AKNÖ-Lehrlingsbefragung (2): Praxisbezug der Berufsschulen gut - Kosten für Internat zu hoch

AKNÖ fordert kostenlosen Internatsaufenthalt für Lehrlinge

Wien (AKNÖ) - Die Lehrlinge schätzen den Praxisbezug des Berufsschulunterrichts, wünschen sich jedoch verstärkt bessere individuelle Förderung durch die LehrerInnen. Das ergab eine Befragung der NÖ Arbeiterkammer bei 3.500 Lehrlingen. Als Problem empfinden Lehrlinge die Kosten des Berufsschul-Internats. "Die meisten Lehrlinge können keine Berufsschule am Wohnort besuchen und müssen daher im Internat übernachten. Die Internatskosten sind für etliche Lehrlinge so hoch, dass sie um ihre Lehrlingsentschädigung fallen", erklärt AKNÖ-Präsident Josef Staudinger und fordert einen kostenlosen Aufenthalt in Berufsschul-Internaten.

Bei der AKNÖ-Lehrlingsbefragung wurden Fragen zur Berufsschule und zum Berufsschul-Internat gestellt. Dabei stellte sich heraus, dass die Lehrlinge die Qualität des Unterrichts in der Berufsschule mehrheitlich positiv beurteilen. Sowohl der Praxisbezug des Unterrichts als auch die Vermittlung des Unterrichtsstoffes ist gut und verständlich. Gewünscht wird aber eine stärkere individuelle Förderung und Eingehen auf die einzelnen SchülerInnen. Bei der Unterbringung in den Berufsschul-Internaten bekamen die Sauberkeit und die Auswahl an Freizeiteinrichtungen durchwegs zufriedenstellende Beurteilung, Verbesserungsbedarf orten viele Lehrlinge bei der Ausstattung der Internate. Lernstunden empfinden über 75 Prozent der Lehrlinge als hilfreich. Und die Kontrolle der Heimordnung wird mehrheitlich als "eher streng" empfunden.

Problem Internatskosten
Für viele Lehrlinge stellt die Berufsschule eine finanzielle Belastung dar. Denn Lehrlinge, die keine Berufsschule am Wohnort besuchen können, tragen die Kosten für die Unterbringung in einem Internat selbst. Und die Kosten sind für Lehrlinge hoch. "Vor allem bei Dienstleistungsberufen, etwa bei Friseuren oder Zahntechnikern, reicht die Lehrlingsentschädigung im ersten Lehrjahr nicht einmal für die Bezahlung der Internatskosten aus. Eltern müssen ihre Kinder unterstützen, damit sie über die 10 Wochen in der Berufsschule kommen", weiß Robert Hörmann, Lehrlingsberater der AKNÖ, von zahlreichen Anrufern bei der Beratungshotline.
In einigen Branchen hingegen gibt es kollektivvertragliche Regelungen, damit der Lehrling nicht seinen vollständigen Lohn für Internatskosten aufbraucht. Hier kommt der Arbeitgeber zum Teil für die Kosten auf. Im Handel müssen dem Lehrling fünfzig Prozent der Lehrlingsentschädigung während des Berufsschulbesuches verbleiben, im Metallgewerbe sechzig Prozent. "Die volle Bezahlung der Internatskosten übernehmen nur jene Betriebe, die das in der Betriebsvereinbarung so geregelt haben oder die Industrie, wo hundert Prozent der Internatskosten bezahlt werden", erklärt Robert Hörmann. "Wir müssen den Stellenwert der Lehre erhöhen. Aber wenn die Lehrlingsentschädigung schon für den Besuch der Berufsschule aufgebraucht wird, dann wird die Lehre für die Jugendlichen immer unattraktiver", befürchtet AKNÖ-Präsident Staudinger und fordert, dass die Arbeitgeber die Kosten für die Unterbringung während der Berufsschulzeit übernehmen.

Kostenlose Beratungshotline: Tel: 05-7171-1106
Rückfragehinweis für Journalisten: Robert Hörmann, Abteilung Lehrausbildung, Bildung und Kulturpolitik, 0664 / 1306572

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