• 09.07.2008, 09:02:34
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Kopten appellieren an Außenministerin Plassnik

Morde an Christen und Überfälle auf Kirchen und Klöster mehren sich in Ägypten - Ägyptische Sicherheitsbehörden passiv gegenüber Umtrieben der Islamisten - Am Freitag Demonstration der österreichischen Kopten in der Wiener Innenstadt

Wien-Kairo, 8.7.08 (KAP) Vor dem Hintergrund von mehreren Morden an
koptischen Christen in Ägypten und brutalen Überfällen auf Klöster
und Kirchen hat sich Österreichs koptische Gemeinde in einem Appell
an Außenministerin Ursula Plassnik gewandt. Wien soll sich dafür
engagieren, dass eine Untersuchungskommission eingesetzt wird. Die
Kopten verlangen einen weiter reichenden Minderheitenschutz, um
Angriffen durch islamistische Extremisten vorzubeugen.

Mit einer Demonstration durch die Wiener Innenstadt am Freitag wollen
die österreichischen Kopten die Öffentlichkeit auf die Verfolgung der
Christen in Ägypten aufmerksam machen. Der Schweigemarsch beginnt um
11 Uhr bei der Staatsoper. Österreichische Christen werden sich aus
Solidarität anschließen.

Vertreter der koptischen Gemeinde in Österreich, der Stiftung "Pro
Oriente" und der Menschenrechtsorganisation "Christian Solidarity
International" schlugen am Dienstag bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz in Wien Alarm wegen der Situation der 15 Millionen
Menschen umfassenden christlichen Minderheit in Ägypten. Radikale
islamistische Gruppierungen wie "al-Gamaa al-Islamiya" agitieren
gegen die Kopten; in fantasievollen Darstellungen beschuldigen sie
die Christen mit dem Patriarchen Shenouda III. an der Spitze, einen
"Parallelstaat" in Ägypten aufgebaut zu haben.

In letzter Zeit ist es vermehrt zu Angriffen auf Kopten gekommen. In
Kairo starben am 28. Mai vier Menschen bei dem Angriff auf einen
christlichen Juwelier. Kurz darauf, am 31. Mai, wurde das Kloster von
Deir Abu Fana in der Provinz Minya von 70 Bewaffneten angegriffen.
Vier Mönche wurden durch automatische Waffen verletzt und drei
weitere Mönche zusammen mit einem Zivilisten entführt. Die drei
Mönche wurden am nächsten Tag wieder freigelassen. Sie waren
gefoltert worden. Von dem Zivilisten Ibrahim Taqqi fehlt nach wie vor
jede Spur.

Als wäre das noch nicht genug, erfolgte am 7. Juni eine erneute
Attacke. Die Arbeiter des Klosters, die gerade eine Schutzmauer
errichten wollten, wurden krankenhausreif geschlagen. Obwohl die
Polizei umgehend informiert wurde, benötigte sie für den 2,5
Kilometer langen Weg von der nächsten Polizeistation 3,5 Stunden.
Wegen der Vorfälle und der offensichtlichen Zusammenarbeit von Leuten
aus dem Sicherheitsapparat mit den Islamisten gingen Tausende Kopten
auf die Straße. Die Polizei erwiderte die Demonstrationen mit
Verhaftungen. Sieben Kopten wurden am 9. Juni festgenommen,
zusammengeschlagen und dann wieder freigelassen.

Wie der Sprecher der österreichischen Kopten, Kamal Abd El Nour, bei
der Pressekonferenz betonte, werde in den ägyptischen Medien immer
nur Bürgermeistern oder Gouverneuren Raum für ihre - meist falsche -
Darstellung der Ereignisse gegeben. Christen kämen nie zu Wort;
Ereignisse würden jedes Mal heruntergespielt. "Es wird von
'Einzelfällen' oder von 'Streit unter Nachbarn' gesprochen; die Täter
sollen eben 'geistesgestört' gewesen sein. Verurteilungen erfolgen
nie", bedauerte Abd El Nour.

Das Muster der Überfälle sei jedoch seit zirka 20 Jahren immer
gleich: Die Taten erfolgten in der Regel nach dem Freitagsgebet in
der Moschee. "Wir fordern die ägyptische Regierung auf, Personen, die
an Anschlägen gegen Leben und Eigentum von koptischen Bürgern
beteiligt sind, auszuforschen und einer gerechten Strafe zuzuführen",
forderte Abd El Nour.

Einen Boykott von Ägypten-Urlauben, wie ihn CSI fordert, lehnt die
koptische Gemeinde jedoch ab. "Wir unterstützen das nicht", so Viktor
Karam auf Anfrage: "Die Menschen sind ja auf die Einkünfte aus dem
Tourismus angewiesen".

Allerdings forderte Karam mehr Mut des offiziellen Wien im Blick auf
Forderungen an die Regierung in Kairo. Es sei bekannt, dass
Österreich Infrastruktur-Aufträge in Milliardenhöhe bekommen solle.
Dies dürfe kein Grund sein, das Thema Menschenrechte und
Religionsfreiheit unter den Teppich zu kehren. (ende)
K200806266
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