- 08.06.2008, 18:14:42
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Wiener Zeitung: Unterbergers Kommentar: Der Ulk aus Tirol
Ausgabe vom 9. Juni 2008 Wien (OTS) - Da blieb kein Stein auf dem anderen. Der Erfolg des ÖVP-Dissidenten Fritz Dinkhauser hat seine (Ex-?)Partei schwer erschüttert - aber die Linksparteien noch viel mehr. Rot und Grün haben so viel verloren, dass die von ihnen erträumte Achse mit Dinkhauser weit unter 50 Prozent liegt. Es sei denn, sie nehmen auch noch die im Schatten Dinkhausers erstarkte FPÖ mit ins Bündnis. Das wäre dann freilich eine ziemlich ulkige Allianz. Anders als mit der FPÖ kann aber Dinkhauser seinen Anspruch, Landeshauptmann zu werden, nicht realisieren. Denn dass ihn die ÖVP nach seinen Attacken der letzten Wochen nun auch noch zum Landeshauptmann macht, wäre des Ulkes zu viel. Viel wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schwarz-roten Da capo kommt - wenn auch mit einer baldigen Ablöse des Landeshauptmannes, der sich als frei von jedem Charisma erwiesen hat. Für Ulk wird Dinkhauser künftig nur im Landtag sorgen können. Fraglich bleibt jedoch, wie rasch sich dort sein theatralisch-larmoyanter Populismus abnutzen wird. Dinkhauser dürfte zwar mit der einen oder anderen Kritik an Tiroler Zuständen recht haben (auch wenn man sich von Wien aus schwertut, die Probleme der dortigen Agrargemeiden ganz zu begreifen). Eines aber hat er sicher nicht: konsistente Vorstellungen davon, wie die sehr widersprüchlichen Ansprüche zahlreicher Gruppen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik auf einen Nenner gebracht werden können. Für die ÖVP müssen alle Alarmglocken läuten: Denn das Phänomen Dinkhauser geht Hand in Hand mit provokativer Eigenbrötelei sowohl des ÖAAB wie der Wirtschaftskammer. Der ÖVP droht ein neues Überhandnehmen der zentrifugalen Kräfte, die nur die eiserne Faust Wolfgang Schüssels einige Jahre zusammenhalten hat können. Noch lauter müssen jene Glocken bei der SPÖ läuten: Denn absolut wie relativ ist sie der größte Verlierer, nachdem sie auch schon zuletzt alle Wahlen serienweise verloren hat. Sie hat im Grund schon seit den späten 80er Jahren kein Rezept mehr gegen Populisten wie Dinkhauser oder Jörg Haider, die ihre Basis unterminieren. Die SPÖ hat damit das gleiche Problem wie die SPD, nur trägt es dort den Namen Lafontaine. Und beide Parteien lügen sich arg in den Sack, wenn sie glauben, mit einem neuen Gesicht an der Spitze wäre auch nur eine ihrer intellektuellen oder politischen Sorgen gelöst. Rückfragehinweis: Wiener Zeitung Sekretariat Tel.: 01/206 99-478 mailto:[email protected] *** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT *** OTS0054 2008-06-08/18:14 081814 Jun 08
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