"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "An der Politik geschweitert" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 11.08.2008

Wien (OTS) - Fred Sinowatz war ein Kanzler wider Willen. Glücklich war der studierte Historiker und Germanist als Landespolitiker im Burgenland und als Unterrichtsminister in Wien. Da setzte er Maßstäbe mit der Einführung neuer Schultypen sowie von Gratisschulbüchern und Gratisschulfahrt Maßstäbe.
Gescheitert ist Sinowatz nicht nur mit seinem Wunsch, eine gemeinsame Schule für die Zehn- bis Vierzehnjährigen einzuführen. Das verhinderte schon damals, in den späten siebziger Jahren, die ÖVP. Gescheitert ist Sinowatz auch politisch als Nachfolger des legendären Bruno Kreisky. Er blieb nur drei Jahre Bundeskanzler.

Das Ende der Ära Sinowatz im Zuge der Verunglimpfung des Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim war alles andere als ruhmreich. Schon zuvor war sein legendärer Ausspruch: "Das klingt alles sehr kompliziert" zum Sinnbild einer resignativen Politik geworden.
Die Parallelen zu Alfred Gusenbauer sind beklemmend, ja geradezu symbolträchtig. Beide sind an der Kanzlerschaft zerbrochen. Sie mussten schmerzhaft erfahren, dass Intelligenz allein in der Politik nicht reicht, wenn Weitblick, Visionen und Überzeugungskraft fehlen.

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