• 12.08.2008, 13:34:20
  • /
  • OTS0177 OTW0177

Falter: Ex-Polizeichef Roland Horngacher packt über Korruption aus

"Spitzenbeamte wurden mit Schmuck, Porzellan, Reisen und Hirschen beschenkt"

Wien (OTS) - Der gefallene und wegen Amtsmissbrauch rechtskräftig
verurteilte Wiener Polizeigeneral Roland Horngacher meldet sich in
der kommenden Ausgabe der Wiener Stadtzeitung "Falter" erstmals nach
seiner Verurteilung zu Wort. Es habe, so Horngacher in einem
Exklusivinterview, "in der Wiener Polizei den sagenumwobenen Filz"
tatsächlich gegeben. Es habe sich nicht um Einzelfälle gehandelt,
sondern "um ein System".

Horngacher deckt im "Falter" auf, wie Spitzenbeamte der Polizei
Wien bestochen worden sein sollen. "Ich erinnere mich an eine riesige
Porzellangruppe aus Meissner Porzellan, die ein sehr hoher Funktionär
als Geschenk erhalten haben soll. Ich habe sie selbst gesehen. Einer
der höchsten Polizisten bekam für seine Frau ein Collier überreicht."
Das Schmuckstück sei bei einer Reise in China gekauft worden. "Die
Herrschaften nächtigten dort in Luxushotels. Man fuhr mit dem Rolls
Royce vor. Ein anderer wurde von Unternehmern auf den Abschuss von
Hirschen eingeladen. Die fragten dann: "Wer zahlt jetzt den Hirschen
für den Kieberer?".

Hornhacher erzählt auch, dass ein Sekretär des Wiener Polizeichefs
"Reisen nach Großbritannien geschenkt bekam, die er mit seiner
Familie antrat. Sie wurden als Bildungsreisen bezeichnet". Weiters
berichtet Horngacher, wie Spitzenpolizisten seine
Ermittlungsergebnisse über private Glückspielunternehmer in einem
Wirtshaus an die Casinos Austria verraten hätten. Horngacher: "Meine
vertraulichen Ermittlungen wurden den Vertretern der Casinos Austria
AG überreicht. Mir wurde zu Verstehen gegeben, dass meine
Kleinkariertheit im Sinne der Weitergabe von Daten nicht im Interesse
der Casino AG und der Führung der Polizeidirektion Wien ist."

Aufhorchen lässt Horngacher auch mit Aussagen zur Spitzelaffäre.
Freiheitliche Politiker standen im Jahr 2000 unter Verdacht,
Polizeiinformationen gekauft zu haben. Horngacher, der damals
federführend ermittelte, sagt zum "Falter": "Ich fand meinen eigenen
Akt im Original bei einer Hausdurchsuchung bei einem FPÖ-Politiker"
Er, Horngacher, hätte diesen Akt damals dem Generaldirektor für die
Öffentliche Sicherheit, Michael Sika, überreicht.

Horngacher übt auch grundsätzliche Kritik am Wiener
Sicherheitsbüro. Dort habe ein "Sumpf" geherrscht. Intern sei ihm von
Folter und Misshandlung berichtet worden. Es seien Kokainpartys
gefeiert worden. Die interne Kontrolle, aber auch die Medien hätten
versagt. Die Journalisten, so Horngacher, "haben uns aus der Hand
gefressen. Ich weiß das aus persönlicher Erfahrung".

Horngacher weiter: "Ich habe die Drecksarbeit geleistet. Nun fühle
ich mich betrogen und belogen." Immer wieder hätten sich Prominente
bei Problemen an ihn gewandt, etwa Philipp Ita, der Kabinettchef des
Innenministeriums. "Er kontaktierte mich, weil er seiner Erinnerung
nach ein Haltezeichen eines Polizeibeamten geglaubt hat, überfahren
zu haben."

Horngacher nimmt auch zu seinen angeblichen Kontakten ins Rotlicht
Stellung:

"Ich habe mich weder privat, noch dienstlich im Rotlicht bewegt.
Ein Grund für diese falschen Berichte besteht darin, dass ich den
Boulevard nicht mehr so bedienen kann wie früher - und wie es mein
Auftrag war" Horngacher abschließend: "Nach meiner Wahrnehmung
existiert hier ein tiefer Sumpf wie am Balkan. Und Wien ist seine
Hauptstadt."

Rückfragehinweis:
Dr. Florian Klenk
Stellvertretender Chefredakteur Falter
Marc-Aurelstr. 9, A-1011 Wien
Tel.: +43 1 53660 DW 924
E-mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FAT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel