Schiffmann: Bessere Unterstützung für pflegende Angehörige

Bäuerinnen tragen die Hauptlast der Pflege und Betreuung im familiären Umfeld

Wien (OTS) - "Rund drei Viertel der pflegebedürftigen Personen werden daheim von Familienangehörigen betreut und gepflegt. Dies zeigt den hohen Stellenwert und die Bedeutung der häuslichen Pflege, die eine unverzichtbare Ergänzung zur Betreuung und Pflege in öffentlichen und privaten Einrichtungen darstellt. Gerade im bäuerlichen Bereich sorgen vielfach die Frauen für die Betreuung ihrer Familienmitglieder. Diese pflegenden Angehörigen brauchen Unterstützung und optimale gesetzliche Rahmenbedingungen, damit sie diese bedeutende Aufgabe neben den Anforderungen in Haushalt und Betrieb bewältigen können", forderte heute Theresia Schiffmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bäuerinnen in der Landwirtschaftkammer Österreich.

"Gleichzeitig müssen wir die Bewusstseinsbildung über die Verwendung von Pflegegeld künftig verstärken und zum Zukauf von notwendigen Leistungen motivieren. In den Pflegestufen fünf, sechs und sieben ist eine Anhebung und Valorisierung des Pflegegeldes notwendig. Zudem ist sicherzustellen, dass das Pflegegeld auch künftig eine Geldleistung bleibt und keinesfalls zur Sachleistung umgeleitet wird", so Schiffmann.

Großer Anpassungsbedarf bei Pflegegeldeinstufung von Demenzkranken

Die Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen will neben der verbesserten Unterstützung für pflegende Angehörige vor allem vermeiden, dass künftig die häusliche Pflege durch Familienangehörige zugunsten der Pflege durch institutionelle Einrichtungen benachteiligt wird. Gerade in ländlichen Gebieten seien solche Einrichtungen nur eingeschränkt verfügbar. Ein großer Anpassungsbedarf bestehe auch im Hinblick auf die Valorisierung und Pflegegeldeinstufung von Demenzkranken, betont Schiffmann.

Vor allem die verschiedenen Formen der Demenz und der Alzheimerkrankheit müssten bei der Einstufung noch mehr zum Tragen kommen. Es sollte hier beispielsweise neben dem Pflegeaufwand auch die ständige Anwesenheit einer Aufsichtsperson berücksichtigt werden. Da durch rechtzeitige Betreuung und Unterstützung viele Probleme wie Überforderung und Burn-out-Syndrom der Pflegenden zu verhindern wären, sollte man vor allem den psychischen Problemen der pflegenden Angehörigen mehr Beachtung schenken und sie auch entsprechend unterstützen. Darüber hinaus wären künftig auch flexiblere Strukturen in der Zusammenarbeit von ambulanter Pflege und stationärer Pflege notwendig, um eben die zunehmende Belastung und Überforderung der pflegenden Angehörigen, aber auch die Lebensqualität der pflegebedürftigen Menschen zu verbessern.

Rechtzeitig professionelle Hilfe holen

"Gerade im bäuerlichen Bereich wird erst dann Hilfe in Anspruch genommen, wenn die pflegende Person sehr stark körperlich und seelisch belastet ist. Hier müssen wir ansetzen und die Vorsorge verbessern beziehungsweise das Bewusstsein, dass man sich rechtzeitig professionelle Hilfe holt", unterstreicht die ARGE-Vorsitzende.

Eine wichtige Initiative sei hier das bundesweite Projekt "Lebensqualität am Bauernhof", wo die Prävention im Vordergrund stehe und Betroffene bei allen Problemen im familiären Bereich Rat und Unterstützung erhalten. "Wie notwendig eine verbesserte Unterstützung der Angehörigen ist, zeigt auch eine Evaluierung der Anrufe beim bäuerlichen 'Sorgentelefon', wo deutlich zum Ausdruck kommt, dass gerade Pflegende durch die ständige Belastung ein Burn-out-Syndrom haben oder kurz davor stehen", stellte Schiffmann fest.
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