• 25.06.2008, 12:00:15
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Österreicher bei Unternehmensgründungen weiter zaghaft

Letzter Platz bei Jungunternehmern - "Mangel an Selbstvertrauen, Mut und gelegentlich Glück" - Innovation wird "nicht auf die Straße gebracht"

Bei der APA-EBC-Veranstaltung gestern, Dienstagabend, im Wiener Haus der Musik diskutierten Experten über Chancen und Schwierigkeiten von Innovationen in Österreich (v.l.n.r.): Harald Leitenmüller (Microsoft Österreich), Harald Lakatha (IT Solution), Thomas Stern (Moderator/Braintrust), Oliver Krizek (Navax Consulting AG) und Philipp Türtscher (Wirtschaftsuniversität Wien).

Wien (OTS) - Die Bereitschaft der Österreicher, sich selbstständig
zu machen, hinkt im internationalen Vergleich weiter hinterher. Trotz
guter Ideen sowie innovativer Produkte und Dienstleistungen fehlt
großteils der Mut, ein Unternehmen zu gründen, waren sich Experten
gestern, Dienstagabend, bei einer Veranstaltung der
APA-E-Business-Community in Wien einig.

"Österreich liegt laut Studien weit zurück, besonders bei
Jungunternehmerinnen und -unternehmern. Die paar Betriebe, die dann
doch gegründet werden, sind aber überdurchschnittlich innovativ und
stark international ausgerichtet. Dennoch trauen sich die meisten
viel zu wenig zu. Das größte Hemmnis ist die Angst vor dem Risiko",
erklärte Philipp Türtscher vom Institut für Entrepreneurship und
Innovationsmanagement an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien.

Laut dem kürzlich publizierten "Global Entrepreneurship Monitor
2007" nimmt Österreich mit 2,44 Prozent Jungunternehmerinnen und
-unternehmern gemessen an der repräsentativen Gesamtbevölkerung
zwischen 18 und 54 Jahren den letzten Platz des Rankings, das 42
Länder umfasst, ein. Im Vergleich zum Jahr 2005 bedeute dies einen
Rückgang der Jungunternehmeraktivität um die Hälfte, heißt es in der
Studie.

Vorangetrieben werden sollte der Stellenwert des Unternehmertums
durch Ausbildungssysteme, die unterstützen und fördern, auch wenn sie
die Menschen selbst nicht verwandeln könnten, so Türtscher. "Es gibt
gute Erfindungen und Entdeckungen, aber Schwächen in der Umsetzung.
Die Natur- und Ingenieurwissenschaften sind in Österreich aber auf
Weltniveau, auch wenn ihnen stärkeres unternehmerisches Denken gut
tun würde", sagte der Experte.

Einen "Mangel an Selbstvertrauen, Mut und gelegentlich Glück"
ortet Harald Leitenmüller, Innovationssprecher von Microsoft
Österreich, bei Gründungen. Offensichtliche Gelegenheiten würden
missachtet oder einfach verpasst. "Beim Microsoft ImagineCup, dem
größten internationalen Studierendenwettbewerb, sind Österreicher
immer an der Spitze. Nur leider nehmen lokal wenige daran teil. Ist
das mangelndes Selbstvertrauen oder Faulheit?", fragte sich
Leitenmüller.

Ein weiteres Problem: "Versagen ist in Österreich verpönt", so der
Innovationssprecher. Den sogenannten Ein-Personen-Unternehmen (EPU),
die die heimischen Neugründungen im IT-Bereich prägen, spricht
Leitenmüller die Innovationsfähigkeit weitgehend ab: "Da fehlt
einerseits das Know-how - dafür braucht es zwei bis fünf Mitarbeiter
-, andererseits die Vernetzung."

Unzufrieden mit den Rahmenbedingungen zeigte sich Oliver Krizek,
Geschäftsführer von Navax Consulting. "Als junger Mensch mit Ideen
hat man es in Österreich schwer. Man muss einen langen Atem haben und
sich ein paar Jahre mit wenig Einkommen begnügen. Es gibt kaum
Fremdkapital - für kleine IT-Firmen schon gar nicht - und wenig
Unterstützung. Außerdem macht der zu geringe Hebeleffekt aufgrund der
Größe des Marktes den Schritt ins Ausland unumgänglich", so Krizek.

Problematisch sei vor allem, eine Firma mit anderen gemeinsam zu
gründen. "Die Toleranz endet, sobald das erste Geld hereinkommt. Ohne
diese Toleranz ist aber jedes Projekt zum Scheitern verurteilt. Eine
Voraussetzung für den Erfolg ist die Bereitschaft zu teilen - auch
Know-how, wozu aber Vertrauen notwendig ist", gab sich Krizek
überzeugt. Innovation werde gestört, weil sich die Unternehmen nur
mehr mit sich selbst beschäftigen würden.

Die mangelnde Fähigkeit, "Innovation auch auf die Straße zu
bringen", beklagte Harald Lakatha, Geschäftsführer von IT Solution.
"Darin haben die Österreicher nicht wahnsinnig viel Erfahrung." Eine
gewisse Risikobereitschaft und Macherqualitäten würden teilweise
ebenfalls fehlen. Gerade Kleinunternehmen, die in ihren Ressourcen
begrenzt seien, müssten sich über Nischenmärkte, in denen es weniger
Wettbewerb gebe, hochhanteln. Nur so seien schnelle Erfolge
erzielbar.

Laufende Änderungen bei technischen oder rechtlichen
Rahmenbedingungen würden die Sache nicht gerade erleichtern. "Legt
man typische Entwicklungszyklen von zwölf Monaten für ein neues
Produkt zugrunde, müssen die Investitionen oft innerhalb von ein bis
zwei Jahren zurückverdient werden. Damit wird das Risiko für jede
Innovationstätigkeit überdurchschnittlich groß. Als Kleiner kann man
das aber nicht anders stemmen."

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com
 - Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
 - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc     
 - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at 
 - Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at       
 - economyaustria www.economyaustria.at                   
 - Gentics Software GmbH www.gentics.com                  
 - Hewlett Packard www.hp.com/at                          
 - IT Solution GmbH www.itsolution.at                     
 - Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net                    
 - Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria         
 - NAVAX Consulting AG www.navax.at                       
 - NextiraOne www.nextiraone.at                           
 - SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at               
 - Telekom Austria www.telekom.at                         
 - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at                
 - APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at .

Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at

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