PatientInnen in Spitälern immer unzufriedener

NÖ Ärztekammer macht schlechte Arbeitsbedingungen für angeblichen Qualitätsmangel mitverantwortlich

Wien (OTS) - Am Mittwoch sorgte der Sprecher der Patientenanwälte in Österreich Dr. Gerald Bachinger mit Ergebnissen einer Studie für Aufsehen, die eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Beschwerden von PatientInnen nach Spitalsbesuchen deutlich machte. "Grundsätzlich halte ich es für positiv, wenn der Patientenanwalt diese Thematik hinterfragt. Allerdings frage ich mich, warum er keine Ursachenforschung betreibt und etwa die eklatanten Überschreitungen der Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern ignoriert", so der Kurienobmann der Angestellten Ärzte der Ärztekammer für Niederösterreich Dr. Ronald Gallob.

Dr. Gallob macht die schlechten Arbeitsbedingungen mit für die aufgezeigte Problematik verantwortlich: "Im Spital sind Arbeitszeiten weit über dem vernünftigen Maß leider normal. Die Ärzteschaft arbeitet jedoch nicht freiwillig so lange, sondern aufgrund des bestehenden Ärztemangels. Die Ärztekammer in Niederösterreich wehrt sich schon seit langem gegen die unhaltbaren Zustände in Spitälern." Er warnt auch vor weiteren bürokratischen Maßnahmen, die vom Patientenanwalt als Qualität bezeichnet werden und letztendlich nur Zeit stehlen: "Zunächst sollten die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Unausgeschlafene, unter Zeitdruck arbeitende überlastete Ärztinnen und Ärzte sind sicherlich nicht hilfreich für die Behandlung der Patientinnen und Patienten."

Vizepräsident Dr. Gerrit Loibl erläutert: "Das Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz wurde zwar novelliert, aber dadurch erfahren mehr als 50 Prozent der Ärztinnen und Ärzte keinen Schutz. Weil Sanktionen nur bei privatrechtlichen Institutionen greifen können, öffentlichrechtliche Dienstgeber wie beispielsweise in Niederösterreich sind davon ausgenommen." Durch dieses Gesetz wurden also Rahmenbedingungen geschaffen, die Arbeitszeitüberschreitungen zulassen. "Durch überlastete Ärzteschaft kann es natürlich wie überall leichter zu Fehlern kommen", so Vizepräsident Dr. Loibl.

Es ist jedoch nicht die fehlende medizinische Qualität, die zu Unzufriedenheit führt, sondern der nach Ansicht der Patientinnen und Patienten unadäquate Umgangston bzw. schlechte Information. "Kommunikationsstörungen mit Betroffenen, die vielleicht sogar aufgrund der Vorgaben der Politik nicht das bekommen was sie sich einbilden, sind für uns kein Kriterium. Wenn es tatsächlich Missstände geben sollte, kann man diese offenlegen und mit uns sprechen. Wir verwehren uns dagegen, dass die Ärzteschaft pauschal wegen angeblicher Qualitätsmängel verunglimpft wird", so Dr. Gallob.

Vizepräsident Dr. Loibl bekräftigt: "Im Vergleich zur Frequenz in den Spitälern kommen Beschwerden von nur jedem tausendsten Patienten und davon gibt es nur bei jedem Dritten bloß den Verdacht auf Behandlungsfehler. Die tatsächliche Fehlerquote ist nicht bekannt, dürfte aber in einem marginalen Bereich liegen, von dem alle anderen Dienstleister nur träumen können." Man wehrt sich innerhalb der Ärztekammer jedenfalls gegen unbegründete Miesmacherei in Vorwahlzeiten: "Wir brauchen in den Spitälern keine Qualitätsoffensive mit weiteren Zeit fressenden Bürokratieschikanen wie Qualitätsberichten oder "Sternchensystemen". Wir brauchen Zeit. Behandlung und Medizin brauchen Zeit. Zeitmangel ist Gift für zufriedenstellende und gute Betreuung", so das Resümee von Vizepräsident Dr. Loibl.

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