"Kleine Zeitung" Kommentar: "Von Bregenz bis Wien: Gratis- Kindergärten für alle Kinder" (von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 02.06.2008

Graz (OTS) - Ziemlich typisch, wie die aktuelle Debatte über die Pensionsreform abläuft. Da wird heftig debattiert, ob eine Pensionsautomatik bei steigender Lebenserwartung überhaupt zumutbar sei. Von "Pensionsraubmaßnahmen" wird bereits gesprochen. Was in jeder Pensionsdebatte nobel ausgeblendet wird? Dass das Pensionssystem auf einem Generationenvertrag basiert. Es basiert darauf, dass Kinder geboren und bestens ausgebildet werden. Und vergessen wird, dass die sozialen Sicherungsysteme nicht nur aufgrund wachsender Lebenserwartung in Schieflage geraten, sondern auch wegen der Kinderanzahl.

Der Hauptgrund für erforderliche Rentenkürzungen würden in der Kinderarmut liegen, hat der Chef des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, bereits vor Jahren der Politik ins Stammbuch geschrieben. Rund 100.000 Euro beträgt nach der Berechnung von Sinn der Wert eines Kindes für die Pensionsversicherung.

Daten und Fakten, die jedes Land mit geringer Geburtenrate beunruhigen müsste. Österreich schläft da aber weiter tief und fest. In diesem Land hängen Kinderbetreuung und Kosten immer noch davon ab, ob eine Frau in Spittal, Leoben oder St. Pölten lebt.

Was in Frankreich bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert zur Aufgabe der gesamten Nation erkoren wurde, wird im Zwergerlstaat Österreich von Land zu Land, Gemeinde zu Gemeinde geregelt. Niederösterreich und Kärnten gewährt allen Eltern Gratis-Vormittagskindergärten. In der Steiermark wollen jetzt plötzlich nach dem Vorpreschen der SPÖ alle Parteien eine Gratis-Ganztagsbetreuung von null bis sechs. Offen bleibt allerdings wieder einmal die Finanzierung.

Was bezeichnend in der Betreuungsfrage ist? Dass bis heute keine Bundesregierung an der Zuständigkeitsfrage gerüttelt hat. Als ob Kinder in Vorarlberg andere Bedürfnisse haben als in Kärnten. Wie Schulen sollten längst auch alle Kindergärten als Gratis-Infrastruktur zur Verfügung stehen.

Es wäre auch hoch an der Zeit, mehr Mittel in den vorschulischen Bereich fließen zu lassen. Zumal Österreich mit Ausgaben von 0,43 Prozent des BIP EU-weit im unteren Mittelfeld rangiert. Ein Anteil, der aber auch zeigt, dass die Regierung bis heute eines nicht erkannt ha: Dass Gratis-Kindergärten kein gnädiges Entgegenkommen sind, sondern eine Infrastrukturmaßnahme wie Schulen, Straßen, Spitäler. Eine Infrastruktur für Kinder und Eltern - und für ein Pensionssystem, das weit mehr Eltern benötigen wird. ****

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