- 28.08.2008, 17:01:57
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Mit Narzissmus kommt man nicht weit - von Michael Laczynski
Tüchtigkeit und Geschäftssinn verbessern Österreichs Image
Wien (OTS) - Unter Narzissmus versteht man einen Charakterzug, der
sich durch übertriebene Einschätzung der eigenen Wichtigkeit
auszeichnet, gepaart mit dem ausgeprägten Wunsch nach Bewunderung und
fehlender Empathie. Eine narzisstische Person kann sich nur schwer in
die Gefühlswelten anderer Menschen hineinversetzen und ist davon
überzeugt, immer im Recht zu sein. Dass auch bei Menschengruppen,
sogar ganzen Nationen, narzisstische Züge auftreten können, lässt
sich etwa bei Russlands Vorgehen am Kaukasus beobachten. Doch auch
in Österreich ist man von dieser Sünde nicht frei. Vor allem, wenn es
um die Beziehungen zu den östlichen Nachbarn geht.
Eines vorweg: Was die österreichische Wirtschaft in Mittel-, Ost- und
Südosteuropa für das rot-weiß-rote Image geleistet hat, ist immens.
Millionen Ungarn, Tschechen, Polen oder Kroaten haben Unternehmen wie
Raiffeisen, Wienerberger oder Strabag als zuverlässige
Geschäftspartner, solide Arbeitgeber und innovative Dienstleister
erlebt. Dieser Glanz strahlt auch auf das Land Österreich ab.
Doch leider geschehen auch Dinge, die dieses positive Bild
beschädigen. Zum Beispiel die Causa Raab, bei der sich Österreich
durch die Unfähigkeit - oder Unwilligkeit - seiner Behörden in Ungarn
das Image eines Umweltverschmutzers eingehandelt hat, der Abwässer
heimlich zu den Nachbarn leitet. Oder die Kritik am "Schrottreaktor"
Temelin, die verdächtige Parallelen zu den Vorurteilen aufweist, die
schon zu Zeiten der Donaumonarchie gegenüber "den Böhmen" gepflegt
wurden. Oder die Verkehrsverbindungen nach Tschechien und in die
Slowakei, die auch 19 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs
miserabel sind - und zwar nur hierzulande, denn hinter den Grenzen
ist der Ausbau des Straßennetzes weiter fortgeschritten. Oder die
Tatsache, dass eben diese Grenzen nach wie vor von österreichischen
Soldaten "bewacht" werden, obwohl es längst nichts mehr zu bewachen
gibt.
Der Versuch, als Wohltäter aufzutreten, der alles weiß und den
Armutschkerln die Welt erklärt, kann nur schiefgehen. Auch das
Unterstreichen der gemeinsamen Geschichte funktioniert bedingt, denn
"unser guter Kaiser Franz" gilt in weiten Teilen Osteuropas als
oberster Aufseher eines "Völkerkerkers". Es hilft nichts: Mit
vermeintlichen Überlegenheitsgefühlen kommt man im Osten nicht weiter
- mit Tüchtigkeit und Geschäftssinn sehr wohl.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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