- 05.06.2008, 18:09:48
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schwieriger Abschied vom Beamtenstatus - von Esther Mitterstieler
Wer hat noch ein Festnetz, wer noch kein Handy?
Wien (OTS) - Jetzt wehren sich die Gewerkschaften also gegen die
von der ÖIAG geplante Beamtenholding für Post und Telekom Austria.
Insgesamt 5500 Beamte sind betroffen. Nur logisch, dass die
Gewerkschaften ihren Mitgliedern zur Seite stehen. Fraglich aber ist,
was der derzeitige Aufruhr den Mitarbeitern und den Unternehmen
bringt.
Die Zeiten technologischen Fortschritts haben zu grundlegend anderen
Bedingungen am Markt als vor 20 Jahren geführt. So wurde das Festnetz
allmählich vom Ertragsbringer Nummer eins durch den Mobilfunk
verdrängt. Wer hat heute noch ein Festnetz und wer noch kein Handy?
So gerne wir alle auf unser Handy zurückgreifen: technologische
Neuerungen implizieren leider auch negative Folgen für die
Mitarbeiter eines Unternehmens. Heute können schlichtweg weniger
Leute mit Hilfe der Technik mehr leisten als früher. Tatsache ist
also, die Zeiten haben sich geändert. Telekom Austria und Post sind
börsenotiert und nur mehr teilweise in Händen des Staates. Es gibt
sehr wohl eine Verpflichtung gegenüber den Aktionären und den
Mitarbeitern. Das muss kein Widerspruch sein.
Die Gewerkschaft will die Mitarbeiter verteidigen. Ob die derzeitige
Hammertaktik so schlau ist, ist infrage zu stellen. Wenn sich die
Gewerkschaft durchsetzt, und die Telekom bekommt mit der eigenen
Holding (TAB) einen ähnlich sinnlosen Jobabschiebebahnhof wie die
Post mit dem Jobcenter, dann gnade den Mitarbeitern vor ihren
Personalvertretern. Ist es nicht besser, Mitarbeiter in eine
Gesellschaft auszugliedern, die ihnen zumindest Umschulungsgarantie
und eine sichere Übergangshilfe für einen neuen Job gibt? Klar muss
allerdings sein, dass zielgenau umgeschult wird. Stichwort
Facharbeitermangel. Ist es so schlimm, dass der Staat da den
Unternehmen die Kosten - Experten schätzen eine Milliarde Euro -
abnimmt? Das sind Fragen an die Gewerkschaften wie an den
Bundeskanzler und seinen Vize.
Dass Kanzler Alfred Gusenbauer der Gewerkschaft zur Seite springt,
ohne dass sein Vize etwas davon weiß, ist wieder einmal ein
untrügliches Zeichen von ökonomischer wie politischer Ineffizienz.
Ist es wirklich so schwierig, sich an einen Tisch zu setzen und die
Unternehmen, die auch Besitz des Staates sind, von unnötigen Bürden
zu befreien? Kann ein guter Telekom-Mitarbeiter nur im Beamtenstatus
ein guter sein? Hier ist die hohe Politik gefordert. Die Reibereien
schaden Unternehmen und Mitarbeitern nur.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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