• 01.09.2008, 08:55:10
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ohne "Brot und Spiele" gewinnt man keine Wahl - von Wolfgang Unterhuber

Wen interessieren Budgetdefizit und Staats-schulden?

Wien (OTS) - Lange bevor er als Feldherr Ruhm erlangte, war Gaius
Julius Cäsar bereits der populärste Politiker der römischen
Republik. Charmant, sportlich und ein toller Redner. Vor allem aber:
Wo Cäsar war, war Geld. Und mit diesem warf er sprichwörtlich nur so
um sich. Denn für seine politischen Ämter brauchte er die Stimmen der
Volksversammlung. Seine Rechnung ging auf. Obwohl die Elite gegen ihn
stand, hatte er das Volk auf seiner Seite. Mit 40 bekleidete er als
Konsul das höchste Amt im Staate. Seine Schulden betrugen 20 Prozent
des römischen BIP. Aber das interessierte niemanden, außer seine
Gläubiger.

Cäsar war zu seiner Zeit der erste Politiker, der das Prinzip "Brot
und Spiele" voll erkannte und in die Praxis umsetzte. Ein Prinzip,
das auch heute unverändert gilt. Der Kommunismus scheiterte deshalb,
weil es weder das eine noch das andere gab. Winston Churchill verlor
nach siegreichem Krieg 1945 vollkommen überraschend die Wahlen, weil
er den Briten weiterhin nur saure Zeiten in Aussicht stellte. Und in
Österreich büßte die ÖVP 1970 für Jahrzehnte die Mehrheit ein, weil
sie das Image der Knauserer-Partei nicht los wurde.

Gerade in Wahlkampfzeiten steht jeder Politiker entblößt da, wenn er
nicht die Spendierhosen anzieht. Wen interessieren da das
Budgetdefizit und die Staatsschulden? An der Tankstelle und im
Supermarkt erwacht derzeit wohl in uns allen der innere Schweinehund,
der "Sauerei" schimpft. Für Vernunft ist da kein Platz. Und mit
Vernunft lassen sich schon gar nicht Wahlen gewinnen.

Das erleben wir gerade wieder auf wunderbare Weise. Sowohl
hierzulande als auch in den USA. Da wie dort werden fast täglich neue
Steuerzuckerl und sonstige Geschenke versprochen. So richtig blöd
wird es dann, wenn solche Versprechungen nach der Wahl auch in die
Praxis umgesetzt werden. Wenn nicht, heißt man Alfred Gusenbauer und
wird arbeitslos. Wenn ja, dann ist bekanntlich irgendwann Zahltag.
Zahlen müssen dann alle. So wie die Amerikaner nach Ronald Reagan.
Der senkte eifrig die Steuern und hinterließ hernach den damals
größten Schuldenberg in der amerikanischen Geschichte. Sein
Nachfolger, George Bush senior, mußte aus diesem Grund die
Steuerschraube wieder anziehen, obwohl auch er Gegenteiliges
versprochen hatte. Für Bush war es das Ende. Und Reagan gilt bis
heute in den USA als Hero.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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