Herzklinik in Winden am See: Probebohrungen im Grundwasser-Schongebiet illegal !

Wien (OTS) - Stellen Sie sich vor, eine Gruppe von Herren im Nadelstreif taucht in einem kleinen Dorf auf. Diese stellt fest, dass ein ganz bestimmtes, riesiges Areal mit Seeblick für deren Herzklinik & 5 Sternehotel Projekt ideal ist und bestimmt, dort wird gebaut. So geschehen letztes Jahr in Winden am See, Bgld.

Die Regionalpolitiker sind tief beeindruckt vom weltmännischen Auftreten der Herren und öffnen Tür und Tor. Es wird von internationalen Kooperationspartnern, schottischen Banken und Schweizer Investoren, 100 Millionen Euro Investitionen und mindestens 500 Arbeitsplätzen schwadroniert. Und selbstverständlich werden alle Windener an der Herzklinik privat behandelt. Keine Frage, das gesamte Dorf wird reich, denn die Grundstückspreise werden enorm steigen, die noblen Patienten werden Windener Wein trinken und die Windener Bürger werden tolle Jobs bekommen. Viele sehen sich schon in eleganten Uniformen für das großartige Unternehmen tätig werden. Und wie schön für die Landesregierung, jetzt gibt es einen Grund mehr um eine Autobahn durch das nördliche Burgenland zu bauen!

Völlig nebensächlich wird von den Projektanten offensichtlich erachtet, dass es sich bei dem ausgewählten Areal um ein vielfach geschütztes Naturjuwel handelt, das völlig ungeeignet für so ein Megaprojekt ist. So liegt das Gebiet Gruibert mitten in der Kernzone des UNESCO Welterbe-Gebiet Fertö/Neusiedler See, ist auch Natura 2000 Vogelschutzgebiet und Naturpark. Darüber hinaus befindet sich die erwünschte Riesenbaustelle mitten im Einzugsgebiet der Windener Quellen und ist mittels Verordnung des Landeshauptmannes vom 12. Aug. 1977, ausgewiesenes Grundwasser Schongebiet. Das bedeutet, dass in diesem Bereich zur Sicherung des Grundwasservorkommens bzw. des Trinkwassers jegliche Bauführung und Grabung ab einer Tiefe von 3,5m einer wasserrechtlichen Bewilligung bedarf.

Aber was schert die Projektanten, dass das Trinkwasser der Nordburgenländer gefährdet werden könnte? Ende November letzten Jahres rückte die Firma Kaim, 1190 Wien, die auch für die Projektanten in Krems-Hollenburg tätig ist, mit großem Bohrgerät an und führte an mehreren Stellen im Grundwasser Schongebiet Probebohrungen bis in die Tiefe von 12m auf Gemeindegrund und auf zwei privaten Grundstücken durch. Niemand wurde informiert, auch der sonst so gut informierte Bürgermeister von Winden hatte keine Ahnung davon.

Die aktive örtliche Bürgerinitiative Gruibert, BIG, veranlasste die zuständigen Behörden die Sachlage zu überprüfen ob eine wasserrechtliche Genehmigung dafür vorliegt. Dazu die Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See mit Schreiben vom 30. 04. 08:
"Es wurde kein Antrag auf Genehmigung einer Probebohrung eingebracht. Von der ho. Behörde wird der Sachverhalt erhoben und werden gegebenenfalls die notwendigen Veranlassungen getroffen."

Es stellt sich in diesem Fall die Frage, wie viel an Zerstörung von geschützter Landschaft, Pflanzen und Tierwelt noch passieren muss bis die zuständigen Politiker endlich erkennen, dass sie oft mit dem "Arbeitsplätze" Argument getäuscht werden. Zum Vorteil von Grundstücks-Verwertungsgesellschaften und zum Schaden der Bewohner dieses wunderbaren Landes und aller folgenden Generationen.

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