- 03.09.2008, 12:31:02
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Die Medizin in Österreich ist in akuter Lebensgefahr
Podiumsdiskussion in Niederösterreich brachte tiefgreifende Probleme ans Tageslicht
Wien (OTS) - Die so genannte Gesundheitsreform vom Frühsommer und
diejenigen, die sie mit Gewalt gegen die Ärztinnen und Ärzte
durchpeitschen wollten, sind gescheitert. "Nun stehen Neuwahlen an.
Für uns Ärztinnen und Ärzte ist es wesentlich zu erfahren, was die
Regierungsparteien aus dem letzten Versuch gelernt haben und mit
welchen Vorhaben, Ideen und Versprechen alle Parteien in diesen
Wahlkampf gehen", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer
für Niederösterreich. Um den Volksvertretern Gelegenheit zu geben,
Rede und Antwort zu stehen, hatte man bereits unmittelbar nach Bruch
der großen Koalition mit der Organisation einer Podiumsdiskussion
begonnen, zu der alle bereits etablierten Parteien sowie nach und
nach die neuen Gruppierungen eingeladen wurden.
Bemerkenswert aus Sicht von Präsident Dr. Reisner war das
Fernbleiben der ÖVP von der Veranstaltung, die am gestrigen Abend
durchgeführt wurde. "Immerhin waren deren Mandatare die treibende
Kraft des missglückten Reformversuchs. Trotz Zusage bereits im Juli
hat man es nicht geschafft, einen Vertreter zu entsenden. Für mich
ist das ein klares Zeichen, welchen Stellenwert die Ärzteschaft
innerhalb dieser Partei hat." Wahlempfehlung seitens der NÖ
Ärztekammer wird es trotzdem keine geben. "Ich halte es nicht für
sinnvoll, wenn sich ein hochrangiger Repräsentant einer
Interessenvertretung positioniert. Nach der Deklaration des
Österreichischen Ärztekammerpräsidenten Dr. Walter Dorner pro ÖVP
hatte es berechtigt massive Kritik aus der Ärzteschaft gegeben. Das
ist kein geeignetes Zeichen, zumal man deren Reformprogramm noch vor
wenigen Monaten seitens der Ärzteschaft mit allen Mitteln bekämpfen
musste", so Präsident Dr. Reisner.
Am Podium stellten sich die Gesundheitssprecher aller derzeit im
Parlament vertretenen Parteien (außer ÖVP) den Fragen der
Ärzteschaft, weiters ein Vertreter der KPÖ und die
Gesundheitssprecherin des "Bürgerforums Liste Dinkhauser". "Die
Christen" und "Rettet Österreich" hatten im Vorfeld bereits abgesagt,
vom Liberalen Forum ist trotz Zusage kein Vertreter angereist. Im
Gegensatz zum jüngst überstandenen Versuch zeigten sich die
anwesenden Parteienvertreter überzeugt, dass man keine
Gesundheitsreform ohne die Ärzteschaft durchführen sollte. "Es ist
schon erstaunlich, dass gestern Politiker aller Farben in
Vorwahlzeiten das erkannten, was uns im Frühsommer niemand geglaubt
hat und zu massiven Protestaktionen geführt hat", so Präsident Dr.
Reisner. Einig waren sich die Gesundheitssprecher auch, dass das
Gesundheitssystem mehr Geld braucht. Nur so könnten alle Patienten
die für sie optimale Versorgung erhalten, die sie nach Aussagen der
Politiker auch bekommen sollten. Immerhin haben sie selbst oft
jahrelang in dieses System eingezahlt. Die Ansätze zur zweifelsohne
notwendigen Optimierung des Systems waren am Podium zahlreich
vorhanden, jedoch ohne wirkliche ganzheitliche Konzepte und vor allem
außer verschiedenen Ansätzen zu Beitragserhöhungen, -verschiebungen
oder -verbreiterungen ohne realistische Vorschläge, wie man die
Wunschvorstellungen durchsetzen wolle.
Allerdings war die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, den
anwesenden Politikern die echten Probleme im Gesundheitswesen aus
Sicht der Ärztinnen und Ärzte klar zu machen. So existieren in den
Krankenhäusern bereits heute lebensfeindliche Arbeitsbedingungen, die
den vorhandenen ÄrztInnenmangel noch verstärken und mittelfristig zu
unzähligen nicht nachbesetzbaren Dienstposten und
Kassenvertragsstellen führen werden. "Wenn es nicht gelingt, die
Attraktivität des Berufes der Ärztinnen und Ärzte wieder
herzustellen, ist die Medizin in Österreich bereits in wenigen Jahren
in akuter Lebensgefahr." Präsident Dr. Reisner gab den anwesenden
Politikern abschließend den Hinweis mit auf den Weg, dass Reformen
vorbei an den PatientInnen und ÄrztInnen niemals greifen können: "Wir
brauchen dringend Änderungen im System, aber zugunsten der
betroffenen Menschen und nicht in Richtung weiterer Vertechnisierung
und Verbürokratisierung. Bleibt nur zu hoffen, dass die
Lippenbekenntnisse in Vorwahlzeiten diesmal die Phase der
Regierungsbildung überdauern und nicht wie bisher üblich den
Koalitionsverhandlungen zum Opfer fallen."
Rückfragehinweis:
Michael Dihlmann, Pressesprecher,
Tel. 0664/144 98 94, E-Mail: [email protected]
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