• 29.08.2008, 11:43:20
  • /
  • OTS0193 OTW0193

Licht und Schatten in der heimischen Softwarebranche

Indische Konzerne rücken an Europa heran - Fachkräftemangel in Österreich könnte zu Verlagerungen ins Ausland führen

Bei der APA-EBC-Veranstaltung gestern, Donnerstagabend, im Wiener Haus der Musik diskutierten Experten über Chancen und Probleme der heimischen Softwarebranche (v.l.n.r.): Marcus Hebein (Moderator/APA-MultiMedia), Harald Lakatha (IT Solution), Bernd Bugelnig (Capgemini), Wilfried Seyruck (Programmierfabrik/WKO), Michael Kral (NAVAX Consulting), Ernst Lieber (ANECON) und Markus D. Hartbauer (SER Solutions Deutschland).

Wien (OTS) - Neue Chancen durch die sich rasch ändernde
Wirtschaftswelt, aber auch stärkere Konkurrenz aus Billiglohnländern
werden der österreichischen Softwareindustrie in nächster Zeit
einiges abverlangen, waren sich Experten bei einer Veranstaltung der
APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien einig.

"Die Eigenleistung der IT-Abteilungen im Bereich der
Softwareentwicklung sinkt in den kommenden fünf Jahren von derzeit 32
Prozent auf 25 Prozent. Rund 75 Prozent werden dann zugekauft. Denn
die Industrialisierung der Informationstechnologie hat sich in den
Köpfen etabliert", erklärte Bernd Bugelnig vom Beratungs- und
Dienstleistungsunternehmen Capgemini.

Zu einem härteren Wettbewerb würde vor allem die Auslagerung in
Billiglohnländer beitragen. "Die Inder warten nicht, bis wir zu ihnen
kommen, sie kommen zu uns", so Bugelnig. Große IT-Dienstleister wie
Wipro, Tata oder Infosys hätten ihre Fühler schon nach Europa
ausgestreckt und seien inzwischen regional herangerückt. "Durch die
angestrebte Kundennähe nimmt die Konkurrenz zu", gab sich der Berater
überzeugt.

Das Auslagern der Entwicklungstätigkeiten berge aber auch Risiken.
Mangelnde Softwarequalität, Termintreue und Reaktionsschnelligkeit
sowie kulturelle Unterschiede und Schwierigkeiten bei der
Kommunikation könnten manche Projekte ins Wanken bringen.
Andererseits seien durch Outsourcing interne Umschichtungen im
IT-Budget möglich, wodurch mehr Geld für Innovationen zur Verfügung
stehen würde. "Aber auch in Billiglohnländern werden früher oder
später die Kosten steigen, das haben wir ja auch in Osteuropa
erlebt", so der Experte.

Beim Outsourcing gehe es allerdings nicht nur um den Preis,
sondern auch um die Ressourcen. "Kurzfristig ein Team von 250
Personen aufzustellen geht in Indien mit einem Fingerschnipp. In
Österreich wäre das sehr schwierig", sagte Bugelnig. Außerdem würden
auch Länder wie Vietnam, das mit einer sehr guten technischen
Ausbildung punkten könne, Marokko, China und Mexiko schon in den
Startlöchern scharren.

Auch Wilfried Seyruck, Geschäftsführer des oberösterreichischen
Outsourcing-Anbieters Programmierfabrik und Fachgruppenobmann
Unternehmensberatung und Informationstechnologie der
Wirtschaftskammer Oberösterreich, sieht das Ressourcen-Problem als
Herausforderung für die heimische Softwarebranche. "Rund 34 Prozent
der Entwicklungsfirmen müssen durch den Mangel an Fachkräften
Projekte verschieben. Die Betriebe siedeln sich aber dort an, wo es
Rohstoffe gibt. Und der wichtigste 'Rohstoff' für die Entwicklung von
Software ist der gut ausgebildete Mensch", erklärte Seyruck. Durch
diese Entwicklung drohe eine Abwanderung von Betrieben und die
Verlagerung von Kernkompetenzen ins Ausland.

"Auch wenn indische Fachkräfte näher an uns heranrücken, wird oft
gewünscht, dass ein lokaler Anbieter das Entwicklungsprojekt
steuert", relativierte Ernst Lieber vom Softwareberater Anecon.
Außerdem könnten die Volkswirtschaften - etwa in Osteuropa - bald
selbst Probleme bekommen, weil der Bedarf auch dort ständig zunehme.
"Für unsere Projekte werden wir sie dann nicht mehr bekommen",
prognostizierte Lieber. Grundsätzlich begrüße er Änderungen, da eine
rasante Dynamik in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen der
Hauptimpuls für Hochkonjunktur in der Softwarebranche sei.

"Ressourcen werden immer kurzfristiger gebraucht. Wenn im Inland
keine vorhanden sind, greifen wir auf internationale zurück", sieht
Michael Kral vom Softwarespezialisten Navax Consulting die Situation
eher pragmatisch. Eine weitere Möglichkeit sei die Rekrutierung
junger Hochschulabgängerinnen und -abgänger. Obwohl Fachkräftemangel,
Wettbewerbs- und Kostendruck auch in Österreich zunehmen würden,
erlebe die Softwareindustrie einen stetigen Aufschwung. Ein Grund
dafür sei, dass nach den großen Unternehmen nun auch kleine und
mittelständische Betriebe an der Anpassung von Standardsoftware an
die internen Prozesse interessiert wären.

Beim Outsourcing gehe zum Teil das Know-how über das eigene
Produkt verloren, auch wenn sich dieser Effekt erst nach zwei bis
drei Jahren einstelle, sagte Harald Lakatha, Geschäftsführer des
Softwareanbieters IT Solution. "Die Auslagerung etwa nach Indien kann
vernünftig sein. Aber in den wenigsten Fällen - meist bei größeren
Organisationen mit entsprechenden Strukturen - bleibt den Unternehmen
unterm Strich eine Einsparung übrig", so Lakatha.

Die Zeitdauer bis zur Nachbesetzung einer Position habe sich
verdoppelt, beklagte Markus D. Hartbauer vom Systemhaus SER
Solutions. Nun müsse daran gefeilt werden, das Berufsbild zu
verbessern. Denn wegen der durchlässiger werdenden Arbeitsmärkte -
besonders in Hinblick auf die neuen EU-Mitgliedstaaten - sei die
Konkurrenz für die heimischen Arbeitnehmer gestiegen. Die
Software-Industrie müsse sich von der Programm-Entwicklung zur
Plattform-Entwicklung wandeln, um durch Multiplikatoren und
internationales Venture Capital "am richtig großen Kuchen
mitzunaschen".

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

- ANECON Software Design und Beratung GmbH / www.anecon.com
 - Capgemini Consulting Österreich AG / www.at.capgemini.com
 - diamond:dogs webconsulting GmbH / www.diamonddogs.cc     
 - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH / www.dimoco.at 
 - Dialog Marketing Verband Österreich / www.dmvoe.at       
 - economyaustria / www.economyaustria.at                   
 - Gentics Software GmbH / www.gentics.com                  
 - Hewlett-Packard / www.hp.com/at                          
 - IT Solution GmbH / www.itsolution.at                     
 - Kapsch CarrierCom AG / www.kapsch.net                    
 - Microsoft Österreich / www.microsoft.com/austria         
 - NAVAX Consulting AG / www.navax.at                       
 - NextiraOne / www.nextiraone.at                           
 - SER Solutions Österreich / GmbH www.ser.at               
 - Telekom Austria / www.telekom.at                         
 - WirtschaftsBlatt / www.wirtschaftsblatt.at               
 - Wirtschaftskammer Österreich / www.wko.at                
 - APA-MultiMedia / http://multimedia.apa.at

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at .

Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MMM

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel