- 29.07.2008, 16:45:00
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"KURIER" - Artikel von Martin Sörös: "Bestechungsvorwurf - Ein Dopingfall wird zum Kriminalfall"
Der Triathletin Lisa Hütthaler wird vorgeworfen,20.000 Euro für einen negativen Dopingtest geboten zu haben.
Wien (OTS) - Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele
in Peking und zweieinhalb Jahre nach den Winter-Skandalen von Turin
wird Österreichs Sport erneut von einer beachtlichen Affäre
erschüttert.
Im Zentrum des Geschehens befindet sich die 24-jährige Triathletin
Lisa Hütthaler, von der Anfang Mai ein positiver Dopingbefund (EPO)
bekannt wurde.
Und dann ging es Schlag auf Schlag. Wie der KURIER exklusiv von
der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) aus Montreal erfahren hat, erging
an die österreichische Bundesregierung Mitte Juni ein Schreiben, in
dem gegen Lisa Hütthaler, die sich 2007 zur
Triathlon-Staatsmeisterin gekürt hatte, schwerwiegende
Anschuldigungen erhoben werden:
"Am 20. Mai ... wohnte Lisa Hütthaler der Öffnung ihrer B-Probe
(Anm.: in Seibersdorf) bei ... und hat im Zuge dieser Untersuchung
den Versuch unternommen, eine Mitarbeiterin des Labors
mit 20.000 Euro zu bestechen für den Fall, dass sie die Dopingprobe
von ihr so manipuliere, dass ... ein negatives Ergebnis herauskommt
... Das Labor hat uns informiert und durch den Leiter des Labors den
Bestechungsversuch bestätigt ..."
Schon unmittelbar nach dem erfolgten Bestechungsversuch hat die
betroffene Seibersdorf-Mitarbeiterin ihren Chef (Anm.: Günter
Gmeiner) in Kenntnis gesetzt. Der hat, so ergab die
KURIER-Recherche, den Fall umgehend an das ÖADC weitergeleitet.
Anzeige
Das ÖADC war bis zur Installierung der seit 1. Juli bestehenden
NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) als Anti-Doping-Einrichtung für
solche Fälle in Österreich zuständig. Da das ÖADC zunächst nichts
unternommen haben soll, wurde es einem österreichischen
Staatsbürger (Name ist der Redaktion bekannt) zu bunt. Er zeigte den
Fall bei der Staatsanwaltschaft in Wiener Neustadt an und verhinderte
so ein Einschlafen der Causa.
Die zuständige Staatsanwältin Dr. Karin Rohrböck sagt auf
KURIER-Anfrage: "Ich darf zu laufenden Verfahren keine Auskunft
geben" und verweist auf die Pressestelle.
Für ebendiese Pressestelle spricht Erich Habitzl: "Ich kann ihnen
bestätigen, dass am 23. Juni die Anzeige bei uns eingelangt ist. Die
Untersuchungen wurden aufgenommen. Die Polizei ist gerade dabei, in
dem Fall zu ermitteln." Habitzl weiter: "Zurzeit kann man noch nicht
sagen, wie lange die Ermittlungen dauern. Im Normalfall dauert so
etwas ein paar Wochen." Und von der Pressestelle wird auch
verlautet, dass nach 302 des Strafgesetzbuches ermittelt wird
(Amtsmissbrauch).
Lisa Hütthaler galt bis zum positiven Dopingtest als Fixstarterin
bei den Olympischen Spielen in Peking.
Knapp davor war sie in die Schlagzeilen geraten, nachdem sie bei
einem Wettkampf am 6. April in New Plymouth in einen Radunfall
verwickelt war, der zur Folge hatte, dass sich Österreichs
Olympiasiegerin von 2004, Kate Allen, schwer verletzte. Allen erhob
damals schwere Anschuldigungen gegen Hütthaler. Wenige Tage später
tappte die Niederösterreicherin in die Dopingfalle. ...
Die WADA, bei der Österreich seit den Vorkommnissen bei den
Olympischen Winterspielen in Turin 2006 ohnedies auf der schwarzen
Liste steht, macht auf jeden Fall Druck in dem Schreiben:
"... es scheint sich hier um einen Kriminalfall zu handeln. Das
Verhalten von Frau Hütthaler ist als Akt des Betrugs zu werten ..."
Nach ihrem positiven Dopingbefund verschwand Lisa Hütthaler aus
dem Triathlon-Nationalteam. Wie das Faksimile unten zeigt, scheint
die Militärweltmeisterin von 2007 aber im Kader für die Olympischen
Spiele 2012 in London auf.
Seit Anfang Juli ist das neue Anti-Doping-Gesetz in Österreich
anzuwenden, das schärfere Strafen (bis zu fünf Jahren Haft)
vorsieht und über das Sportler und Sportlerinnen im Fall von
Falschaussagen ebenfalls belangt werden können. Für den Fall eines
rechtsgültigen Schuldspruchs hat Hütthaler also mit erheblichen
Problemen zu rechnen.
Rückfragehinweis:
KURIER
Sportredaktion
Tel.: (01) 52 100/2654
Email:[email protected]
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