• 08.09.2008, 08:33:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Fremdes Geld ausgeben ist immer einfach - von Esther Mitterstieler

Schau einem geschenkten Gaul nicht nur ins Maul!

Wien (OTS) - Jetzt sind also die Grünen für eine raschere Öffnung
des heimischen Arbeitsmarktes, und zwar ab 2009. Damit sind sie sich
mit der ÖVP in einem wichtigen Punkt einig. Was im Übrigen ganz nach
dem Geschmack jener Manager ist, die das Meinungsforschungsinstitut
OGM im Auftrag des WirtschaftsBlatts im August zu ihrem Wahlverhalten
befragte. Ergebnis: Schwarz-Grün mit Partner, also Dreierkoalition.
Nach Durchsicht der Wahlprogramme fällt eines klar ins Auge:
Zumindest die traditionellen Parteien, zählen wir auch das Liberale
Forum dazu, unterscheiden sich nur minimalst, wenn es um das Thema
Teuerung geht. ÖVP, SPÖ, Grüne, FPÖ, BZÖ und das LIF übertrumpfen
sich gegenseitig in ihrer Order, der Teuerung den Garaus zu machen.
Richtig erkannt: Die Inflation ist das Böse. Und das Böse muss weg.
Egal mit welchem Geld. Da wird in eineinhalb Jahren Regierung nur
gesudert, dass kein Geld in der Staatskasse ist und plötzlich, siehe
da, gibt es Milliarden zum Verteilen. Pro Partei kann man für diverse
Wahlzuckerln locker fünf bis sechs Milliarden Euro rechnen. Weil es
einfach ist, fremdes Geld auszugeben.

Alle Parteien scheinen die Spendierhosen ausgepackt zu haben. Die
Steuerzahler muss das erschauern lassen: Denn die böse Teuerung wird
mit Geld bekämpft, das die Parteien gar nicht haben. Es ist das Geld
der Steuerzahler. Wer soll denn die Mehrwertsteuerhalbierung auf
Lebensmittel zahlen, die etwa die SPÖ vorschlägt? Das sind 1,3
Milliarden Euro, die den Steuerzahlern nach der Wahl wieder
abgenommen werden müssen. Gleiches gilt für die von der ÖVP
propagierte Familienbeihilfe und die von den Grünen geforderten
Gratis-Öffis. Freie Fahrt für alle Verschwender des öffentlichen
Geldes, kann einem da nur einfallen. Das sind doch keine Maßnahmen,
mit denen man Inflation langfristig bekämpfen kann. Aber wenn die ÖVP
ins Wahlprogramm schreibt, bis 2010 soll die Inflationsrate unter
zwei Prozent sinken, dann müssen eben schnelle und möglichst
populistische Maßnahmen her. Also: Ob Mehrwertsteuersenkung auf
Lebensmittel oder freie Fahrt für alle mit öffentlichen
Verkehrsmitteln: Schöne Versprechen, die hoffentlich nicht
eingehalten werden.

Was die Parteien alles umsetzen wollen, um die Bürger zu entlasten,
wird letztendlich von den selben Bürgern bezahlt. Das ist wie mit dem
trojanischen Pferd: Die Griechen bauten das Holzpferd und versteckten
in seinem Bauch Soldaten, die Troja durch diese List übernahmen. Also
am besten: Schau einem geschenkten Gaul nicht nur ins Maul! Was sich
auch als Motto beim Urnengang anwenden lässt.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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