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"Kleine Zeitung" Kommentar: "'Obamamania' oder Europas Sehnsucht nach dem Anti-Bush" (von Ernst Heinrich)
Ausgabe vom 25.8.2008
Graz (OTS) - Die Deutschen jubelten Barack Obama kürzlich in
Berlin dermaßen zu, als wäre er die Reinkarnation von John. F.
Kennedy, der den von Sowjettruppen umzingelten West-Berlinern einst
mit seinem legendären Spruch "Ick bin ein Berliner" Mut gemacht hat.
Obama ist zwar noch nicht einmal US-Präsident, aber die
überwältigende Mehrheit der Europäer hofft, dass er dies bald sein
wird. In Österreich etwa würden ihn laut Umfrage 80 Prozent wählen -
ein Wert, von dem heimische Politiker nicht einmal träumen können.
"Obamamania" nennt sich diese irrationale Begeisterung für den
smarten Afro-Amerikaner. Alles, was George W. Bush für viele so
abstoßend macht, all die Torheiten und Irrläufer seiner Ära, die die
transatlantischen Beziehungen strapaziert haben, soll Obama vergessen
lassen. Dieser Mann wirkt genau so, wie man sich im
antiamerikanischen Europa einen US-Präsidenten wünscht: Pazifistisch,
links - und multikulturell wie ein Benetton-Plakat.
Obama redet dauernd vom "Wandel", der zum Motto seines Wahlkampfes
geworden ist. Aber im Detail bleibt er meist nebulos. Vor allem
deshalb hat er den Wahlsieg am 4. November noch längst nicht in der
Tasche. Denn bei John McCain wissen die Amerikaner, woran sie sind.
Er vertritt stramme, rechte Werte, wenn auch moderater als George W.
Bush. Bei Obama hingegen ist vielen noch ziemlich unklar, wohin die
Reise gehen würde.
Wahrscheinlich ist er einer der besten Redner, die Amerika in den
letzten Jahren hervorgebracht hat, und bei seinen Reden fühlt man
sich - siehe auch die Begeisterung der Berliner - einfach wohl. Aber
gerade die Europäer sollten sich nicht täuschen lassen. Auch ein
Präsident Obama wäre vor allem einmal ein Präsident der USA, also das
Staatsoberhaupt einer selbstherrlichen Supermacht. Von den
europäischen Partnern fordert er schon jetzt mehr militärisches
Engagement, etwa in Afghanistan. Ob ihn die Deutschen auch dann noch
so mögen, wenn er von Angela Merkel verlangt, endlich mehr
Bundeswehrsoldaten an die Front im Hindukusch zu schicken?
Niemand trauert der Ära Bush nach. Aber die europäische Sehnsucht
nach dem Anti-Bush sollte auf dem Boden der politischen Realität
bleiben. Obama verspricht, Amerika zu heilen und die Welt besser zu
machen. Aber wie er das tun will, hat er noch nicht erklärt.
Weil der derzeitige Präsident dermaßen inferior ist, heißt das noch
lange nicht, dass der nächste für Europa viel besser sein wird.
Selbst, wenn er Barack Obama heißen sollte.****
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