- 18.08.2008, 18:02:00
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Frank Stronach kämpft um sein Lebenswerk - von Alexis Johann
Wären Pferde sein Hobby geblieben, hätte man ihm Respekt gezollt
Wien (OTS) - Durch die Zerstörung von alten Strukturen werden die
Produktionsfaktoren immer wieder neu geordnet." Diese Erkenntnis des
Ökonomen Joseph Alois Schumpeter mag dem Austro-Milliardär Frank
Stronach als Maxime seiner 50-jährigen unternehmerischen Tätigkeit
gedient haben. Auch wenn der Selfmademan diese Erkenntnis weniger aus
Lehrbüchern als aus täglicher Praxis gezogen hat. Den Umbruch in der
Autoindustrie hin zu Outsourcing nutzte der Werkzeugmacher, um Magna
als Top-Player der Zuliefer-Industrie aufzubauen. Und Stronach hat
früh erkannt, dass die neuen Probleme der Branche - immer billiger
einkaufen zu müssen - weitere Veränderungen notwendig machen. Als
Unternehmer reagierte er - und nahm mit Oleg Deripaska einen Mann in
die Firma, der im boomenden Osten seine Erfolgsgeschichte verlängern
kann.
Doch auch ein Paradeunternehmer ist vor Fehlern nicht gefeit. Einer
davon war, sein Hobby Pferdezucht ins Geschäft zu holen. Unter Magna
Entertainment betreibt Stronach eine Firma, die mit Pferderennbahnen
Geld verdienen soll. Er habe keine Lust, sich mit Klein-Klein zu
beschäftigen, sagte der Steirer immer wieder kritischen Aktionären
und Journalisten. In die Unterhaltungsindustrie, inklusive Wetten und
TV, zu investieren, sei weitsichtig und werde hohe Renditen abwerfen.
Magna Entertainment droht nun der Konkurs. Wäre das zum Unternehmen
erhobene Hobby Stronachs privates Vergnügen geblieben, hätte ihm die
Wirtschaftswelt weiterhin Anerkennung gezollt: für den Mut zum
Risiko.
Doch Stronach holte sich dafür Geld von der Börse. Geld, das
eigentlich für anderes bestimmt war. So geschehen bei der
Immobilienfirma MI Developments (MID), einem Unternehmen, das für den
Autozulieferer Magna die Immobilien hält. Man könnte meinen, dort
habe man angesichts Finanz- und Immokrise genügend Probleme am Hals.
Doch MID muss zusätzlich für 270 Millionen Dollar geradestehen, die
sich MEC ausgeborgt hat. Außerdem ist die Immofirma am
Wettunternehmen beteiligt, sie hält 58 Prozent der Aktien. Ein Crash
wäre also mehrfach unangenehm und könnte im schlimmsten Fall sogar
den Verkauf von Immobilien erzwingen, die der Autozulieferer
benötigt.
Stronach wollte nun, patriachal wie immer, lästige Diskussionen
beenden, MEC von der Börse holen und selbst weiterführen. Zwei
Finanzinvestoren verweigerten dem Plan die Zustimmung. Sie hätten das
Pferdegeschäft wohl zugedreht. Ohne Finanzspritzen wird das von
selbst passieren. Doch Stronach wird weiterkämpfen. Klein-Klein, wer
denkt, dass er damit im Schuldenstrudel versinken wird.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
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