- 01.07.2008, 16:38:18
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Finanzkrise ist nicht ausgestanden - von Robert Gillinger
Jetzt ruft die Fed jene Geister, die sie eigentlich nicht wollte
Wien (OTS) - Feste soll man feiern, wie sie fallen. In Tagen wie
diesen fällt das halt nicht leicht. Ein Jahr Finanzkrise setzte den
Börsen gehörig zu. Und ein Ende des Abschreibungsreigens scheint auch
nicht in Sicht. Tagtäglich tauchen neue Gerüchte auf, wer mit den
nächsten Milliardenverlusten herausrücken muss. Dazu ist das Thema
Inflation nicht mehr nur am Horizont ausmachbar, sondern bereits bei
uns angelangt. Die für heute erwartete Zinsanhebung der EZB ist vor
diesem Hintergrund daher notwendig, auch wenn diese in der
Wirtschaftsentwicklung weitere Bremsspuren hinterlassen würde.
Jedenfalls kann man wohl jetzt schon sagen: Weder das Thema Inflation
wird für uns vom Tisch sein noch die durch die Subprime- und
Kreditkrise ausgelösten Milliardenabschreibungen der Finanzbranche.
Auf die Banken kommt wohl das echte Ungemach erst zu: Bisher war es
relativ einfach, die durch die Abschreibungen geleerten Kassen
mittels Kapitalerhöhung wieder aufzufüllen. Staats- und Anlage-Fonds
standen ante portas - und fielen damit auf die Schnauze. Jetzt
scheinen sie keine Lust mehr zu verspüren, weitere Gelder
nachzuschießen. Immerhin sammelte die Finanzszene laut "Bloomberg"
bisher rund 220 Milliarden Euro ein. Furchtbar für die gesamte
Wirtschaft, wenn finanziell ausgehöhlte Banken den Schmierstoff
Kredit nicht mehr in die Wirtschaft pumpen können.
Nicht von ungefähr überlegt die US-Notenbank Fed eine wichtige
Änderung ihrer Politik und ruft jene Geister, die am jetzigen
Schlamassel mit schuld sind: Private Equity (PE). Bisher war es
diesen Fonds nur erlaubt, maximal 9,9 Prozent einer Geschäftsbank zu
erwerben (24,5, wenn er sich als passiver Investor deklariert); sonst
musste eine Geschäftsbankenlizenz beantragt werden, womit sich der
PE-Fonds der Bankenaufsicht unterstellen würde. Daran haben die
Herren Stephen Schwarzman, Henry Kravis und Co. jedoch kein
Interesse. Diese Regelung soll jetzt aufgeweicht werden, damit die
Bankbranche auch für Private Equity-Gelder interessant wird. Um sich
zu so einem Schritt zu entschließen, muss der Hut bei einigen
Instituten wirklich brennen.
Genug der Schwarzmalerei - wir haben ja noch einen Grund zu feiern.
Deutschlands Aktienleitindex DAX ist 20! Was hat er nicht alles
erlebt: Internet-Bubble, Asien-Krise, Russland-Krise, 9/11,
Irak-Krieg, LTCM-Debakel, Subprime-Krise und vieles mehr. Und gerade
deshalb sei hier eine Lanze für das Anlageinstrument Aktie gebrochen.
Denn trotz aller Krisen erzielten deutsche Aktien im Schnitt 8,8
Prozent Rendite - pro Jahr!
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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