- 06.08.2008, 10:35:00
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Auf der Überholspur zum digitalen Riesen: China wird zur Internet- und Mobilfunknation
Wien (OTS) - Studie der Boston Consulting Group: Bis 2015 werden
90 Prozent der Chinesen Zugang zu digitalen Diensten haben -
Unterhaltungsangebote beliebt - Noch starkes Misstrauen gegenüber
Onlinebanking und- einkauf
Die Diskussion um Internetzensur während der Olympischen Spiele
bestätigt die gängige Wahrnehmung, China sei ein digitales
Entwicklungsland. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: China entwickelt
sich auf der Überholspur zur Internet- und Mobilfunknation. Auch wenn
noch längst nicht jeder Chinese digital vernetzt ist, nutzen in China
schon heute mehr Menschen Internet und Mobiltelefon als in jedem
anderen Land der Welt. Vor allem Instant Messaging (IM), Blogs,
Online-Tauschbörsen und Multiplayer-Spiele sind beliebt. Gegenüber
Onlinebanking und -shopping sind die Chinesen hingegen noch
skeptisch.
In der Studie China's Digital Generations: The 570-Million-Hour
Opportunity prognostiziert die Boston Consulting Group (BCG), dass
bis zum Jahr 2015 rund 90 Prozent der Chinesen Zugang zu digitalen
Diensten haben werden. Dies hat weitreichende Folgen auch für in
China tätige Unternehmen: Sie müssen ihre Marketing- und
Werbemaßnahmen von Print- und TV-Medien stärker ins Internet
verlagern.
"Im Westen glauben viele, dass die digitale Entwicklung Chinas
noch in den Kinderschuhen steckt. Tatsächlich jedoch ist China im
Schnellschritt auf dem Weg zum digitalen Riesen. Bei einigen Diensten
wie Instant Messaging oder Rollenspielen im Internet liegen die
Chinesen sogar schon vor den USA oder europäischen Ländern", erklärt
Christoph Nettesheim, ein deutscher Senior Partner im Pekinger Büro
der Strategieberatung. Für die Studie befragte BCG rund 3.700
Verbraucher in zwölf Städten Chinas.
Täglich 100.000 neue Internetanschlüsse
Internet und Mobiltelefone verbreiten sich in China mit ungeheurer
Geschwindigkeit: Allein im Jahr 2007 kauften über 80 Millionen
Chinesen ihr erstes Handy, und knapp 40 Millionen gingen zum ersten
Mal ins Internet. Im selben Jahr wurden täglich 100.000 neue
Internetanschlüsse aktiviert. Heute surfen mehr als 210 Millionen
Chinesen im Internet - und zwar durchschnittlich 2,7 Stunden täglich
oder 570 Millionen Stunden in Summe. 547 Millionen Chinesen
telefonieren mobil. Nahezu die Hälfte der 1,3 Milliarden Chinesen
besitzt oder nutzt einen Computer, ein Mobiltelefon oder sogar
beides.
Aufgrund von Piraterie und des niedrigen Preisniveaus sind
Unternehmen in Chinas Internet- und Mobilfunkmärkten mit schwierigen
Erfolgsaussichten konfrontiert. Die Marktführer sind ausschließlich
lokale Unternehmen wie z. B. Tencent oder Sina. Sie haben ihre
internationalen Konkurrenten durch aggressive Investitionen,
Anpassung ihrer Dienste an den chinesischen Geschmack und die
Entwicklung vielversprechender Geschäftsmodelle aus dem Feld
geschlagen.
Digitale Spaltung zwischen Stadt und Land
Die BCG-Studie zeigt, dass die Gesamtverbreitung von digitalen
Diensten in China weiterhin deutlich geringer ist als in den
westlichen Industrieländern. Die Durchdringung mit Mobiltelefonen
liegt in China bei 41 Prozent (USA: 94 Prozent, in 2007), die
Internetverbreitung bei 16 Prozent (USA: 73 Prozent in 2007).
Aufgrund der steilen Einführungskurve ist jedoch auf Jahre hinaus
mit starkem Wachstum zu rechnen. In den Jahren 2004 bis 2007 wurden
in China im Mobilfunk durchschnittliche Wachstumsraten von 18
Prozent, im Bereich Internetdienste von 22 Prozent erzielt. Nach
BCG-Schätzung wird sich der Anteil der chinesischen Verbraucher, die
Zugang zu digitalen Diensten haben, bis zum Jahr 2015 auf 87 Prozent
erhöhen. Eine Herausforderung besteht darin, die Verbreitung auf dem
Land zu fördern. Derzeit haben 80 Prozent der knapp 600 Millionen
Chinesen in Städten Zugang zu einem PC oder einem Mobiltelefon, aber
nur 19 Prozent der 725 Millionen Verbraucher, die in ländlichen
Provinzen Chinas leben.
Entertainment im Internet
Die Chinesen nutzen Mobiltelefon und Internet vor allem zur
Information, zum Austausch oder zur Unterhaltung. Sie sehen mit Hilfe
ihrer Handys Videos und Filme an, tauschen Musik oder spielen
Multiplayer-Games. Sie senden nicht nur Textbotschaften über IM,
sondern auch Video- und Sprachnachrichten. Sie sind in Web-2.0-Foren
aktiv und bloggen häufiger als US-Amerikaner. "In China ist die
Vielfalt der Medienangebote begrenzt, Kinos oder Konzerte sind weit
seltener als im Westen. Das erklärt den digitalen Unterhaltungsboom",
so Nettesheim. Dagegen sind die Chinesen beim Onlinebanking oder
beim Einkauf im Internet noch sehr zurückhaltend - zu groß ist die
Sorge vor Betrug oder schlechter Qualität.
Die chinesische Internet- und Mobilfunkeuphorie hat weitreichende
Folgen für alle multinationalen Unternehmen, die Zugang zum
chinesischen Markt bekommen wollen. "Zahlreiche internationale
Unternehmen aus dem Westen geben in China viel Geld für traditionelle
Werbung aus", erläutert Nettesheim. "Sie riskieren, ihre Zielgruppen
nicht zu erreichen, weil die Verbraucher zunehmend im Internet aktiv
sind und nicht etwa fernsehen oder Zeitung lesen. Internationale
Unternehmen müssen in China grundlegend neu darüber nachdenken, wie
sie die chinesischen Verbraucher erreichen und eine Beziehung mit
ihnen aufbauen können."
Die BCG-Studie unterscheidet drei Generationen digitaler Nutzer in
China:
- Kleine Kaiser. Die Altersgruppe zwischen 14 und 25 ist geradezu
internetsüchtig, aber misstrauisch, was die Qualität der
Onlineinhalte angeht.
- Nutznießer der Reformen. Die Altersgruppe zwischen 26 und 35
bewegt sich routiniert im Internet und schätzt dessen umfangreiche
Möglichkeiten.
- Einfache Nutzer im mittleren Alter. Die Altersgruppe zwischen 36
und 50 ist mit digitalen Dienstleistungen weniger vertraut. Menschen
aus dieser Gruppe senden häufig nur einfache Sprachmitteilungen oder
lesen online Nachrichten.
The Boston Consulting Group
The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale
Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der
Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen
und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr
Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In
partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG
individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige
Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des
Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu
verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist
heute an 66 Standorten in 38 Ländern vertreten. Das Unternehmen
befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In
Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2007 mit 767
Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 361,5 Millionen Euro.
www.bcg.at
Rückfragehinweis:
Katharina Sacken Marketing Manager THE BOSTON CONSULTING GROUP Tel. +43 1 53756 8163 Mobile +43 676 5797311 mailto:[email protected]
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