WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Politische Börsen haben kurze Beine! - von Robert Gillinger

Nur wer wagt, gewinnt - also ab nach Russland!

Wien (OTS) - Russland scheint also dort weiterzumachen, wo die Sowjetunion 1991 aufhören musste. Der "Kalte Krieg" ist zurück. Zumindest könnte man diese Meinung haben, wenn man die Gazetten liest oder im TV Panzerkolonnen durch Georgien fahren sieht. Kommt als nächstes gar die Ukraine an die Reihe - und was dann? Somit Hände weg von russischen Aktien? Mitnichten! Das hat nichts damit zu tun, dass Aktien ein kapitalistisches Instrument sind, die in einem autokratisch angehauchten System fehl am Platz sind. Es gibt genügend Beispiele, dass beides Hand in Hand gehen kann. Singapur ist da so ein Beispiel, Taiwan ein anderes. Und wer spricht heute noch vom Massaker am Tian’anmen-Platz? Trotz aller zwischenzeitlicher Börsenkrisen hat Chinas Börse seit damals knapp 20 Prozent zugelegt, Jahr für Jahr. Hier kommt der alte Spruch zur Geltung: "Politische Börsen haben kurze Beine". Das wird in Russland nicht anders sein. Natürlich sind weitere Abgaben des Marktes nicht ausgeschlossen, langfristig betrachtet ist aber jetzt ein ausgezeichneter Zeitpunkt, in Russland zu investieren.

Wenn diese Theorie nicht stimmt, kann man der ganzen Globalisierung Lebwohl sagen. Nicht nur den (positiven) wirtschaftlichen Auswirkungen des Zusammenwachsens der internationalen Völkergemeinschaft, die immer größere Teile der Erdbevölkerung aus der Armut führt. Denn dann wird das Schicksal der Völker wieder von nationaler Machtpolitik mit all ihren mörderischen Emotionen bestimmt.

Das ist weder das Ziel Russlands, noch des Westens und auch das ebenso autokratische China hat kein Interesse an einem neuen "Bauernaufstand" an denen das Reich der Mitte so reich ist. Die Volkswirtschaften sind mittlerweile dermaßen miteinander verwoben, dass ein nachhaltiger "Kalter Krieg" praktisch unmöglich ist. Natürlich könnte Russland uns Westeuropäern sein Öl und Gas vorenthalten. Doch da wir deren größter Abnehmer sind, würden sich Russlands Staatsfinanzen nicht freuen.

Damit wäre Putins Traum von einer (wirtschaftlichen) Großmacht Russlands ausgeträumt. Man kann es wenden, wie man will - an einer weiteren Zusammenarbeit führt kein Weg vorbei. Warum sollten also Privatanleger nicht den selben Weg beschreiten und sich russische Aktien ins Depot legen, wenn sie im Vergleich attraktiv sind? Derzeit sind sie es. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,6 sind sie deutlich günstiger bewertet als der Schnitt aller Emerging Markets mit 10,5. Nur wer wagt, gewinnt, heißt es - wohl nicht umsonst.

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