- 27.05.2008, 16:51:38
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Falter: Franz Schuh übt schwere Kritik an Medien im Fall Amstetten
"Die Familie F. kann jetzt genauso wenig raus wie zuvor unter der Knute des Vaters"
Wien (OTS) - Scharfe Kritik am medialen Umgang mit den Fällen
Josef F- und Natascha Kampusch übt der Wiener Philosoph und Essayist
Franz Schuh in einem Gespräch mit der Wiener Wochenzeitung Falter.
"Die Tyrannei der Intimität ist eine Spezialität unserer
Medienlandschaft. Das kann man nicht einmal über die englische
Dreckspresse sagen. Es ist eine Spezialität der österreichischen
Schreib- und Darstellungskünstler."
Auch der ORF sei da keine Ausnahme:"Dort, wo es darum geht, uns
Eingeborenen Eindruck zu machen, har man weder die Kraft noch die
Leute, radikal abzuweichen." Eine radikale Abweichung wäre nach
Schuhs Meinung eine Verwissenschaftlichung und Abstrahierung von
Phänomen wie Josef F..
Auch die Kirche sollte sich Gedanken über ihre Rolle machen. In
Anspielung auf Kardinal Christoph Schönborn, Kolumnist der
Gratiszeitung Heute, meint Schuh: "Ich bin ja der Meinung, dass man
dort predigen soll, wo die Sünder sind, aber doch nicht so, dass man
sie durch seine Anwesenheit in der Sünde bestärkt."
Schuhs Fazit: "Der Journalismus, sagte Karl Kraus, kennt keine
Ehrfurcht vor dem Unglück. Aber die benötigen wir. Wenn wir selbst
Unglück haben, wäre es für uns gut, käme man uns mit Distanz
entgegen, in einer Entfernung, die - ich verwende ein altes, fast
schon unbrauchbares Wort - mit unserer Würde zu tun hat. Diese Art
von Journalismus und die Menschenwürde schließen einander aus. Durch
die journalistische Gier wiederholt sich der Opferstatus. Denn die
Familie F.kann jetzt genauso wenig raus wie zuvor unter der Knute des
Vaters."
Rückfragehinweis:
Falter
Stefan Apfl, Barbara Tóth
Marc Aurelstraße 9, 1011 Wien
Tel: +43/1/ 53660/968
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