Wiener Traditionshauses in Erwägung zu ziehen. Auf dem Spiel stehen rund 20 Arbeitsplätze und es droht der Verlust eines kulturellen Fixpunktes im 17. Bezirk.

Einsturz führte in die Schuldenfalle

Durch Abrissarbeiten am Nachbarhaus kam es 2001 zum Einsturz des Theatersaales, dessen Wiederaufbau und Renovierung eine Schließung von sechs Monaten nach sich zog. Die Verhandlungen mit den Versicherungen erstreckten sich letztendlich bis zum Sommer 2003 und ließen die Betreiberin mit einer offenen Schadensumme von 120.000 Euro zurück. Die bis dahin ohne Subventionen agierende Kulisse sah sich gezwungen, Verhandlungen mit der Stadt Wien aufzunehmen, um der Schuldenfalle zu entkommen.

Viele Verhandlungen, viele Zusagen

Um das Fortbestehen der Kulisse zu gewährleisten, wurden Synergien mit den Kabarett-Bühnen Niedermair, Orpheum und Theater am Alsergrund gefunden, etwa in Form der gemeinsamen Programmzeitschrift "Kultuhr", die auch eine Werbung in eigener Sache ist.

Ein Finanzbedarf von jährlich 135.000 Euro sowie eine anteilige Kostenübernahme für die Programmzeitschrift wurden mit dem Kulturamt diskutiert. Das Ergebnis - nach einjähriger Verhandlungszeit: Ein Sponsorvertrag mit Fernwärme Wien. Über eine - auf Veranlassung von Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny gegründete - Marketinggesellschaft sollten weitere Sponsoren für die Kabarett-Bühnen verpflichtet werden. Die zugesagte Vertragsdauer von drei Jahren wurde seitens Fernwärme auf ein Jahr reduziert.

Zusagen, Interventionen und Kürzungen

Seit 2005 herrscht zwischen dem Kulturamt der Stadt Wien, Fernwärme Wien und der Kulisse reger Mail-Verkehr, es finden viele Meetings statt, es folgen schriftliche und mündliche Zusagen nach Interventionen. Mit dem Ergebnis: Die Sponsorings werden jährlich gekürzt und der Zuschuss für die Programmzeitschrift "Kultuhr" wurde vollkommen gestrichen.

Die letzte Kürzung im August 2008 betrug 14 Prozent. Insgesamt belaufen sich die Kürzungen der Sponsorings innerhalb der letzten vier Jahren auf 25 Prozent.

Was ist Kultur?

In der Zwischenzeit erfreuen sich Wiener Bühnen hoher Subventionen. Einem Projekt, dessen Erfolg Experten vorab anzweifelten, wurde ein Geldsegen von 1,3 Millionen Euro zuteil. Die Richtigkeit der Expertenmeinung fand medial großen Widerhall. (Renovierung und Ausbau Vindobona)

Die Unterschiedlichkeit der angelegten Maßstäbe wird für die Betreiber kleinerer Bühnen immer unverständlicher. Dass sich das Kulturamt mittlerweile dazu bekennt, "eine finanzielle Unterstützung für das Genre Kabarett prinzipiell nicht seitens der Stadt Wien vorzusehen", trägt nicht zur Klärung bei.

Dazu Doris Ringseis: "Für mich wird damit in Abrede gestellt, dass es sich bei Kleinkunst und Kabarett um Kultur handelt. Dies in einer Stadt, deren Kabarett-Geschichte bis 1901 zurückgeht und die sich mit einem Karl Farkas, Ernst Waldbrunn oder Hugo Wiener schmückt"

Es fehlen 135.000 Euro jährlich

Bisher wurde ein Teil des fehlenden Betrages vom Sponsor Fernwärme Wien übernommen. Die Kürzungen betrugen - seit Bestehen der Verträge im Jahr 2005 - 22.000 Euro. Im Rahmen der guten Zusammenarbeit zwischen Fernwärme Wien und Kulisse besteht bis Ende 2008 eine Vereinbarung für Ermäßigungen der Kartenpreise für bestimmte Personengruppen. Diese Vereinbarung darf nicht vorab einseitig gekürzt werden. Ebenso können Kartenpreise, die sich zwischen zwölf und 20 Euro bewegen, mit Rücksicht auf die Zuschauerzahlen nicht erhöht werden.

Während Kosten für Personal und Energie beständig steigen, können die Umsätze nicht erhöht werden. Sollte es zu keiner akzeptablen Einigung kommen, muss das Traditionshaus Kulisse zusperren.

Konkrete Wünsche, Vorschläge, Forderungen

Einhaltung der konkreten Zusagen und Versprechen in einem Zeitraum, der für eine seriöse wirtschaftliche Kalkulation unumgänglich ist.

Anerkennung von Kabarett und Kleinkunst als fixer kultureller Faktor der Kulturstadt Wien.

Einheitliche Maßstäbe für die Vergabe von Subventionen und Sponsorings.

Eine partnerschaftliche Gesprächsbasis beruhend auf gegenseitiger Wertschätzung.

Rasche Entscheidungen im Hinblick auf die von der Schließung bedrohte Kulisse.

Background

Das Theater-Beisl Kulisse wurde 1980 gegründet. Mit einem Fassungsvermögen von 216 Sitzplätzen widmet sich das Lokal seither den Schwerpunkten Kabarett, Kleinkunst, Weltmusik und Eigenproduktionen mit nationalen und internationalen Künstlern.

Mit einer durchschnittlichen Anzahl von rund 160 Gästen bei 7800 Vorstellungen seit ihrer Gründung, haben rund 1,3 Millionen Menschen die Kulisse besucht.

Rückfragen & Kontakt:

Kulisse
Doris Ringseis
Tel.: mobil ++43/664/261 25 65
Büro: ++43/1/481 63 07
office@kulisse.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0004