"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die SPÖ muss sich entscheiden: Gusenbauer ganz oder gar nicht" (Von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 10.06.2008

Graz (OTS) - Der war gut! Als Konsequenz des Wahldebakels von
Tirol verlangt der steirische Landeshauptmann, Franz Voves, die SPÖ müsse "auf Bundespräsidiumsebene" nach einem Ausweg suchen. Der Witz daran: Dieses höchste rote Parteigremium hat Sonntag vor einer Woche beraten, wie man aus der Pensionskiste herauskommen könnte, ohne das Gesicht zu verlieren. Nicht erschienen ist - Franz Voves.

SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer hat Recht, wenn er klagt, dass die Strategietipps aus der zweiten Reihe, die Sozialworte aus den Bundesländern und, vor allem, die ständige Diskussion um seine Person, viel zum schlechten Abscheiden der Tiroler SPÖ beigetragen haben. Genauso stimmt natürlich, was er nicht sagt: Dass die Vorstellung, die diese Bundesregierung bietet, erstens eine schlechte ist, und zweitens eine, bei der Gusenbauer nicht einmal selbst Regie führt.

Daher muss sich die SPÖ entscheiden: Will sie mit Alfred Gusenbauer als Kanzler und Spitzenkandidat in die nächste Nationalratswahl gehen, dann darf sie ihn ab sofort nicht mehr öffentlich lächerlich machen. Oder die SPÖ überredet einen der üblichen Verdächtigen, sich das Himmelfahrtskommando anzutun, Partei und Kanzlerschaft zu übernehmen und startet so durch. Noch besser wäre eine Frau, als Signal der Erneuerung.

Die SPÖ könnte sich ein Beispiel an der ÖVP nehmen: Dort spricht niemand von der Mitverantwortung Wilhelm Molterers für die Katastrophe, die ja auch die Volkspartei am Sonntag ereilt hat. Im heiligen Land Tirol, wo die Voraussetzungen für eine Christdemokratische Partei paradiesisch sind: Addiert man die Stimmen, welche die ÖVP, ihre Abspaltung, die Liste Fritz Dinkhauser, und die Grünen, dort alles andere als Linke, am Sonntag auf sich vereinigt haben, und rechnet noch die Hälfte der FPÖ-Wähler dazu, dann steht unterm Strich: Mindestens drei von vier Tiroler Wählern sind Bürgerliche. Und da kommt die ÖVP nur auf 40 Prozent?

Warum hat Molterer Landeshauptmann Herwig van Staa, der offensichtlich viele Sympathien verspielt hat, nicht früher abgelöst? Warum konnte der den Streit zwischen den zwei alten, schwarzen Männern nicht schlichten? Angeblich ist Molterer doch ÖVP-Bundesparteiobmann und steht schon lange nicht mehr im Schatten seines Vorgängers.

Aber seine Parteifreunde sagen ihm das, wenn überhaupt, unter vier Augen. Und solange die SPÖ sich nicht durchringt, Gusenbauer abzulösen, gibt sogar ein Pater Willi noch einen sexy Spitzenkandidaten ab.****

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