- 25.08.2008, 08:35:57
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mit der Wirtschaftskrise ins Weiße Haus - von Wolfgang Unterhuber
Für die Hälfte der Wähler hat das Thema Wirtschaft Priorität
Wien (OTS) - Die Parteitage der amerikanischen Großparteien sind
eine Mischung aus Football-Spiel und Oscar-Verleihung. Zwar wird auch
zwischendurch ein Wahlprogramm beschlossen, aber ansonsten heißt es
"Let’s rock". Von heute bis Donnerstag sind die Demokraten dran. Bill
Clinton wird sprechen und auch Tochter Chelsea (The next generation?)
hat ihren großen Auftritt. Am Ende und als Höhepunkt dann: Barack
Obama. Ein Mann, dem die Europäer zu Füßen liegen, weil sie auch
gerne so einen hätten, und von dem die Amerikaner nicht so recht
wissen, wie er ihnen passiert ist. Denn darin soll man sich nicht
täuschen. Obama ist in den USA längst nicht mehr so beliebt wie noch
am Anfang seiner Vorwahlkampagne.
Erstens leistete er sich Umfaller à la Kanzler Alfred Gusenbauer.
Versprach er zum Beispiel zunächst, dass er als Präsident binnen 16
Monaten die Kampftruppen aus dem Irak abziehen werde, so ist
inzwischen keine Rede mehr davon. Dazu kommt, dass die weiße
Unterschicht, in der Regel demokratische Wähler, mit einem farbigen
Präsidenten ein Problem hat. Und drittens: Die republikanische
Wahlkampfmaschinerie kommt schön langsam auf Touren. Sie vermittelt
den Amerikanern in Summe das Gefühl, dass Obama ein Außerirdischer
ist. Schlechte Karten also für den Senator aus Illinois.
Der Trumpf, der ihn dennoch ins Weiße Haus bringen könnte, ist die
Wirtschaftskrise. Die steigenden Arbeitslosenzahlen, die
Zwangsversteigerungen (laut Credit Suisse wird jeder zwölfte
Hausbesitzer sein Eigenheim verlieren) und vor allem das teure
Benzin - das alles wird den Republikanern in die Schuhe geschoben.
Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain distanziert
sich daher bei jeder Gelegenheit von George W. Bush. Doch statt
Antworten auf die Krise hat McCain nur starke Sprüche zum
Georgien-Konflikt in der Tasche. Den Amerikanern brennt die
ökonomische Misere aber mehr unter den Fingernägeln als der
Kaukasus-Konflikt. Für die Hälfte der Wähler ist das Thema Wirtschaft
am wichtigsten, zeigen aktuelle Umfragen. Und wer von der Krise
einmal getroffen wurde, für den klingt Obamas "Change" ohnehin wie
eine paradisische Verheißung.
Sogar Teile des Offizierskorps sollen inzwischen Obamas "Change" den
Vorzug geben. Weil die republikanische Regierung die Privatarmeen
hätschelt, hat die normale Army kein Geld für neue Helme. Die
Popsängerin Cher erbarmte sich schließlich der Soldaten und rief die
Amerikaner zu einer Spendenaktion auf.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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