WirtschaftsBlatt-Kommentar: Frank Stronach kämpft um sein Lebenswerk - von Alexis Johann

Wären Pferde sein Hobby geblieben, hätte man ihm Respekt gezollt

Wien (OTS) - Durch die Zerstörung von alten Strukturen werden die Produktionsfaktoren immer wieder neu geordnet." Diese Erkenntnis des Ökonomen Joseph Alois Schumpeter mag dem Austro-Milliardär Frank Stronach als Maxime seiner 50-jährigen unternehmerischen Tätigkeit gedient haben. Auch wenn der Selfmademan diese Erkenntnis weniger aus Lehrbüchern als aus täglicher Praxis gezogen hat. Den Umbruch in der Autoindustrie hin zu Outsourcing nutzte der Werkzeugmacher, um Magna als Top-Player der Zuliefer-Industrie aufzubauen. Und Stronach hat früh erkannt, dass die neuen Probleme der Branche - immer billiger einkaufen zu müssen - weitere Veränderungen notwendig machen. Als Unternehmer reagierte er - und nahm mit Oleg Deripaska einen Mann in die Firma, der im boomenden Osten seine Erfolgsgeschichte verlängern kann.

Doch auch ein Paradeunternehmer ist vor Fehlern nicht gefeit. Einer davon war, sein Hobby Pferdezucht ins Geschäft zu holen. Unter Magna Entertainment betreibt Stronach eine Firma, die mit Pferderennbahnen Geld verdienen soll. Er habe keine Lust, sich mit Klein-Klein zu beschäftigen, sagte der Steirer immer wieder kritischen Aktionären und Journalisten. In die Unterhaltungsindustrie, inklusive Wetten und TV, zu investieren, sei weitsichtig und werde hohe Renditen abwerfen. Magna Entertainment droht nun der Konkurs. Wäre das zum Unternehmen erhobene Hobby Stronachs privates Vergnügen geblieben, hätte ihm die Wirtschaftswelt weiterhin Anerkennung gezollt: für den Mut zum Risiko.

Doch Stronach holte sich dafür Geld von der Börse. Geld, das eigentlich für anderes bestimmt war. So geschehen bei der Immobilienfirma MI Developments (MID), einem Unternehmen, das für den Autozulieferer Magna die Immobilien hält. Man könnte meinen, dort habe man angesichts Finanz- und Immokrise genügend Probleme am Hals. Doch MID muss zusätzlich für 270 Millionen Dollar geradestehen, die sich MEC ausgeborgt hat. Außerdem ist die Immofirma am Wettunternehmen beteiligt, sie hält 58 Prozent der Aktien. Ein Crash wäre also mehrfach unangenehm und könnte im schlimmsten Fall sogar den Verkauf von Immobilien erzwingen, die der Autozulieferer benötigt.

Stronach wollte nun, patriachal wie immer, lästige Diskussionen beenden, MEC von der Börse holen und selbst weiterführen. Zwei Finanzinvestoren verweigerten dem Plan die Zustimmung. Sie hätten das Pferdegeschäft wohl zugedreht. Ohne Finanzspritzen wird das von selbst passieren. Doch Stronach wird weiterkämpfen. Klein-Klein, wer denkt, dass er damit im Schuldenstrudel versinken wird.

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