Proteste der Bewohner von Grinzing gegen den Abbruch des Hauses Brettschneidergasse 4 Grinzinger Straße 39

Wien (OTS) - Die Stadtverwaltung unter Führung des Planungsstadtrates DI Rudolf Schicker hat auf Grund sehr vieler Proteste der Grinzinger Bevölkerung, die sich gegen die Zerstörungen alter Bausubstanz wehrt, eine Plattform eingerichtet, die unter dem Titel "Leitbild Grinzing" läuft.

Die ehrenamtlichen Mitarbeitender von "Leitbild Grinzing" haben unmissverständlich die Forderung gestellt, dass die alten historischen Häuser der dörfliche Ortskern wie auch die Häuser aus der Vor- und Zwischenkriegszeit erhalten werden müssen. Diese Häuser gehören eindeutig zum Ortsbild.

Mit großem Entsetzen stellen wir jedoch fest, dass in Grinzing Häuser mit Charakter und Tradition demoliert werden. In der Dorfschutzzone sind das in der Cobenzlgasse drei Häuser Nr. 20, ehemaliges Restaurant "Hauermandl", das ehemalige Restaurant "Reblaus" Nr. 24 und in Bälde das ehemalige Restaurant "Weinbottich" Nr. 28.

Ein ganz schlimmer Eingriff in die Dorfstruktur zeichnet sich zur Zeit in der Grinzinger Straße Nr. 39, Ecke Bretschneidergasse Nr. 4 ab. Dieses anheimelnde Haus aus den späten 20er Jahren des 20 Jahrhunderts, das von Arch. Karl Jarei errichtet wurde, soll einem Beton Blockbau mit Flachdach weichen. (Flachdächer in einer Dorfschutzzone sind absolut verboten). Auf der rechten Seite der Grinzinger Straße gibt es eine Dorfschutzzone, auf der linken Seite dürfen Bauten entstehen die zur Großfeldsiedlung passen, in Grinzing aber absolut fehl am Platz sind.

Diese Eingriffe wünscht sich Stadtrat Schicker, der ein modernes Grinzing haben möchte. Die Bewohner Grinzings sind aber mehrheitlich dagegen. Die Neubauten im "Dorf" müssen sich dem Ortscharakter anpassen, das steht sogar in der Bauordnung.

Beamte des Bundesdenkmalamts haben das Haus Bretschneidergasse Nr. 4 begutachtet und für nicht schützenswert angesehen. Architekt Karl Jarei, hat einige Industriebauten errichtet, in Wien eine Papierfabrik für Bunzl & Biach im 2. Bezirk. Die Beamten des Bundesdenkmalamts entschieden, das Haus in Grinzing sei kein Hauptwerk von Arch. Jarei und werde deshalb nicht unter Schutz gestellt. Entscheidend ist jedoch unseres Erachtens, dass das Haus einen charakteristischen Bautypus der Zeit um 1930 vertritt, der in Wien in diesem gut erhaltenen Zustand nur noch vereinzelt anzutreffen ist, und dessen Erhaltung deshalb von öffentlicher Interesse wäre.

Das Haus soll laut Anrainer Berichten schon am Montag, den 28. Juli 08, abgerissen werden.

Protestaktionen der Anrainer sind zu erwarten.

Die Magistratsabteilung MA 21a produziert zwar wunderschöne Weinbau-Prospekte mit Luftaufnahmen, in denen sie die Bemühungen für die Erhaltung der Weingärten und der Hauerdörfer und die Einmaligkeit dieser Kulturlandschaft innerhalb Wiens anpreist. Die vielen Baustellen in Grinzing sprechen aber eine ganz andere Sprache. Der politische Wille der Wiener Stadtregierung ist eindeutig und sichtbar auf die Zerstörung Grinzings durch Verbauung ausgerichtet.

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Für das Komitee-Weltkulturerbe für Grinzing
Michael Lenzenhofer
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