WirtschaftsBlatt-Kommentar: Mit Narzissmus kommt man nicht weit - von Michael Laczynski

Tüchtigkeit und Geschäftssinn verbessern Österreichs Image

Wien (OTS) - Unter Narzissmus versteht man einen Charakterzug, der sich durch übertriebene Einschätzung der eigenen Wichtigkeit auszeichnet, gepaart mit dem ausgeprägten Wunsch nach Bewunderung und fehlender Empathie. Eine narzisstische Person kann sich nur schwer in die Gefühlswelten anderer Menschen hineinversetzen und ist davon überzeugt, immer im Recht zu sein. Dass auch bei Menschengruppen, sogar ganzen Nationen, narzisstische Züge auftreten können, lässt sich etwa bei Russlands Vorgehen am Kaukasus beobachten. Doch auch in Österreich ist man von dieser Sünde nicht frei. Vor allem, wenn es um die Beziehungen zu den östlichen Nachbarn geht.

Eines vorweg: Was die österreichische Wirtschaft in Mittel-, Ost- und Südosteuropa für das rot-weiß-rote Image geleistet hat, ist immens. Millionen Ungarn, Tschechen, Polen oder Kroaten haben Unternehmen wie Raiffeisen, Wienerberger oder Strabag als zuverlässige Geschäftspartner, solide Arbeitgeber und innovative Dienstleister erlebt. Dieser Glanz strahlt auch auf das Land Österreich ab.

Doch leider geschehen auch Dinge, die dieses positive Bild beschädigen. Zum Beispiel die Causa Raab, bei der sich Österreich durch die Unfähigkeit - oder Unwilligkeit - seiner Behörden in Ungarn das Image eines Umweltverschmutzers eingehandelt hat, der Abwässer heimlich zu den Nachbarn leitet. Oder die Kritik am "Schrottreaktor" Temelin, die verdächtige Parallelen zu den Vorurteilen aufweist, die schon zu Zeiten der Donaumonarchie gegenüber "den Böhmen" gepflegt wurden. Oder die Verkehrsverbindungen nach Tschechien und in die Slowakei, die auch 19 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs miserabel sind - und zwar nur hierzulande, denn hinter den Grenzen ist der Ausbau des Straßennetzes weiter fortgeschritten. Oder die Tatsache, dass eben diese Grenzen nach wie vor von österreichischen Soldaten "bewacht" werden, obwohl es längst nichts mehr zu bewachen gibt.

Der Versuch, als Wohltäter aufzutreten, der alles weiß und den Armutschkerln die Welt erklärt, kann nur schiefgehen. Auch das Unterstreichen der gemeinsamen Geschichte funktioniert bedingt, denn "unser guter Kaiser Franz" gilt in weiten Teilen Osteuropas als oberster Aufseher eines "Völkerkerkers". Es hilft nichts: Mit vermeintlichen Überlegenheitsgefühlen kommt man im Osten nicht weiter - mit Tüchtigkeit und Geschäftssinn sehr wohl.

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