Der jüdische Friedhof in Floridsdorf

Wien (OTS) - Nur wenige Leute und meist nur alteingesessene FloridsdorferInnen wissen, dass es in unserem Bezirk einen jüdischen Friedhof gibt. Noch weniger Menschen wissen, wo er genau ist bzw. haben ihn schon einmal gesehen. Am Dienstag, 16.9., 17.30 Uhr kann man mit uns diese letzte Erinnerung an die einst große jüdische Gemeinde im Bezirk besuchen. Ausgangspunkt des Besuchs ist die Zweigstelle Großjedlersdorf, wo der Zeitzeuge Erich Sinai über das Leben der Floridsdorfer Juden erzählen und Tatjana Tupy ein (EU-)Projekt des GRG 21 Ödenburger Straße 74 zu diesem Thema vorstellen wird. Danach spaziert man zum nahe gelegenen Friedhof (ca. 10 Minuten; bzw. alternativ zwei Stationen mit dem Bus), wo Sinai über die Geschichte des Friedhofs berichten wird und die Möglichkeit besteht, den sonst verschlossenen Ort zu besichtigen.

Der Friedhof

Ab 1862 strömten viele jüdische Einwanderer aus Mähren und der Slowakei nach Floridsdorf, das damals noch nicht zu Wien gehörte. Da 1877 schon 111 jüdische Familien angesiedelt waren, kam es zur Errichtung des Friedhofs, der bereits 1881 erweitert wurde. 1909 übernahm die israelitische Kultusgemeinde die Verwaltung. Wie durch ein Wunder blieb der Friedhof während der Naziherrschaft weitgehend verschont. 1978 wurde er offiziell geschlossen und erst 1997 durch SchülerInnen des GRG21 Ödenburgerstraße wieder zum Leben erweckt. Ein Stück jüdischer Geschichte und Kultur wurde damit bewahrt.

Erich Sinai wurde am 15.12.1917 in Floridsdorf geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte und bis 1938 arbeitete. Als die Firma arisiert wurde, wurde er als Jude entlassen. Nach seiner Flucht nach Riga, Sibirien und Kasachstan kehrte Erich Sinai 1947 nach Wien zurück. Er erfuhr von seiner Schwester, die in Theresienstadt überlebte, dass die Mutter und viele seiner Angehörigen ermordet wurden. Sein Vater, die Großeltern und viele seiner Verwandten sind am jüdischen Friedhof begraben.

Tatjana Tupy war 1996/97 als Schülerin in dem Projekt "Der jüdische Friedhof in Floridsdorf" unter der Leitung von Prof. J. Schrammel federführend. Unterstützung bekamen die engagierten Jugendlichen von Helfern aus verschiedenen Bereichen. Am 16.9. wird sie über ihre Erfahrungen, die im Verlauf des Projekts entstanden sind, berichten. Im Anschluss an die Veranstaltung besteht die Möglichkeit, den jüdischen Friedhof in der Ruthnergasse gemeinsam mit Erich Sinai zu besuchen.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Kulturvereins Transdanubien und der VHS Floridsdorf:

o Dienstag, 16. September 2008, 17.30 Uhr Volkshochschule Floridsdorf, Zweigstelle Großjedlersdorf, Siemensstraße 17 (Volksheim) Kursbeitrag: 5,- Euro verbindliche Kartenreservierungen: 01/294 66 60 oder grossjedlersdorf@vhs21.ac.at

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) vhs

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Wolfgang Gruber
VHS Floridsdorf
Tel. 271 32 36
gruber@vhs21.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0010