• 14.07.2008, 08:38:09
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Für Meinl-Anleger geht es jetzt um alles - von Alexis Johann

Jetzt muss die Frage gestellt werden: Wird die Zukunft besser?

Wien (OTS) - "Weh tut, sich vorzustellen, wie lange man arbeiten
muss, um zurückzuverdienen, was in den letzten Wochen vernichtet
wurde." Solche Kommentare hört man wieder öfter, wenn von der Börse
die Rede ist. Nicht nur von Anlegern, die Zertifikate aus dem Hause
Meinl erworben haben. Die Finanzkrise hat alle erwischt, aber in den
Portfeuilles der Meinl-Klientel besonders heftig gewütet. Im Verlauf
von einem Jahr hat der europäische Aktienindex (DJ Eurostoxx) 30
Prozent an Wert verloren, die Zertifikate von Meinl European Land
(MEL) jedoch knapp siebzig Prozent. Meinl International Power (MIP)
und Meinl Airports International (MAI) sind auf rund die Hälfte ihres
Ausgabewertes gesunken.

Meinl-Anleger sahen ihr Geld nicht als Spielkapital an, sondern
wollten mit den Erträgen die Pension auffetten, die Ausbildung der
Kinder verbessern oder ein Eigenheim finanzieren. Sie haben auf
Julius Meinl, den Stempel "mündelsicher" und persönliche
Anlageberater gesetzt, die zumeist keine Ahnung von dem hatten, was
sie empfahlen.

Management und Meinl haben jede Menge Fehler gemacht. Mit zunehmender
Panik wurden diese unverzeihlicher. Meinl-Anleger haben jedoch nur
eine einzige Chance: Sie müssen die Vergangenheit vergessen und in
die Zukunft schauen. Denn die kommenden drei Wochen entscheiden
alles: In vier Hauptversammlungen stehen neue Eigentümer, neue
Gebührenstrukturen und neue Manager zur Wahl an. Es liegen Vorschläge
von Meinl bzw. MEL-Käufer Gazit auf dem Tisch, andererseits die Ideen
der Anlagervertreter sowie putschierender Großinvestoren.

Die Anleger müssen die Hauptversammlung der MEL am 16. Juli sowie die
von MIP und MAI am 28. Juli daher aufmerksam verfolgen und - so
kompliziert es auch sein mag - eigene Entscheidungen treffen.
Misstrauen sie der geläuterten Bank, müssen sie mit den Putschisten
stimmen oder sich von diesen vertreten lassen. Oder für Meinl
stimmen. Dann folgt die zweite Handlung: Kommt es bei den HVs anders,
als man hoffte, müssen die Papier verkauft werden. Weil dann nur
andere Aktien realisierte Verluste kompensieren können. Als
WirtschaftsBlatt werden wir dazu weiterhin unabhängig berichten und
in Kommentaren und Analysen unsere Meinung abgeben. Die Kurzfassung:
Bei MAI liegt ein fairer Vorschlag auf dem Tisch, bei MEL und MIP
wird der Abschied der schlechten Meinl-Manager zu teuer bezahlt. Auch
für diese gilt: Ihre Vergangenheit hat keinen Wert, der abgelöst
werden muss. Die Zukunft zählt.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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