• 02.09.2008, 09:45:46
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Politische Börsen haben kurze Beine! - von Robert Gillinger

Nur wer wagt, gewinnt - also ab nach Russland!

Wien (OTS) - Russland scheint also dort weiterzumachen, wo die
Sowjetunion 1991 aufhören musste. Der "Kalte Krieg" ist zurück.
Zumindest könnte man diese Meinung haben, wenn man die Gazetten liest
oder im TV Panzerkolonnen durch Georgien fahren sieht. Kommt als
nächstes gar die Ukraine an die Reihe - und was dann? Somit Hände weg
von russischen Aktien? Mitnichten! Das hat nichts damit zu tun, dass
Aktien ein kapitalistisches Instrument sind, die in einem
autokratisch angehauchten System fehl am Platz sind. Es gibt genügend
Beispiele, dass beides Hand in Hand gehen kann. Singapur ist da so
ein Beispiel, Taiwan ein anderes. Und wer spricht heute noch vom
Massaker am Tian’anmen-Platz? Trotz aller zwischenzeitlicher
Börsenkrisen hat Chinas Börse seit damals knapp 20 Prozent zugelegt,
Jahr für Jahr. Hier kommt der alte Spruch zur Geltung: "Politische
Börsen haben kurze Beine". Das wird in Russland nicht anders sein.
Natürlich sind weitere Abgaben des Marktes nicht ausgeschlossen,
langfristig betrachtet ist aber jetzt ein ausgezeichneter Zeitpunkt,
in Russland zu investieren.

Wenn diese Theorie nicht stimmt, kann man der ganzen Globalisierung
Lebwohl sagen. Nicht nur den (positiven) wirtschaftlichen
Auswirkungen des Zusammenwachsens der internationalen
Völkergemeinschaft, die immer größere Teile der Erdbevölkerung aus
der Armut führt. Denn dann wird das Schicksal der Völker wieder von
nationaler Machtpolitik mit all ihren mörderischen Emotionen
bestimmt.

Das ist weder das Ziel Russlands, noch des Westens und auch das
ebenso autokratische China hat kein Interesse an einem neuen
"Bauernaufstand" an denen das Reich der Mitte so reich ist. Die
Volkswirtschaften sind mittlerweile dermaßen miteinander verwoben,
dass ein nachhaltiger "Kalter Krieg" praktisch unmöglich ist.
Natürlich könnte Russland uns Westeuropäern sein Öl und Gas
vorenthalten. Doch da wir deren größter Abnehmer sind, würden sich
Russlands Staatsfinanzen nicht freuen.

Damit wäre Putins Traum von einer (wirtschaftlichen) Großmacht
Russlands ausgeträumt. Man kann es wenden, wie man will - an einer
weiteren Zusammenarbeit führt kein Weg vorbei. Warum sollten also
Privatanleger nicht den selben Weg beschreiten und sich russische
Aktien ins Depot legen, wenn sie im Vergleich attraktiv sind? Derzeit
sind sie es. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,6 sind sie
deutlich günstiger bewertet als der Schnitt aller Emerging Markets
mit 10,5. Nur wer wagt, gewinnt, heißt es - wohl nicht umsonst.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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