- 09.06.2008, 19:40:41
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die SPÖ muss sich entscheiden: Gusenbauer ganz oder gar nicht" (Von Eva Weissenberger)
Ausgabe vom 10.06.2008
Graz (OTS) - Der war gut! Als Konsequenz des Wahldebakels von
Tirol verlangt der steirische Landeshauptmann, Franz Voves, die SPÖ
müsse "auf Bundespräsidiumsebene" nach einem Ausweg suchen. Der Witz
daran: Dieses höchste rote Parteigremium hat Sonntag vor einer Woche
beraten, wie man aus der Pensionskiste herauskommen könnte, ohne das
Gesicht zu verlieren. Nicht erschienen ist - Franz Voves.
SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer hat Recht, wenn er klagt, dass die
Strategietipps aus der zweiten Reihe, die Sozialworte aus den
Bundesländern und, vor allem, die ständige Diskussion um seine
Person, viel zum schlechten Abscheiden der Tiroler SPÖ beigetragen
haben. Genauso stimmt natürlich, was er nicht sagt: Dass die
Vorstellung, die diese Bundesregierung bietet, erstens eine schlechte
ist, und zweitens eine, bei der Gusenbauer nicht einmal selbst Regie
führt.
Daher muss sich die SPÖ entscheiden: Will sie mit Alfred Gusenbauer
als Kanzler und Spitzenkandidat in die nächste Nationalratswahl
gehen, dann darf sie ihn ab sofort nicht mehr öffentlich lächerlich
machen. Oder die SPÖ überredet einen der üblichen Verdächtigen, sich
das Himmelfahrtskommando anzutun, Partei und Kanzlerschaft zu
übernehmen und startet so durch. Noch besser wäre eine Frau, als
Signal der Erneuerung.
Die SPÖ könnte sich ein Beispiel an der ÖVP nehmen: Dort spricht
niemand von der Mitverantwortung Wilhelm Molterers für die
Katastrophe, die ja auch die Volkspartei am Sonntag ereilt hat. Im
heiligen Land Tirol, wo die Voraussetzungen für eine
Christdemokratische Partei paradiesisch sind: Addiert man die
Stimmen, welche die ÖVP, ihre Abspaltung, die Liste Fritz Dinkhauser,
und die Grünen, dort alles andere als Linke, am Sonntag auf sich
vereinigt haben, und rechnet noch die Hälfte der FPÖ-Wähler dazu,
dann steht unterm Strich: Mindestens drei von vier Tiroler Wählern
sind Bürgerliche. Und da kommt die ÖVP nur auf 40 Prozent?
Warum hat Molterer Landeshauptmann Herwig van Staa, der
offensichtlich viele Sympathien verspielt hat, nicht früher abgelöst?
Warum konnte der den Streit zwischen den zwei alten, schwarzen
Männern nicht schlichten? Angeblich ist Molterer doch
ÖVP-Bundesparteiobmann und steht schon lange nicht mehr im Schatten
seines Vorgängers.
Aber seine Parteifreunde sagen ihm das, wenn überhaupt, unter vier
Augen. Und solange die SPÖ sich nicht durchringt, Gusenbauer
abzulösen, gibt sogar ein Pater Willi noch einen sexy
Spitzenkandidaten ab.****
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