- 28.08.2008, 10:03:36
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PatientInnen in Spitälern immer unzufriedener
NÖ Ärztekammer macht schlechte Arbeitsbedingungen für angeblichen Qualitätsmangel mitverantwortlich
Wien (OTS) - Am Mittwoch sorgte der Sprecher der Patientenanwälte
in Österreich Dr. Gerald Bachinger mit Ergebnissen einer Studie für
Aufsehen, die eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Beschwerden von
PatientInnen nach Spitalsbesuchen deutlich machte. "Grundsätzlich
halte ich es für positiv, wenn der Patientenanwalt diese Thematik
hinterfragt. Allerdings frage ich mich, warum er keine
Ursachenforschung betreibt und etwa die eklatanten Überschreitungen
der Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern
ignoriert", so der Kurienobmann der Angestellten Ärzte der
Ärztekammer für Niederösterreich Dr. Ronald Gallob.
Dr. Gallob macht die schlechten Arbeitsbedingungen mit für die
aufgezeigte Problematik verantwortlich: "Im Spital sind Arbeitszeiten
weit über dem vernünftigen Maß leider normal. Die Ärzteschaft
arbeitet jedoch nicht freiwillig so lange, sondern aufgrund des
bestehenden Ärztemangels. Die Ärztekammer in Niederösterreich wehrt
sich schon seit langem gegen die unhaltbaren Zustände in Spitälern."
Er warnt auch vor weiteren bürokratischen Maßnahmen, die vom
Patientenanwalt als Qualität bezeichnet werden und letztendlich nur
Zeit stehlen: "Zunächst sollten die Arbeitsbedingungen verbessert
werden. Unausgeschlafene, unter Zeitdruck arbeitende überlastete
Ärztinnen und Ärzte sind sicherlich nicht hilfreich für die
Behandlung der Patientinnen und Patienten."
Vizepräsident Dr. Gerrit Loibl erläutert: "Das
Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz wurde zwar novelliert, aber dadurch
erfahren mehr als 50 Prozent der Ärztinnen und Ärzte keinen Schutz.
Weil Sanktionen nur bei privatrechtlichen Institutionen greifen
können, öffentlichrechtliche Dienstgeber wie beispielsweise in
Niederösterreich sind davon ausgenommen." Durch dieses Gesetz wurden
also Rahmenbedingungen geschaffen, die Arbeitszeitüberschreitungen
zulassen. "Durch überlastete Ärzteschaft kann es natürlich wie
überall leichter zu Fehlern kommen", so Vizepräsident Dr. Loibl.
Es ist jedoch nicht die fehlende medizinische Qualität, die zu
Unzufriedenheit führt, sondern der nach Ansicht der Patientinnen und
Patienten unadäquate Umgangston bzw. schlechte Information.
"Kommunikationsstörungen mit Betroffenen, die vielleicht sogar
aufgrund der Vorgaben der Politik nicht das bekommen was sie sich
einbilden, sind für uns kein Kriterium. Wenn es tatsächlich
Missstände geben sollte, kann man diese offenlegen und mit uns
sprechen. Wir verwehren uns dagegen, dass die Ärzteschaft pauschal
wegen angeblicher Qualitätsmängel verunglimpft wird", so Dr. Gallob.
Vizepräsident Dr. Loibl bekräftigt: "Im Vergleich zur Frequenz in
den Spitälern kommen Beschwerden von nur jedem tausendsten Patienten
und davon gibt es nur bei jedem Dritten bloß den Verdacht auf
Behandlungsfehler. Die tatsächliche Fehlerquote ist nicht bekannt,
dürfte aber in einem marginalen Bereich liegen, von dem alle anderen
Dienstleister nur träumen können." Man wehrt sich innerhalb der
Ärztekammer jedenfalls gegen unbegründete Miesmacherei in
Vorwahlzeiten: "Wir brauchen in den Spitälern keine
Qualitätsoffensive mit weiteren Zeit fressenden Bürokratieschikanen
wie Qualitätsberichten oder "Sternchensystemen". Wir brauchen Zeit.
Behandlung und Medizin brauchen Zeit. Zeitmangel ist Gift für
zufriedenstellende und gute Betreuung", so das Resümee von
Vizepräsident Dr. Loibl.
Rückfragehinweis:
Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94, mailto:[email protected]
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