• 10.07.2008, 19:38:42
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit Zeckenbissen der Parteien ins politische Delirium gefallen" (von Frido Hütter)

Ausgabe 11.07.2008

Graz (OTS) - Liebe Nicht-Mitglieder von SPÖ, ÖVP, Günen, FPÖ und
BZÖ. Warum muss alles so sein, wie es ist? Und: Warum müssen wir es
uns eigentlich gefallen lassen?!

Wir alle haben vor eineinhalb Jahren für eine der oben angeführten
Marken gestimmt, weil in unserem Land kein anderer Weg zu einer
Regierung führt. Das Ergebnis ließ darauf schließen, dass sich jene
die Waagschale halten, die die dafür besten Köpfen in den Reihen von
SPÖ und ÖVP vermuten.

Sie lagen wohl nicht ganz falsch. Leuten wie Maria Berger, Ursula
Plassnig, Claudia Schmied, Johannes Hahn, um einige zu nennen, ist
effektive Minister-Arbeit zuzutrauen.

Doch was haben wir alle bekommen? Eine Re(a)gierung, deren Spitzen
vollkommen damit ausgelastet waren, Attacken aus ihren Stammparteien
abzuwehren und nebenher den jeweils andersfärbigen Ministerpartner an
gedeihlicher Arbeit zu hindern.

Warum gestatten wir den von uns als Staats-Manager bestellten, auch
befähigten und vor allem bezahlten Gusenbauers und Molterers nebenher
die aufwändigen Jobs von Parteivorsitzenden zu verrichten. Ist
Kanzlerschaft unter Teilzeitarbeit einzuordnen?

Warum müssen wir uns täglich die widerwärtigen Dreckschleudereien aus
den Politbüros anhören und warum sind der Kanzler und sein Vize
täglich darin involviert?

Warum scheint es immer noch wichtiger, dass die beiden im letzten
Provinznest Streicheleinheiten verteilen statt in Wien das Land zu
regieren oder es in Brüssel zu vertreten?

Der Zank ist völlig idiotisch, weil die Zeit der großen
Ideologiekonflikte längst vorbei ist. Kein Sozi will den Bauern an
den Kragen, kein ÖVPler die Arbeiter zurück in die Baracken treiben.
Was allenfalls noch trennt, sind unterschiedliche Ansichten über die
Methoden, zum Ziel zu kommen.

Die Verklammerung von Parteien und Regierung ist unerträglich. Wie
kommen wir Nicht-Mitglieder (aber auch alle anderen) dazu,
parteiinterne Zurufe aus Salzburg, Kapfenberg oder Ottakring
unverzüglich als Staatskrisen serviert zu kriegen?

Es mag naiv klingen: Aber man sollte mit diesem Uralt-System
aufräumen, indem man die einmal gewählte Regierung weitgehend frei
stellt, ihr nur die nötigsten Partei-Kontakte gestattet. Eine Art
befristeter Quarantäne, der ja auch der Bundespräsident unterliegt.
Denn die Zeckenbisse aus dem eigenen Lager führen, wie jüngst zu
erleben, zu politischer Gehirnhautentzündung.

Den Parteien sei es derweil unbenommen, unsere Abneigung täglich neu
zu befeuern. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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