- 30.06.2008, 17:00:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Konjunkturkrise - Letzte Ausfahrt Tokio - von Michael Laczynski
US-Ökonomen wünschen sich eine Quadratur des Kreises
Wien (OTS) - Die schlechten Nachrichten, die einem dieser Tage um
die Ohren fliegen, ersticken auch das kleinste Fünkchen Hoffnung auf
ein glimpfliches Ende der Krise im Keim. Öl bei 140 Dollar,
Inflationsrekorde, Wegbrechen der Nachfrage, das nur wenige
Unternehmen verschont, Talfahrt an den Börsen - dieser Sommer
verspricht turbulent zu werden. In Zeiten wie diesen ist es umso
wichtiger, Auswege aus der Krise aufzuzeigen. Dieser Herausforderung
haben sich Robert Hormats und Jim O’Neill, zwei führende Köpfe von
Goldman Sachs gestellt: In einem in der "Financial Times"
publizierten Kommentar erstellten sie einen Spickzettel für den neuen
US-Präsidenten. Fazit: Die USA müssen Wege finden, das Budgetdefizit
einzudämmen, die Sparquote zu erhöhen, die Abhängigkeit der
Verbraucher von Krediten zu verringern und die Einfuhr von Öl zu
drosseln. Angesichts dieser titanischen Aufgaben können einem John
McCain und Barack Obama nur leid tun, denn die Herren Hormats und
O’Neill fordern eine Quadratur des Kreises.
Die Gesamtnachfrage in einer Volkswirtschaft besteht grob gesprochen
aus vier Faktoren: den privaten Haushalten, den Unternehmen im
Inland, der öffentlichen Hand und den Importeuren im Ausland. Wenn
nun die Privaten, wie gefordert, mehr sparen sollen, müssten
eigentlich Staat und Firmen in die Bresche springen. Da aber
Washington laut Hormats und O’Neill zugleich sein Defizit
zurückführen - also auch sparen - soll, bleiben im Inland nur die
Unternehmen über. Das Problem dabei ist nur, dass die US-Firmen
derzeit mit einer Kreditverknappung (eine Folge der Subprime-Krise)
konfrontiert sind und folglich kein Geld für Investitionen aufstellen
können, ihnen gleichzeitig die wichtigsten Abnehmer (Staat und
US-Haushalte) wegbrechen und sie weniger Energie verbrauchen sollen
bzw. müssen. Bleiben also die Käufer im Ausland als letzter
Rettungsanker.
Was die Ökonomen vorschlagen, erinnert fatal an das "Verlorene
Jahrzehnt" Japans. Nach dem Platzen der Immo-Blase Anfang der
90er-Jahre und der trotz massiver Konjunkturprogramme darauffolgenden
Implosion der Inlandsnachfrage verfolgten japanische Unternehmen umso
verbissener ihre Expansions- und Investitionspläne im Ausland - und
kürzten daheim nochmals die Kosten. Japan selbst erlebte Jahre der
Stagnation, der Anteil des Privatverbrauchs an der
Wirtschaftsleistung schmolz dahin.
Die Vorschläge von Hormats und O’Neill können also wie folgt
zusammengefasst werden: New York muss Tokio werden.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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