- 19.06.2008, 19:32:10
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die SPÖ pfeift auf Umfragen, bald pfeifen die Gefragten auf sie" (von Eva Weissenberger)
Ausgabe vom 20.06.2008
Graz (OTS) - Wenn es nicht so armselig wäre, fast könnte man etwas
Gutes daran finden: Die SPÖ orientiert ihre Politik nicht mehr an
Umfragen, sie hört nicht mehr auf den Boulevard, sie sucht ihre
Repräsentanten nicht danach aus, ob sie telegen sind. Endlich!,
könnte man jubeln, wenn es nicht unabsichtlich passierte. Wenn die
SPÖ nicht gleichzeitig mit voller Absicht Neuwahlen riskieren würde.
Alfred Gusenbauers Motivation kann man sich ausmalen: Jeden Tag, den
ich noch Kanzler bin, kann ein Wunder geschehen: Hochwasser schwemmt
die SPÖ-Krise aus den Schlagzeilen; Österreich gewinnt doch noch die
Euro; die Marsmenschen greifen die Erde an; Werner Faymann verlässt
sein Ehrgeiz.
Die Motivation des Möchtegern-Parteichefs bleibt im Dunkeln. Mit
Faymann verheizt sich gerade einer der paar Kanzlerkandidaten, den
die Partei aufzuweisen hat, vor allem aber einer der wenigen, die
sich das Amt überhaupt antun wollen. Indem er den Hüter
sozialdemokratischer Werte zu spielen versucht, konterkariert er sein
Image vom effizienten Konsensler. Sein Dauerlächeln mag nervig sein,
aber es ist beim Publikum gut angekommen. In "Werner - beinhart" ist
er definitiv im falschen Film.
Die zweite - noch nicht offizielle - rätselhafte Personalentscheidun:
Heidrun Silhavy, bisher als Staatssekretärin nicht aufgefallen, wird
zur Frauenministerin befördert. Ihr Engagement für die Frauensache
ist echt, ihre Inaktivität in den letzten eineinhalb Jahren war auch
mangelnden Zuständigkeiten geschuldet. Es ist ungerecht, aber sie
kann, und das wäre die Aufgabe einer roten Frauenministerin in einem
Wahlkampf, einer grünen Eva Glawischnig nicht Paroli bieten, genauso
wenig wie einer schwarzen Christine Marek, obwohl die
Staatssekretärin für Wirtschaft auch noch längst nicht eine jede
kennt.
Ja, die ÖVP hat dieselben Probleme wie die SPÖ: Einen Frontmann, der
in vielen Bereichen kompetent ist, nur nicht im Sympathie-Tragen und
im Strahler-Lächeln. Einen Frontmann, der nicht alle
Landesorganisationen im Griff hat, was sich bei Wahlen mitunter fatal
auswirkt. Im Gegensatz zur SPÖ, die viele Konzepte hat, sie aber
nicht durchsetzt, ist die ÖVP nach mehr als 30 Jahren in der
Regierung zudem ideologisch ausgetrocknet, sperrt sich aber trotzdem
gegen ihre eigenen Zukunftsperspektiven.
Da die ÖVP das aber alles schlauerweise intern abhandelt, wird sie
früher oder später Neuwahlen ausrufen. Sobald die Umfragewerte
stimmen - die Volkspartei richtet sich ja noch danach****
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