"KURIER" - Artikel von Martin Sörös: "Bestechungsvorwurf - Ein Dopingfall wird zum Kriminalfall"

Der Triathletin Lisa Hütthaler wird vorgeworfen,20.000 Euro für einen negativen Dopingtest geboten zu haben.

Wien (OTS) - Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele
in Peking und zweieinhalb Jahre nach den Winter-Skandalen von Turin wird Österreichs Sport erneut von einer beachtlichen Affäre erschüttert.
Im Zentrum des Geschehens befindet sich die 24-jährige Triathletin Lisa Hütthaler, von der Anfang Mai ein positiver Dopingbefund (EPO) bekannt wurde.
Und dann ging es Schlag auf Schlag. Wie der KURIER exklusiv von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) aus Montreal erfahren hat, erging an die österreichische Bundesregierung Mitte Juni ein Schreiben, in dem gegen Lisa Hütthaler, die sich 2007 zur Triathlon-Staatsmeisterin gekürt hatte, schwerwiegende Anschuldigungen erhoben werden:
"Am 20. Mai ... wohnte Lisa Hütthaler der Öffnung ihrer B-Probe (Anm.: in Seibersdorf) bei ... und hat im Zuge dieser Untersuchung den Versuch unternommen, eine Mitarbeiterin des Labors
mit 20.000 Euro zu bestechen für den Fall, dass sie die Dopingprobe von ihr so manipuliere, dass ... ein negatives Ergebnis herauskommt ... Das Labor hat uns informiert und durch den Leiter des Labors den Bestechungsversuch bestätigt ..."
Schon unmittelbar nach dem erfolgten Bestechungsversuch hat die betroffene Seibersdorf-Mitarbeiterin ihren Chef (Anm.: Günter Gmeiner) in Kenntnis gesetzt. Der hat, so ergab die KURIER-Recherche, den Fall umgehend an das ÖADC weitergeleitet.

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Das ÖADC war bis zur Installierung der seit 1. Juli bestehenden NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) als Anti-Doping-Einrichtung für solche Fälle in Österreich zuständig. Da das ÖADC zunächst nichts unternommen haben soll, wurde es einem österreichischen Staatsbürger (Name ist der Redaktion bekannt) zu bunt. Er zeigte den Fall bei der Staatsanwaltschaft in Wiener Neustadt an und verhinderte so ein Einschlafen der Causa.
Die zuständige Staatsanwältin Dr. Karin Rohrböck sagt auf KURIER-Anfrage: "Ich darf zu laufenden Verfahren keine Auskunft geben" und verweist auf die Pressestelle.
Für ebendiese Pressestelle spricht Erich Habitzl: "Ich kann ihnen bestätigen, dass am 23. Juni die Anzeige bei uns eingelangt ist. Die Untersuchungen wurden aufgenommen. Die Polizei ist gerade dabei, in dem Fall zu ermitteln." Habitzl weiter: "Zurzeit kann man noch nicht sagen, wie lange die Ermittlungen dauern. Im Normalfall dauert so etwas ein paar Wochen." Und von der Pressestelle wird auch verlautet, dass nach 302 des Strafgesetzbuches ermittelt wird (Amtsmissbrauch).
Lisa Hütthaler galt bis zum positiven Dopingtest als Fixstarterin bei den Olympischen Spielen in Peking.
Knapp davor war sie in die Schlagzeilen geraten, nachdem sie bei einem Wettkampf am 6. April in New Plymouth in einen Radunfall verwickelt war, der zur Folge hatte, dass sich Österreichs Olympiasiegerin von 2004, Kate Allen, schwer verletzte. Allen erhob damals schwere Anschuldigungen gegen Hütthaler. Wenige Tage später tappte die Niederösterreicherin in die Dopingfalle. ...
Die WADA, bei der Österreich seit den Vorkommnissen bei den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 ohnedies auf der schwarzen Liste steht, macht auf jeden Fall Druck in dem Schreiben:
"... es scheint sich hier um einen Kriminalfall zu handeln. Das Verhalten von Frau Hütthaler ist als Akt des Betrugs zu werten ..." Nach ihrem positiven Dopingbefund verschwand Lisa Hütthaler aus dem Triathlon-Nationalteam. Wie das Faksimile unten zeigt, scheint die Militärweltmeisterin von 2007 aber im Kader für die Olympischen Spiele 2012 in London auf.
Seit Anfang Juli ist das neue Anti-Doping-Gesetz in Österreich anzuwenden, das schärfere Strafen (bis zu fünf Jahren Haft) vorsieht und über das Sportler und Sportlerinnen im Fall von Falschaussagen ebenfalls belangt werden können. Für den Fall eines rechtsgültigen Schuldspruchs hat Hütthaler also mit erheblichen Problemen zu rechnen.

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