• 09.09.2008, 11:39:38
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AK: Schlechtes Zeugnis für Österreich bei der Chancengleichheit

OECD-Erhebung zeigt schlechte soziale Durchlässigkeit und zu wenig Möglich-keiten zur Höherqualifizierung im heimischen Bildungssystem

Wien (OTS) - "Von Chancengleichheit sind wir noch weit entfernt",
sagt AK Bildungsbereichsleiterin Johanna Ettl. Die Ergebnisse der
OECD-Erhebung "Education at a Glance" zeigen, dass die Ausbildung der
Kinder immer noch stark von jener der Eltern abhängt. Nur in
Deutschland gibt es im Bildungssystem eine noch geringere soziale
Durchlässigkeit. Schlechte Noten bekommt Österreich auch bei der
Höherqualifizierung: In Österreich beginnen viel weniger junge
Menschen ein Studium als in anderen europäischen Ländern. Auch beim
Bildungsstand der Gesamt-Bevölkerung bleibt Österreich hinter den
Besten zurück. "Wenn wir den Anschluss an unsere Nachbarn nicht
verlieren wollen, muss endlich Bewegung ins Bildungssystem kommen",
so Ettl.

Zum ersten Mal wurde im Rahmen von "Education at a Glance" die
soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems analysiert. Die Studie
stellt Österreich in dieser Frage ein schlechtes Zeugnis aus. Während
in Österreich 39 Prozent der männlichen Bevölkerung zwischen 40 und
60 Jahren einen Arbeiterhintergrund haben, beträgt der Anteil der
Jugendlichen mit Arbeiterhintergrund in Hochschulausbildung nur 20
Prozent. Bei den untersuchten Ländern hat nur Deutschland eine noch
geringere soziale Durchlässigkeit. "Wenn wir nicht auf das Potenzial
von tausenden jungen Menschen verzichten wollen, müssen wir dringend
dafür sorgen, dass die Ausbildungschancen der Kinder nicht länger von
der Bildung der Eltern abhängen", so Ettl.

"Um mit den Besten in Europa mitzuhalten, muss dringend Bewegung in
das Bildungssystem kommen. Unsere Nachbarn haben uns in Sachen
Ausbildungsstand längst überholt", sagt Ettl. So liegt der Anteil der
Bevölkerung, die nicht zumindest einen Abschluss der Sekundarstufe II
(Lehre, berufsbildende Schule, Matura) haben bei 20 Prozent. Bis auf
Italien liegen alle Nachbarländer vor Österreich. Dazu kommt, dass
die Entwicklung des Bildungsstandes in Österreich stagniert, während
Länder wie Tschechien Fortschritte auf hohem Niveau machen.

Sehr bedenklich ist, dass der Anteil der Jungendlichen, die nach der
Ausbildung beschäftigungslos sind, steigt. Bei den 25 bis 29-Jährigen
ist ihr Anteil von 12,3 Prozent im Jahr 2003 auf 15,3 Prozent im Jahr
2006 gestiegen. "Für die jungen Menschen ist ein solcher Einstieg in
die Berufswelt eine Katastrophe", so Ettl. Dabei zeigt die
OECD-Studie den engen Zusammenhang zwischen beruflichen Chancen und
Bildung: Bei den 20 bis 24-Jährigen ohne weiterführende Schulbildung
liegt die Arbeitslosigkeit bei fast 14 Prozent, bei den 25 bis
29-Jährigen ohne weiterführende Schulbildung bei 12,4 Prozent.

Ernüchternd ist für Ettl auch die Entwicklung der Studierendenzahlen.
Trotz einer leich-tern Verbesserung gegenüber 2006 beginnen in
Österreich nur 40 Prozent eines Alters-jahrganges ein Studium - der
OECD-Schnitt liegt bei 56 Prozent. Österreich hat mit 18 Prozent auch
eine der niedrigsten Akademikerquoten (der OECD-Schnitt ist 27
Prozent).

"Die Ergebnisse zeigen einmal mehr den Handlungsbedarf. Das
Bildugnssystem muss durchlässiger werden und die Möglichkeiten eine
weiterführende Ausbidlung zu beginnen müssen verbessert werden", sagt
Ettl. Die AK fordert:
+ eine verpflichtende, gebührenfreie Vorschule zumindest für alle
5-Jährigen,
+ eine gemeinsame Schule im Bereich der Mittelstufe (AHS und
Hauptschule),
+ Ganztagsbetreuungsangebote und individuelle Förderung für alle
Kinder.
+ die Umsetzung des Ausbildungspakets der Sozialpartner und eine
Ausbildungsgarantie im Bereich der berufsbildenden Schulen
+ den freien Zugang zu Hochschulbildung, der von sozialen Maßnahmen
(Schülerbeihilfen, Studienbeihilfen etc.) flankiert sein muss und
+ die ausufernden privaten Ausgaben für Bildung (zB Nachhilfe) müssen
durch Reformen wie Kurssystem statt Sitzenbleiben, ein Recht auf
Förderunterricht und Ganztagsbetreuung eingedämmt werden.

Rückfragehinweis:
Sylvia Kuba
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2331
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

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