- 23.07.2008, 10:21:36
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Österreichische Imker: 2.500 Bienenvölker durch Pestizide geschädigt
GLOBAL 2000 fordert sofortiges Verbot von bienengefährlichen Pestiziden!
Wien (OTS) - Eine aus aktuellem Anlass in Österreich durchgeführte
Erhebung der Imkerverbände zu Bienenverlusten und Bienensterben
brachte alarmierende Ergebnisse zu Tage: Allein in den ersten sechs
Monaten dieses Jahres sind zwischen 2.500 bis 3.000 Bienenvölker zu
Schaden gekommen. Es gibt starke Hinweise für einen ursächlichen
Zusammenhang zwischen dem Bienensterben und der Anwendung bestimmter
Pestizide zur Saatgutbeizung. "Schon seit Jahren beobachten die
österreichischen Imker in der Zeit rund um die Rapsblüte gehäuft
auftretende Bienenverluste. Typisch dafür sind zuhauf krabbelnde und
flugunfähige Bienen, die keine klassischen Bienenkrankheiten
aufweisen, dafür aber eindeutige Symptome von Vergiftungen", erzählt
der Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes, Josef Stich,
heute im Rahmen einer Pressekonferenz von österreichischen
Imkervertretern gemeinsam mit der österreichischen
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. "Auch die Tatsache, dass die
Schäden fast ausschließlich in agrarisch intensiv genutzten Gebieten
beobachtet werden, legt einen direkten Zusammenhang mit der Anwendung
von Pflanzenschutzmitteln nahe", so Stich weiter.
Ein besonders dramatisches Bienensterben trat heuer im Süden
Deutschlands auf, wo zehntausende Bienenvölker vernichtet wurden. Die
chemische Untersuchung der betroffenen Bienen am deutschen Julius
Kühn Institut ergab, dass diese mit Clothianidin, einem
Pestizidwirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide, in mehrfach
letaler Dosis kontaminiert waren. Mit sofortiger Wirkung wurden
daraufhin acht Pestizide, die zur Saatgutbeize von Mais und Raps
verwendet werden, in Deutschland verboten. Entsprechende Verbote
traten auch in Slowenien in Kraft, wo ein ebenfalls dramatisches
Bienensterben beklagt wird. "In Österreich hat das
Landwirtschaftsministerium bislang kein Einziges dieser Pestizide aus
dem Verkehr gezogen", kritisiert GLOBAL 2000 Umweltchemiker Helmut
Burtscher. "Dabei ist spätestens seit 2004 die Gefährlichkeit dieser
Pestizide bekannt, denn schon damals wurden sie nach einer
umfassenden Untersuchung ihrer Wirkung auf Bienen in Frankreich
verboten", so Burtscher.
Der Präsident des Österreichischen Imkerbundes Josef Ulz ergänzt:
"Vom Hersteller werden diese Pestizide allesamt als Bienen nicht
gefährdend bezeichnet. Das zeigt, dass die Methoden mit denen die
Bienengefährlichkeit von Pestiziden bewertet wird, unzureichend sind.
Viel zu wenig berücksichtigt werden solche Pestizidwirkungen, die für
die einzelnen Bienen zwar noch nicht tödlich sind, das Bienenvolk in
seiner Gesamtheit aber so weit schwächen, dass es über einen längeren
Zeitraum nicht mehr überlebensfähig ist."
Daher fordern GLOBAL 2000 und die Österreichischen Imkerverbände:
- Aufhebung der Zulassung neonicotinoidhaltiger Saatgutbeizmittel mit
sofortiger Wirkung.
- Sicherstellung, dass bei der Rapsaussaat Ende August kein mit
Neonicotinoiden gebeiztes Saatgut zur Anwendung kommt.
- Auftretende Bienenverluste sind intensiv zu erforschen, die
finanziellen Mittel hierfür müssen zur Verfügung gestellt werden.
- Eine objektive und unabhängige Darstellung von
Untersuchungsergebnissen muss sichergestellt sein.
- Bienengefährliche Wirkstoffe dürfen in der EU nicht zugelassen
werden. Österreich muss sich dafür einsetzen, das Kriterium
"bienengefährlich" als Ausschlusskriterium in die EU
Zulassungsverordnung mit aufzunehmen.
- Insbesondere müssen im Rahmen des Zulassungsverfahrens von
Pestiziden subletale Effekte stärker berücksichtigt werden.
Hintergrundmaterial auf: www.global2000.at
Rückfragehinweis:
GLOBAL 2000 Presse: Mag.a Lydia Matzka-Saboi, Tel.: 0699/14 2000 26 und Mag.a Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19, E-Mail: [email protected]
Präsident des Österreichischen Imkerbundes: Ing. Josef Ulz, Tel.: 0664/411 77 12
Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes: Josef Stich, Tel.: 0664/92 15 308
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