• 03.07.2008, 18:31:14
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Polizei ohne Scham"

Ausgabe vom 4. Juli 2008

Wien (OTS) - 1. Lesern von Boulevardblättern ist es gar nicht
bewusst, dass es Menschen gibt, die dort immer nur mit
Samthandschuhen angefasst werden: nämlich die Polizei bis hinauf zum
Innenminister und die Staatsanwaltschaft. Während andere Beamte und
Politiker oder Teamchefs hemmungslos niedergemacht werden, ist diese
Gruppe prinzipiell tabu.

2. Im Parlament gab es am Donnerstag Erschütterndes zu hören: Die
Zeugenaussage der Amstettnerin Elisabeth F., also des Opfers eines
furchtbaren Missbrauchs, ist zur Gänze in Boulevardmedien gelandet
(bis auf die Bitte, diese Inhalte nicht an die Medien zu tragen...).
Und das ist keineswegs der erste solche Fall.

Der Zusammenhang zwischen 1 und 2 ist evident. Immer wieder helfen
Polizisten und Staatsanwälte den Boulevardmedien bei der skandalösen
Missachtung von Opfer- und Persönlichkeitsrechten. Und zwar nur zu
dem Zweck, um sich dort eine freundliche Berichterstattung zu
erkaufen.

Gesetzgeber und die jeweiligen Minister wären natürlich nicht
hilflos dagegen. Dennoch ist diese Form der Korruption (die viel
schlimmer ist als die von der Justiz neuerdings angeprangerten
Einladungen zu gesponserten Konzerten) nie wirksam bekämpft worden.
Und das wird auch künftig nicht passieren. Hat doch die größte Partei
des Landes soeben ihre Kapitulation gegenüber der größten
Boulevardzeitung des Landes erklärt.

*

Ein Land, das derzeit wirklich stolz auf seine Uniformträger sein
kann, ist hingegen Kolumbien. Die Befreier der Geiseln aus den Händen
der linksradikalen Farc sind das, was man einst als Helden bezeichnet
hat. Auch wenn man so etwas heute nicht mehr sagen darf. Schon gar
nicht über eine von Rechtsparteien geführte Regierung.

Prompt hat der Altachtundsechziger-Verein "Zeit im Bild" diese
Aktion sofort in eine Reihe mit angeblichen Befreiungsbemühungen von
Venezuelas linkspopulistischem Herrscher Chavez gestellt. Ohne zu
erwähnen, dass dieser durch Dokumente längst als Waffenlieferant der
Farc entlarvt ist. Aber seit bei uns die Grünen (übrigens mit dem
Steuergeld der von ihnen verwalteten Bezirke) Festivals für
Lateinamerikas Linkspopulisten unterstützen, weiß im ORF nämlich auch
der letzte Redakteur, wo dort die Guten daheim zu sein haben.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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