• 12.08.2008, 12:01:51
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Sommer, Sonne, Wespenplage

Allergiker müssen Notfallset immer griffbereit haben und sicher in der Anwendung sein

Infografik Allergischer Schock

Linz (OTS) - Mehr als zwei Drittel aller Allergiker können nicht
richtig mit dem Notfallset umgehen. Dieses Ergebnis einer aktuellen
Studie muss alarmieren - denn der Hochsommer ist Wespenzeit. Steigt
die Temperatur, steigt auch die Aggressivität dieser Hautflügler,
deren Stiche zwar schmerzhaft, aber sonst normalerweise harmlos sind.
Anders bei Menschen, die auf Insektengift allergisch reagieren. Für
sie kann bereits ein einziger Stich tödlich enden, wenn
Erste-Hilfe-Medikamente nicht zur Stelle sind oder in der Panik
falsch angewendet werden.

Die schwerste Form einer allergischen Reaktion ist der allergische
Schock. Aufgrund der Überreaktion des Körpers auf eigentlich harmlose
Substanzen wie Insektengift oder auch Nahrungs- und Arzneimittel
schüttet der Körper bei Kontakt mit dem Allergen große Mengen der
Substanz Histamin aus. Das Resultat: Die Blutgefäße erweitern sich,
dadurch fällt der Blutdruck und lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge
und Gehirn können nicht mehr ausreichend versorgt werden. Außerdem
verengt Histamin die Bronchien, wodurch die Atmung schwerfällt. Das
Herz beginnt zu rasen und bleibt im Extremfall innerhalb weniger
Minuten stehen.

"Bis der Notarzt zur Stelle ist, vergehen wertvolle Minuten.
Deshalb müssen Wespen- und auch Bienengiftallergiker im Sommer immer
Medikamente für den Notfall bei sich tragen", appelliert Ass.Prof.
Dr. Tamar Kinaciyan, Leiterin der Allergieambulanz an der Uni-Klinik
für Dermatologie, Wien. Die Notfallausrüstung besteht zumindest aus
einem Kortisonpräparat und einem Antihistaminikum, beides in
Tablettenform oder als Brausetablette. In einigen Fällen wird auch
ein Inhalator dazu verschrieben. Diese Medikamente wirken
entzündungshemmend bzw. antiallergisch und abschwellend, sind aber
auf keinem Fall ausreichend, eine schwere allergische Reaktion
(Anaphylaxie) zu bekämpfen. Es ist deshalb zusätzlich das Hormon
Adrenalin notwendig, das in den Muskel gespritzt werden muss und in
Minutenschnelle den Kreislauf stabilisiert. "Adrenalin ist das Mittel
der Wahl im allergischen Notfall", so die Allergie-Expertin. "Es soll
vom Patienten selbst oder von der Begleitperson bereits bei den
ersten Anzeichen einer schweren Reaktion, wie Verengung der Kehle
oder Schwindelanfall, Schwarzwerden vor den Augen als Zeichen von
Blutdruckabfall, verabreicht werden. Erste Warnsignale sind juckender
Nesselausschlag und Anschwellen von Lippen/Augen/Gesicht oder auch
der Handflächen sowie in der Folge rote Augen, rinnende Nase und oder
asthmatische Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbruch,
Herzklopfen und in voller Ausprägung der allergische Schock mit
Blutdruckabfall und Bewusstseinsverlust."

Richtige Handhabung trainieren ...

Die Handhabung der Erste-Hilfe-Medikamente muss unkompliziert
sein, da sie in einer Stress-Situation und unter Zeitdruck zum
Einsatz kommen: "Damit das Adrenalin in diesem absoluten
Ausnahmezustand einfach und damit sicher verabreicht werden kann,
steht es in Form eines Autoinjektors zur Verfügung. Die Bedienung ist
denkbar leicht: Schutzkappe abziehen und den Injektor im Liegen gegen
den äußeren Oberschenkel drücken. Alles weitere funktioniert
automatisiert", informiert Kinaciyan.

Dennoch braucht es Schulung und Übung, um im Fall des Falles
richtig zu reagieren. Die beste Notfallausrüstung hilft wenig, wenn
die Handhabung unsicher ist. Ernüchternde Ergebnisse einer aktuellen
Studie [1] zeigen, dass mehr als zwei Drittel (69%) der Betroffenen
nicht richtig mit dem Notfallset umgehen können. Vor allem der
Inhalator und der Autoinjektor verursachen Schwierigkeiten. Die
Hälfte der Probanden ist beim Versuch, den Autoinjektor anzuwenden,
gescheitert und hätte sich in einer realen Situation das Adrenalin
versehentlich in den Finger injiziert. "Diese Panne kann zusätzlich
zur Fingerverletzung auch kritisch enden, weil der Autoinjektor jetzt
nicht mehr für die Behandlung zur Verfügung steht und das Adrenalin
aus dem Finger nicht in den Kreislauf gelangt, wie es erforderlich
wäre", warnt Kinaciyan. "Die Handhabung des Autoinjektors lässt sich
so leicht erlernen, dass er sogar bei Kindern ab 6 Jahren eine
Selbstapplikation ermöglicht. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt
den Patienten regelmäßig in der Anwendung mit einem geeigneten
Trainingsgerät schult, damit auch in Stress-Situationen jeder
Handgriff sitzt."

.. und Ablaufdatum kontrollieren

Außerdem achtet mehr als die Hälfte der Patienten nicht auf die
Haltbarkeit ihrer lebensrettenden Grundausstattung, so ein weiteres
Ergebnis der Untersuchung. Bei 54% war bereits das Ablaufdatum der
Notfallmedikamente überschritten. Kinaciyan: "Auch die Haltbarkeit
von Arzneimitteln ist begrenzt. Da die Wirkung seitens des
Herstellers aber nur bis zum Ablaufdatum gewährleistet werden kann,
muss man sich rechtzeitig vor dem Sommer um ein neues Rezept
kümmern."

Vorbeugen statt nachsehen: Allergie-Impfung schützt langfristig

Das Notfallset ermöglicht Allergikern, sich in einer Notsituation
bis zum Eintreffen des Arztes selbst zu versorgen. Um sich auch
langfristig vor der tödlichen Gefahr eines Insektenstiches zu
schützen, hat sich die Behandlung durch eine spezifische
Immuntherapie (Allergie-Impfung) bewährt. "Die spezifische
Immuntherapie stellt die einzige Möglichkeit dar, eine Bienen- und
Wespengiftallergie ursächlich und mit nachhaltigem Erfolg zu
behandeln. Sie bietet einen über 95-99%igen Schutz vor dem
lebensgefährlichen Kreislaufversagen. Außerdem erhöht sie
nachgewiesenermaßen die Lebensqualität der Betroffenen", so die
Allergologin.

Bei dieser Therapieoption wird der Körper sanft an das
Insektengift gewöhnt. Zu Beginn der Therapie (während der ersten 4
Monate) bekommt der Patient einmal pro Woche eine geringe Dosis des
Allergieauslösers in langsam steigenden Mengen unter die Haut
gespritzt. Alternativ dazu kann diese Einleitungsphase auch stationär
im Spital erfolgen und dauert dann nur 5-7 Tage. Die optimale
Höchstdosis wird schließlich einmal alle 4 Wochen injiziert. Nach
drei bis 5 Jahren liegt die Erfolgsquote üblicherweise zwischen 80
und 100%. Die Wirkung der Immuntherapie hält viele Jahre an und diese
wird daher ausdrücklich auch für Kinder empfohlen. Die Therapiekosten
der spezifischen Immuntherapie werden zur Gänze von den Krankenkassen
übernommen. Dennoch sollte während der Wespenzeit das Notfallset
immer griffbereit sein.

Einen Ratgeber sowie eine DVD über Insektengiftallergie gibt’s
kostenlos bei ALK-Abelló, Tel. 0732/385372, E-Mail:
[email protected].

Tipps für Insektengiftallergiker

Wie man sich Wespen vom Leib halten kann:

- Im Freien nie barfuß gehen. Vorsicht auch am Sandstrand, denn 
   Wespen nisten im Boden.
 - Keine Parfums oder stark duftende Kosmetika benutzen.
 - Keine weite, schwarze oder bunt gemusterte Kleidung tragen. 
   Besser sind weiße, grüne oder hellbraune Stoffe.
 - Keine alten Äste oder Baumstücke bewegen, denn Wespen haben dort
   oft ihr Nest.
 - Vorsicht im Biergarten, beim Grillen oder Picknick. Im Freien 
   besser keine süßen Speisen, Bier, Obstsäfte und Limonaden zu sich
   nehmen. Getränke immer gut verschließen!
 - Mistkübel und Mülltonnen immer gut schließen.
 - Orte meiden, an denen Tiere gefüttert werden (z. B. Zoo).
 - Beim Autofahren die Fenster geschlossen halten.

Richtiges Verhalten im Notfall:

- In den Sommermonaten die vom Arzt verordneten Notfallmedikamente 
   immer bei sich tragen.
 - Sicher sein in der Anwendung der Medikamente.
 - Familie, Kollegen und Freunde über die Allergie informieren und 
   was im Notfall zu tun ist.
 - Als Insekten-Allergiker nach einem Stich nie alleine zum Arzt 
   gehen (Risiko ist groß, das Bewusstsein zu verlieren).

[1] Fischer J, Knaudt B, Caroli UM, Biedermann T: Factory packed and
expired - about emergency insect sting kits; Journal der Deutschen
Dermatologischen Gesellschaft, 2008 Feb. 11

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at .

Rückfragehinweis:

Ass.Prof. Dr. Tamar Kinaciyan
   Allergieambulanz, Univ.-Klinik für Dermatologie, Wien
   T: 01/40 400-7700 oder 7701
   E: [email protected]
   
   DI Thomas Horn
   Marketingleiter ALK-Abelló Österreich
   T: 0732/385372
   E: [email protected]
   
   Bildmaterial in Printqualität: Elisabeth Leeb, ikp, T: 01/524 77 90, 
   E: [email protected]

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