- 01.06.2008, 18:57:23
- /
- OTS0068 OTW0068
"Kleine Zeitung" Kommentar: "Von Bregenz bis Wien: Gratis- Kindergärten für alle Kinder" (von Carina Kerschbaumer)
Ausgabe vom 02.06.2008
Graz (OTS) - Ziemlich typisch, wie die aktuelle Debatte über die
Pensionsreform abläuft. Da wird heftig debattiert, ob eine
Pensionsautomatik bei steigender Lebenserwartung überhaupt zumutbar
sei. Von "Pensionsraubmaßnahmen" wird bereits gesprochen. Was in
jeder Pensionsdebatte nobel ausgeblendet wird? Dass das
Pensionssystem auf einem Generationenvertrag basiert. Es basiert
darauf, dass Kinder geboren und bestens ausgebildet werden. Und
vergessen wird, dass die sozialen Sicherungsysteme nicht nur aufgrund
wachsender Lebenserwartung in Schieflage geraten, sondern auch wegen
der Kinderanzahl.
Der Hauptgrund für erforderliche Rentenkürzungen würden in der
Kinderarmut liegen, hat der Chef des Münchner Ifo-Instituts für
Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, bereits vor Jahren der
Politik ins Stammbuch geschrieben. Rund 100.000 Euro beträgt nach der
Berechnung von Sinn der Wert eines Kindes für die
Pensionsversicherung.
Daten und Fakten, die jedes Land mit geringer Geburtenrate
beunruhigen müsste. Österreich schläft da aber weiter tief und fest.
In diesem Land hängen Kinderbetreuung und Kosten immer noch davon ab,
ob eine Frau in Spittal, Leoben oder St. Pölten lebt.
Was in Frankreich bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert zur
Aufgabe der gesamten Nation erkoren wurde, wird im Zwergerlstaat
Österreich von Land zu Land, Gemeinde zu Gemeinde geregelt.
Niederösterreich und Kärnten gewährt allen Eltern
Gratis-Vormittagskindergärten. In der Steiermark wollen jetzt
plötzlich nach dem Vorpreschen der SPÖ alle Parteien eine
Gratis-Ganztagsbetreuung von null bis sechs. Offen bleibt allerdings
wieder einmal die Finanzierung.
Was bezeichnend in der Betreuungsfrage ist? Dass bis heute keine
Bundesregierung an der Zuständigkeitsfrage gerüttelt hat. Als ob
Kinder in Vorarlberg andere Bedürfnisse haben als in Kärnten. Wie
Schulen sollten längst auch alle Kindergärten als
Gratis-Infrastruktur zur Verfügung stehen.
Es wäre auch hoch an der Zeit, mehr Mittel in den vorschulischen
Bereich fließen zu lassen. Zumal Österreich mit Ausgaben von 0,43
Prozent des BIP EU-weit im unteren Mittelfeld rangiert. Ein Anteil,
der aber auch zeigt, dass die Regierung bis heute eines nicht erkannt
ha: Dass Gratis-Kindergärten kein gnädiges Entgegenkommen sind,
sondern eine Infrastrukturmaßnahme wie Schulen, Straßen, Spitäler.
Eine Infrastruktur für Kinder und Eltern - und für ein
Pensionssystem, das weit mehr Eltern benötigen wird. ****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ