• 28.05.2008, 09:30:10
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Impfberatung bei Kleinkindern: teils oberflächlich

"Konsument" zeigt: uneinheitliches Ergebnis. Beratung häufig nicht ausreichend.

Wien (OTS) - Nicht erst seit der jüngst in Salzburg ausgebrochenen
Masernepidemie ist das Thema Impfen heiß umstritten. Die Experten
beklagen zu geringe Durchimpfungsraten. Bei vielen lebensbedrohlichen
Erkrankungen fällt die Nutzen-Risiko-Analyse aber zugunsten der
Impfung aus. Der erste Schritt, Patienten zum Impfen zu bewegen ist:
Überzeugungsarbeit durch Information. "Konsument" hat daher die
Impfberatung von zehn Wiener Kinderärzten getestet. Das Ergebnis ist
durchwachsen: Zwei Ärzte bekamen ein "sehr gut", zwei nur ein
"weniger zufriedenstellend". Fazit: Zwar ist im Österreichischen
Impfplan eine Aufklärungspflicht verankert, jedoch scheinen viele
Ärzte dieser nicht ausreichend nachzukommen.

Testpersonen waren ein Säugling und ein 36 Monate altes Kleinkind.
Die Praxen wurden nach geographischer Verteilung, nach dem
Zufallsprinzip ausgewählt. Für den Test waren die Empfehlungen des
österreichischen Impfplans 2008 maßgebend. Testkriterium war jedoch
nicht, welche Impfempfehlungen die Ärzte letztlich aussprachen.
"Konsument"-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp: "Eine Impfung ist mit
einer Versicherung vergleichbar - jeder Patient muss mit Hilfe seines
Arztes für sich abwägen, welches individuelle Risiko er hat und
welches er bereit ist zu tragen - da gibt es keine absolute
Entscheidung." Daher wurde im Test beurteilt, inwieweit die Ärzte den
Müttern alle notwendigen Informationen für eine
Nutzen-Risiko-Abwägung und somit mündige Entscheidung gaben. Bewertet
wurde, ob über die Häufigkeit der Erkrankung, die mögliche Therapie
und deren Aussichten, den Grad des Schutzes der Impfung, zu
erwartende Nebenwirkungen und Komplikationen bzw. das Impfschema und
die damit verbundenen Kosten aufgeklärt wurde. Nicht zuletzt wurden
die Durchführung einer medizinischen Basisuntersuchung der beiden
Kinder und die allgemeinen Bedingungen in der Praxis beurteilt.

Um eine fundierte Impfberatung durchführen zu können, muss sich
der Arzt vorab ein Bild über den medizinischen Zustand und die
Vorgeschichte seines kleinen Patienten machen. So kann z.B. ein Kind
bereits eine Infektionskrankheit durchgemacht haben, die eine
Immunität hinterlässt und somit keiner Schutzimpfung bedarf - in
unserem Fall war dies eine durchgemachte Hepatitis-A-Infektion des
Kleinkindes. Die allgemeine Untersuchung des Säuglings fiel
umfassender und genauer aus als beim Kleinkind. Dieses wurde von fünf
Ärzten überhaupt nicht einer medizinischen Untersuchung unterzogen,
bevor eine Impfempfehlung ausgesprochen wurde. Auch bezüglich der
bisherigen Vorgeschichte wurde beim Säugling häufiger nachgefragt (5
Mal bzw. 7 Mal). Bei der Impfberatung näherten sich die Ergebnisse
hingegen an. Insgesamt wurde bei Kleinkind und Säugling acht Mal ein
"sehr gut" oder "gut" vergeben, sechs Mal ein "durchschnittlich" und
ebenfalls sechs Mal ein "weniger zufriedenstellend" bzw. "nicht
zufriedenstellend". Bemerkenswert, dass fünf Ärzte dem Kleinkind eine
Hepatitis-A-Impfung empfahlen, obwohl ein Schutz gegen diese
Krankheit bestand.

Die durchschnittliche Beratungszeit betrug beim Säugling 20
Minuten, beim Kleinkind etwas darunter. Blieb eine ausführliche
Impfberatung außen vor, war dies manchmal nicht zuletzt auf
Zeitmangel und gut gefüllte Ordinationen zurückzuführen. Klepp rät
daher: "Am besten bereits bei der Terminvereinbarung deutlich machen,
dass man Wert auf eine ausführliche Impfberatung legt - dann kann
sich der Arzt seine Zeit besser einteilen."

Besonders überzeugen konnten die beiden Kinderärzte Dr. Monika
Bernecker und Dr. Christian Schweighardt. Letzterer händigte
zusätzlich zu seiner umfassenden Impfberatung einen selbst verfassten
Informationsbogen zu wesentlichen Kinderkrankheiten,
Behandlungsmöglichkeiten und Impfnebenwirkungen aus - für einen
Krankenkassenarzt ein tolles Service für seine Patienten. Am anderen
Ende der Skala kassierten zwei Ärzte ein "weniger zufriedenstellend".
Sie konnten sowohl beim Säugling als auch beim Kleinkind bei der
Impfberatung nur wenig punkten. Beide Praxen fielen darüber hinaus
durch ein unsauberes Ambiente auf, in einer der Ordinationen war gar
der Behandlungsraum nicht vom Wartezimmer durch eine Tür getrennt,
die Intimsphäre somit in keinster Weise gewahrt.

Tipps der "Konsument"-Gesundheitsexpertin:
• Ausführliche Beratung über Erkrankung und Impfung einfordern.
• Ein guter Arzt nimmt sich Zeit, alle offenen Fragen zu
beantworten.
• Eine individuelle Impfberatung benötigt als Basis genaue
Informationen über aktuelle und bereits durchgemachte Krankheiten.
• Sich Zeit nehmen, eine persönliche Nutzen/Risiko-Abwägung zu
machen und mit dem Arzt danach das weitere Vorgehen zu besprechen.

Wie die Kinderärzte im Detail abschneiden zeigt der
Juni-"Konsument". Die Ergebnisse gibt es auch ab sofort auf
www.konsument.at.

Rückfragehinweis:

Verein für Konsumenteninformation/
   Testmagazin "Konsument"
   Mag. Andrea Morawetz
   Öffentlichkeitsarbeit
   Tel.: 01/588 77 - 256 
   Email: [email protected]
   www.konsument.at

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