- 28.05.2008, 14:00:00
- /
- OTS0296 OTW0296
10 Jahre AUVA Pflegepreis Niederösterreich: LR Mikl-Leitner zeichnet Josefa Petias aus Kirnberg aus
Wien (OTS) - Seit zehn Jahren wird der AUVA Pflegepreis
Niederösterreich für die mehrjährige, aufopfernde Pflege eines nach
einem Arbeitsunfall dauerhaft Schwerverletzten im Familienverband
vergeben. Die Preisträgerin des Jubiläumsjahres 2007 ist Josefa
Petias (59 Jahre) aus Kirnberg. Die Ehrung fand am Mittwoch, dem 28.
Mai 2008, um 14 Uhr im St. Leopoldsaal des St. Pöltener Landhauses
statt. Dazu waren alle Preisträgerinnen eingeladen.
Der AUVA Pflegepreis Niederösterreich 2007 wurde von
Soziallandesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner und Direktor Ing. Johann
Kaiser, AUVA Landesstelle Wien, verliehen. Er entstand 1998 auf
Initiative von LH-Stellvertreterin Liese Prokop und der Landesstelle
Wien der AUVA und steht unter dem Ehrenschutz von Landeshauptmann Dr.
Erwin Pröll. Die Gewerkschaft Bau-Holz steuerte einen Urlaub bei; der
Gutschein dafür wurde von Kammerrat Rudolf Silvan übergeben.
Die Eltern des Pflegepreises sind LH-Stellvertreterin Liese Prokop
und Josef Müller, der damalige Direktor der AUVA Landesstelle Wien.
Auf einer gemeinsamen Fahrt hatten sie die Idee, jenen zu danken, die
es auf sich nehmen, einen Schwerstversehrten nach einem Arbeitsunfall
zu Hause zu pflegen und für eine Lebensqualität zu sorgen, die sonst
nicht möglich wäre. "Die Pflege zu Hause bedeutet körperliche und
seelische Betreuung rund um die Uhr. Parallel dazu gilt es den
Haushalt, weitere Familienmitglieder zu versorgen, Termine zu
koordinieren. Unsere Preisträgerinnen und Preisträger sind echte
FamilienmanagerInnen, die viele Opfer bringen. Für ihre großartigen
Leistungen wollen wir - auch stellvertretend für die Versicherten -
herzlich danken," sagte Ing. Johann Kaiser, Direktor der AUVA
Landesstelle Wien, bei der Jubiläumsfeier und dankte Landeshauptmann
Dr. Erwin Pröll und Soziallandesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner für
den feierlichen Rahmen und den Ehrenschutz.
"Mit dem AUVA Pflegepreis wollen wir jene Personen vor den Vorhang
holen, die für unsere ganze Gesellschaft Vorbild sind. Nächstenliebe,
Opferbereitschaft und unendlich liebevoller Einsatz im Dienste
pflegebedürftiger Familienangehöriger stehen Tag täglich und rund um
die Uhr an der Tagesordnung. Diese großartigen Verdienste gehören
ausgezeichnet. Aber wir wollen diesen Menschen mit diesem AUVA
Pflegepreis auch unsere Hochachtung und unseren aufrichtigen Dank
aussprechen", meinte Soziallandesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner.
Am 28. Mai waren auch fünf der bisherigen Preisträgerinnen zur
Ehrung gekommen: Elfriede Pusitz aus Baden (1999), Jutta Rericha aus
Gänserndorf (2000), Brigitte Höllerschmid aus Karlstetten (2001),
Christine Fichtinger aus Hürm (2004) und Reinhilde Matous aus
Mauerbach (2005). Josefa Petias gratulierten Ing. Ferdinand
Neuhauser, Bürgermeister von Kirnberg an der Mank, Karl Griessler,
Vizebürgermeister von Kirnberg an der Mank, Dr. Hansjörg Fedrizzi,
Hausarzt, Christian Lietz, Autohaus Lietz, Sachwalter Heinz
Lorenzmeier und Mitglieder der Jury.
Josefa Petias aus Kirnberg erhält AUVA Pflegepreis Niederösterreich
2007
Josefa Petias und ihre Söhne Rudolf und Manfred aus Kirnberg sind
ein eingeschworenes Team. Ideale Voraussetzung für eine glückliche
Familie, aber auch, um schicksalhafte Belastungen gemeinsam zu
meistern. Ideale Voraussetzungen für Manfred, aber auch eine
Belastung für seine Mutter und den um zwei Jahre älteren Bruder. Seit
einem unverschuldeten Autounfall auf dem Weg zur Arbeit im April 2000
ist Manfred Petias halbseitig gelähmt und leidet an den Folgen der
schweren Kopfverletzungen. Seit April 2000 kreisen die Gedanken von
Josefa Petias unaufhörlich um das Wohl des Fünfunddreißigjährigen.
Nacht und Tag ist sie an seiner Seite, wenn er nach ihr ruft.
Manfred Petias war ein lebenslustiger Bursche, als "Junggsell"
gefragter Unterhalter auf Hochzeiten, als Mechaniker im Autohaus
Lietz in Wieselburg beliebter Mitarbeiter. Seine Freundin Petra und
er freuten sich auf ihren Sohn Julian, der rund drei Monate nach dem
Unfall zur Welt kommen sollte. Julian wird heuer acht und ist
regelmäßig zu Besuch. Ihn verbindet ein inniges Verhältnis mit seinem
Vater - Hand in Hand sehen sie fern und gehen sie schlafen.
Die Vielzahl der Verletzungen haben Manfred Petias links
unbeweglich gemacht. Die Kopfverletzungen führten zu Gedächtnis- und
Sprachverlust, zu unkontrollierbaren Verkrampfungen und schwersten
epileptischen Anfällen. Die Pflege zu Hause hat scheinbar Unmögliches
möglich gemacht: heute kann er - wenn auch nur mit Spezialschuhen und
Absicherung - einige Schritte gehen. Sein Sprach- und das
Erinnerungsvermögen bessern sich zusehends. Mit dem Computer schreibt
er an einem Tagebuch, das er mit Erinnerungen an früh verstorbenen
Vater verquickt. Probleme macht das Kurzzeitgedächtnis. Dann braucht
er für jeden Handgriff eine Anleitung.
Eine wichtige Rolle als "Hauslehrerin" spielt seine Nichte
Jaqueline. Die 11-jährige spielt mit ihm Schule und gibt ihre
Kenntnisse 1:1 weiter. Die Beiden ziehen sich dann zurück und dürfen
nicht gestört werden.
Familie Petias hat im Nebenerwerb eine Viehwirtschaft betrieben.
Vater Rudolf war Maurer, er starb 1982 an einem Gehirnschlag. Die
ganze Sorge von Josefa Petias - sie wurde heuer im April 59 Jahre alt
- galt seit damals, ihren Söhnen eine gute und glückliche Zukunft zu
ermöglichen. Sie gab die Viehzucht auf, verpachtete die Nutzflächen
und arbeitete 20 Jahre als Aushilfskraft in einer Gärtnerei. Alles
schien nach ihren Wünschen zu laufen, bis zum Arbeitsunfall das
jüngeren Sohnes.
Das Leben, das Manfred nicht mehr leben kann, belastet Josefa
Petias schwer. Sie kämpft mit aller Kraft gegen das Schicksal an und
übersieht fast, dass sie ihrem Sohn optimale Bedingungen geschaffen
hat. "Er lacht so gerne. Aber beim Essen kennt er keinen Spaß - da
muss die Qualität stimmen," lacht jetzt auch sie. Nicht nur das Heben
sondern auch die ausgedehnten Spaziergänge mit dem Rollstuhl
erfordern in der hügeligen Umgebung einiges an Kraft.
Josefa Petias hat das Leben ihres Sohnes genau geplant: Montag
geht es zur Pferdetherapie, Dienstag zur Physiotherapie, Mittwoch
Nachmittag zum Autohaus Lietz - die einzige Zeit, die sie für sich
hat -, am Donnerstag zur EDV-Firma Baumgartner zur Computerschulung
und am Freitag zur Massage. Alle zwei Monate besuchen sie eine
Selbsthilfegruppe für Angehörige von Kopfverletzten in St. Pölten.
Josefa Petias ist allen sehr dankbar, die ihr helfen, das Leben
ihres Sohnes abwechslungsreich und angenehm zu gestalten: "Du hast
mir geholfen, jetzt helfe ich Dir," hatte Ex-Chef Christian Lietz
gesagt und sein Wort gehalten. Auch zu Festen und Feiern ist der
Fredl immer eingeladen. Der Rudi - er ist Maurer wie sein Vater - hat
eigentlich den falschen Beruf, der hätte Pfleger werden sollen. Das
haben alle im Krankenhaus gesagt."
Auch die Zusammenarbeit mit dem Vertreter der Sachwalterschaft klappt
ausgezeichnet.
Ein großer Wunsch ist es allerdings, einen Platz zu finden, an dem
Manfred zwei, drei Tage in der Woche - so gut es halt geht - arbeiten
kann. Dann hätte sie vielleicht auch die Ruhe, mehr an sich und ihre
Gesundheit zu denken.
Manfred Petias ist dank Versehrtenrente inklusive Zusatzrente,
Invaliditätspension und Pflegegeld der Stufe 7 finanziell
abgesichert. Die AUVA hat mit den notwendigen Hilfsmitteln (Elektro-
und Dusch-Rollstuhl, orthopädische Schuhe, Krankenbett, Stehtisch
etc.), sowie Zuschüssen zu Umbauten und Computerkauf geholfen.
Der AUVA Pflegepreis und seine Kriterien
Der AUVA Pflegepreis besteht neben einer Urkunde aus dem
Bronze-Relief "Sonnenstiege" des Künstlers Prof. Horst Aschermann und
einem Erholungsurlaub in einem behindertengerechten Hotel. Zamfira
Ionce, die Preisträgerin des Vorjahres, erholte sich im September
2007 eine Woche mit ihrer Schwiegertochter im Seminar-Park Hotel
Hirschwang.
In Österreich leben rund 7.300 Schwerstversehrte nach einem
Arbeitsunfall, rund 3.000 davon in Niederösterreich, Burgenland und
Wien. In Niederösterreich fallen derzeit vierzehn AUVA Versehrte in
die Pflegestufe 7 (bis zu Wachkoma), fünf Versicherte in die Stufe 6
sowie 45 Personen in die Pflegestufe 5 (schwere
Querschnittslähmungen). Erfreulicherweise werden in Niederösterreich
alle Versicherten der höchsten Pflegestufe zu Hause gepflegt. Für die
Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) zählt die Rehabilitation
neben der Prävention, der Unfallheilbehandlung und der finanziellen
Entschädigung zu den vier Kernaufgaben. In den vier AUVA
Rehabilitationszentren in Österreich werden jährlich 5.000 Menschen
nach Unfällen so weit wie möglich auf die Rückkehr in ein
selbstbestimmtes, unabhängiges Leben vorbereitet - wie zum Beispiel
der Skirennfahrer Mathias Lanzinger.
Die Auswahl der Pflegerin und des Pflegers des Jahres erfolgt in
einem mehrstufigen Bewertungsprozess. Gemeinsam mit den regionalen
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern werden vom
Rehabilitationsteam der AUVA Landesstelle Wien alle BetreuerInnen,
die einen schwerstversehrten Angehörigen nach einem Arbeitsunfall
oder einer Berufskrankheit aufopfernd und lange Jahre zu Hause
pflegen, nominiert. Als Kriterien gelten: eine Pflegedauer von mehr
als drei Jahren für Versehrte der höchsten Pflegestufe 7, mehr als
fünf Jahren für Pflegestufe 6 und mehr als zehn Jahren für
Versicherte der Pflegestufe 5.
Dr. Djawad Lessan, Chefarzt der AUVA Landesstelle, Hermine Ebner,
Pflegedienstleiterin des AUVA Unfallkrankenhauses und des
Rehabilitationszentrums Wien-Meidling, und Werner Vogl, Leiter des
Rehabilitationsteams in der Leistungsabteilung, besuchen die
Kandidaten und wählen maximal zwei Pflegepersonen aus.
Ausschlaggebend neben der Pflegedauer sind die Pflegeintensität, der
gesundheitliche Zustand, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und
die Entbehrungen, die die Kandidatinnen und Kandidaten auf sich
nehmen.
Die endgültige Auswahl trifft eine Jury, der die Arbeiterkammer
Niederösterreich, die Neue NÖN und Direktor Ing. Johann Kaiser,
Leiter der AUVA Landesstelle Wien, angehören. Die Wahl für 2007 fiel
auf Josefa Petias. Die 59-Jährige betreut ihren Sohn seit acht Jahren
(seit 2000) zu Hause.
Zum Jubiläum wurden alle bisherigen Preisträgerinnen und
Preisträger eingeladen. Den AUVA Pflegepreis erhielten bisher in
chronologischer Folge: Monika Auer aus Rapottenstein, Elfriede Pusitz
aus Baden, Jutta Rericha aus Gänserndorf, Brigitte Höllerschmid aus
Karlstetten, Silvia Bigler aus St. Valentin, Hedwig Fuchs aus
Niederabsdorf, Anna Rappersberger aus Eisguggen, Christine Fichtinger
aus Hürm, Reinhilde Matous aus Mauerbach und Zamfira Ionce aus
Neunkirchen. Im Jahre 2002 entschied die Jury, den Pflegepreis
zweimal und zwar an Silvia Bigler und Hedwig Fuchs zu vergeben.
Die finanziellen und Sach-Leistungen der AUVA können sich bei
einem Schwerstversehrten wie Manfred Petias über die Jahre in einer
Größenordnung von 60.000 bis 70.000 Euro bewegen.
Die AUVA Landesstelle Wien finden Sie im Internet unter
www.auva.at/wien .
Rückfragehinweis:
Gabriela Würth, GWK,
Tel.: 02242-38300, 0676-33 24 879
E-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAU






