Die Medizin in Österreich ist in akuter Lebensgefahr

Podiumsdiskussion in Niederösterreich brachte tiefgreifende Probleme ans Tageslicht

Wien (OTS) - Die so genannte Gesundheitsreform vom Frühsommer und diejenigen, die sie mit Gewalt gegen die Ärztinnen und Ärzte durchpeitschen wollten, sind gescheitert. "Nun stehen Neuwahlen an. Für uns Ärztinnen und Ärzte ist es wesentlich zu erfahren, was die Regierungsparteien aus dem letzten Versuch gelernt haben und mit welchen Vorhaben, Ideen und Versprechen alle Parteien in diesen Wahlkampf gehen", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich. Um den Volksvertretern Gelegenheit zu geben, Rede und Antwort zu stehen, hatte man bereits unmittelbar nach Bruch der großen Koalition mit der Organisation einer Podiumsdiskussion begonnen, zu der alle bereits etablierten Parteien sowie nach und nach die neuen Gruppierungen eingeladen wurden.

Bemerkenswert aus Sicht von Präsident Dr. Reisner war das Fernbleiben der ÖVP von der Veranstaltung, die am gestrigen Abend durchgeführt wurde. "Immerhin waren deren Mandatare die treibende Kraft des missglückten Reformversuchs. Trotz Zusage bereits im Juli hat man es nicht geschafft, einen Vertreter zu entsenden. Für mich ist das ein klares Zeichen, welchen Stellenwert die Ärzteschaft innerhalb dieser Partei hat." Wahlempfehlung seitens der NÖ Ärztekammer wird es trotzdem keine geben. "Ich halte es nicht für sinnvoll, wenn sich ein hochrangiger Repräsentant einer Interessenvertretung positioniert. Nach der Deklaration des Österreichischen Ärztekammerpräsidenten Dr. Walter Dorner pro ÖVP hatte es berechtigt massive Kritik aus der Ärzteschaft gegeben. Das ist kein geeignetes Zeichen, zumal man deren Reformprogramm noch vor wenigen Monaten seitens der Ärzteschaft mit allen Mitteln bekämpfen musste", so Präsident Dr. Reisner.

Am Podium stellten sich die Gesundheitssprecher aller derzeit im Parlament vertretenen Parteien (außer ÖVP) den Fragen der Ärzteschaft, weiters ein Vertreter der KPÖ und die Gesundheitssprecherin des "Bürgerforums Liste Dinkhauser". "Die Christen" und "Rettet Österreich" hatten im Vorfeld bereits abgesagt, vom Liberalen Forum ist trotz Zusage kein Vertreter angereist. Im Gegensatz zum jüngst überstandenen Versuch zeigten sich die anwesenden Parteienvertreter überzeugt, dass man keine Gesundheitsreform ohne die Ärzteschaft durchführen sollte. "Es ist schon erstaunlich, dass gestern Politiker aller Farben in Vorwahlzeiten das erkannten, was uns im Frühsommer niemand geglaubt hat und zu massiven Protestaktionen geführt hat", so Präsident Dr. Reisner. Einig waren sich die Gesundheitssprecher auch, dass das Gesundheitssystem mehr Geld braucht. Nur so könnten alle Patienten die für sie optimale Versorgung erhalten, die sie nach Aussagen der Politiker auch bekommen sollten. Immerhin haben sie selbst oft jahrelang in dieses System eingezahlt. Die Ansätze zur zweifelsohne notwendigen Optimierung des Systems waren am Podium zahlreich vorhanden, jedoch ohne wirkliche ganzheitliche Konzepte und vor allem außer verschiedenen Ansätzen zu Beitragserhöhungen, -verschiebungen oder -verbreiterungen ohne realistische Vorschläge, wie man die Wunschvorstellungen durchsetzen wolle.

Allerdings war die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, den anwesenden Politikern die echten Probleme im Gesundheitswesen aus Sicht der Ärztinnen und Ärzte klar zu machen. So existieren in den Krankenhäusern bereits heute lebensfeindliche Arbeitsbedingungen, die den vorhandenen ÄrztInnenmangel noch verstärken und mittelfristig zu unzähligen nicht nachbesetzbaren Dienstposten und Kassenvertragsstellen führen werden. "Wenn es nicht gelingt, die Attraktivität des Berufes der Ärztinnen und Ärzte wieder herzustellen, ist die Medizin in Österreich bereits in wenigen Jahren in akuter Lebensgefahr." Präsident Dr. Reisner gab den anwesenden Politikern abschließend den Hinweis mit auf den Weg, dass Reformen vorbei an den PatientInnen und ÄrztInnen niemals greifen können: "Wir brauchen dringend Änderungen im System, aber zugunsten der betroffenen Menschen und nicht in Richtung weiterer Vertechnisierung und Verbürokratisierung. Bleibt nur zu hoffen, dass die Lippenbekenntnisse in Vorwahlzeiten diesmal die Phase der Regierungsbildung überdauern und nicht wie bisher üblich den Koalitionsverhandlungen zum Opfer fallen."

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