• 29.06.2008, 19:53:49
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Die Kirche ist immer "die Kirche aller"

Aufsehenerregende "Doppelpredigt" von Papst Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios I. im römischen Petersdom zum Peter-Paul-Fest

Vatikanstadt, 29.6.08 (KAP) Die Kirche ist immer die Kirche aller,
sie darf nie "nur mit einer Nation, mit einer Kultur oder einem
Staat" identisch sein. Dies bezeichnete Papst Benedikt XVI. am
Sonntag bei der Peter-und-Paul-Festmesse im römischen Petersdom als
"bleibende Sendung des Petrus" und seiner Nachfolger. Abweichend von
allen liturgischen Regelungen wurde am Sonntag im Petersdom eine
"Doppelpredigt" gehalten: Zuerst predigte der Ökumenische Patriarch
Bartholomaios I., dann Benedikt XVI. Bartholomaios I. betonte, dass
der Dialog zwischen orthodoxer und katholischer Kirche in "Glaube,
Wahrheit und Liebe" vorangehe, "trotz der bekannten Schwierigkeiten".

Papst Benedikt XVI. unterstrich, dass es der Auftrag der Kirche von
Rom sei, "über alle Grenzen hin" die Menschheit zusammenzuführen und
"inmitten der Trennungen dieser Welt den Frieden Gottes, die
versöhnende Kraft seiner Liebe" gegenwärtig werden zu lassen. Heute
gebe es in der Welt durch die überall gleiche Technik, durch das
weltweite Informationsnetz "neue Weisen der Einheit", die aber auch
"neue Gegensätze aufbrechen lassen und alten Gegensätzen neue
Stoßkraft geben". Wörtlich sagte der Papst: "Inmitten dieser Einheit
von außen, vom Materiellen her brauchen wir umso mehr die Einheit von
innen, die aus dem Frieden Gottes kommt, die Einheit all derer, die
durch Jesus Christus Geschwister geworden sind".

In seiner Predigt zitierte Benedikt XVI. den Hymnus des im Jahr 806
gestorbenen Paulinus von Aquileia über das Martyrium der
"Apostelfürsten Petrus und Paulus": "O Roma felix - glückliches Rom,
purpurgeschmückt durch das kostbare Blut so großer Fürsten. Du ragst
hinaus über alle Schönheit der Welt, nicht durch dein eigenes Lob,
sondern durch das Verdienst der Heiligen, die du mit blutigem Schwert
getötet hast". Das Blut der Märtyrer schreie nicht nach Rache,
"sondern es versöhnt", so der Papst. Es stehe nicht als Anklage da,
sondern als "goldenes Licht", als Kraft der Liebe, die den Hass und
die Gewalt überwindet "und so eine neue Stadt, neue Gemeinschaft
gründet".

Durch ihr Martyrium gehörten Petrus und Paulus für immer zueinander,
unterstrich der Papst. Ein Lieblingsbild der alten christlichen
Ikonographie sei nicht umsonst die Umarmung der beiden Apostel auf
dem Weg zum Martyrium. In den Schriften des Neuen Testaments könne
die Geschichte dieser Umarmung, dieses "Einswerden in Zeugnis und
Auftrag", verfolgt werden. Es beginne damit, dass Paulus drei Jahre
nach seiner Bekehrung nach Jerusalem geht, um Petrus kennen zu
lernen. Wenigstens zweimal seien Petrus und Paulus einander in
Jerusalem begegnet; am Ende sei ihrer beider Weg in Rom gemündet.

Für Paulus sei der Weg nach Rom ein "wesentlicher Teil seines
Auftrags, das Evangelium zu allen Völkern zu bringen, die
katholische, die weltweite Kirche zu gründen", so Benedikt XVI.: "Rom
soll den Glauben für alle Welt sichtbar machen, der Ort der Begegnung
im einen Glauben sein". Der Auftrag des Petrus, der "zuerst auf
Gottes Weisung hin die Tür für die Heiden aufgemacht hatte", sei es
gewesen, in Rom die Einheit der Kirche aus Juden und Heiden, der
Kirche aus allen Völkern zu wirken.

Patriarch Bartholomaios I. erinnerte in seiner Predigt, dass das Fest
der römischen Stadtpatrone Petrus und Paulus am 29. Juni seit dem
Jahr 258 sowohl von der West- als auch von der Ostkirche gemeinsam
begangen wird. Die Kirche im Osten bereite sich auf dieses Fest durch
eine eigene Fastenzeit vor. Der Patriarch von Konstantinopel kündigte
an, dass er im Rahmen des auch von ihm verkündeten Paulus-Jahres eine
Pilgerfahrt zu den Orten der missionarischen Aktivität des Apostels
in Kleinasien - wie Ephesos, Milet usw. - unternehmen werde. Das
Oberhaupt der Weltorthodoxie betonte seine Hoffnung, dass Gott der
katholischen und der orthodoxen Kirche die "Einheit des Glaubens und
der Gemeinschaft im Heiligen Geist" schenken möge.

Benedikt XVI. hatte den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. auf
dem Vorplatz des Petersdoms empfangen. Nachdem sie die Messgewänder
angelegt hatten, schritten Papst und Patriarch gemeinsam in einer
Prozession zum Altar. Das Evangelium wurde auf griechisch und auf
lateinisch verkündet. Nach der Predigt proklamierten Benedikt XVI.
und Bartholomaios I. gemeinsam das "Große Glaubensbekenntnis" (das
"Nicaeno-Constantinopolitanum") auf griechisch "nach dem liturgischen
Gebrauch der östlichen Kirchen" (also ohne das theologisch seit mehr
als 1.000 Jahren zwischen Ost- und Westkirche umstrittene "Filioque",
bei dem es darum geht, ob der Heilige Geist nur vom Vater oder vom
Vater und vom Sohn ausgeht).

Bei der Messe im Petersdom empfingen 40 im vergangenen Jahr ernannte
Erzbischöfe das "Pallium". Die schmale, mit Kreuzen bestickte
Wollstola als Zeichen der neuen Amtswürde wird traditionell am 29.
Juni zum Fest der römischen Stadtpatrone Petrus und Paulus verliehen.

Am Ende des Gottesdienstes erteilten Benedikt XVI. und Bartholomaios
I. den Gläubigen gemeinsam den Segen. (forts mgl)
K200805989
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