- 27.05.2008, 09:37:57
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Medikamentenabgabe in Ordinationen bringt nur Vorteile für den Patienten und das Sozialversicherungssystem
Mit den Mythen und Märchen über Hausapotheken führende ÄrztInnen muss endlich Schluss sein
Wien (OTS) - In der Diskussion rund um die Gesundheitsreform hält
sich hartnäckig das Gerücht, dass hausapothekenführende ÄrztInnen
eher vom eigenen Umsatz statt dem Wohl des Patienten geleitet sein
könnten und daher möglicherweise unökonomischer oder von Rabatten
geleitet verschreiben. Im Rahmen eines ORF-Berichts vom vergangenen
Mittwoch wurden die Krankenkassen zitiert, wonach Ärzte mit
Hausapotheken teure Medikamente vergeben, weil sie höhere
Gewinnmargen kassieren. "Diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage",
so der niederösterreichische Ärztekammerpräsident Dr. Christoph
Reisner. "Als bisher einzige Institution hat sich die GKK
Oberösterreich mit dieser Hypothese befasst. Im Rahmen einer
umfangreichen Analyse war dort jedoch kein Unterschied in der
Ökonomie des Verschreibeverhaltens zwischen ÄrztInnen mit und ohne
Hausapotheke zu erkennen."
Eine Prüfung des Datenmaterials für Niederösterreich ergab ein
ähnliches Ergebnis. Es ist kein Unterschied zwischen den einzelnen
Gruppen der AllgemeinmedizinerInnen in diesem Bundesland erkennbar.
Auffallend ist lediglich der Generikaanteil, der bei
HausapothekerInnen um fast 20 Prozent über dem der
AllgemeinmedizinerInnen ohne Hausapotheke liegt, jedoch ohne
Auswirkung auf die absoluten Medikamentenkosten. Für Präsident Dr.
Reisner ist das logisch: "Wir haben im Gegensatz zu den meisten
Ländern in unserem Umfeld keinen Medikamentenmarkt, sondern ein
Preisdiktat. Das führt zu einer unverzüglichen Angleichung der
Preise, sobald ein Patentschutz abläuft und Generika hergestellt
werden."
Mehrere Printmedien haben sich am Freitag in die Diskussion
eingemischt und die Rabattsituation ärztlicher Hausapotheken wieder
einmal aufgegriffen. Zu lesen war die kühne Behauptung, die angeblich
existenten Hausapothekenrabatte für Medikamente im Kassenbereich
seien der eigentliche Grund für den scharfen Protest der Ärzte gegen
Aut idem. "Die kolportierten Zahlen sowie die Interpretation zeugen
entweder von grober Unkenntnis der Materie oder vom gezielten
Versuch, die Bevölkerung zu beeinflussen", so Dr. Wolfgang Geppert,
Medikamentenreferent der Ärztekammer für Niederösterreich. "Richtig
ist die Tatsache, dass Rabatte dieser Art selbstverständlich
gesetzeskonform sind, jedoch für die von den Kassen erstatteten
Medikamente bei weitem nicht in behauptetem Umfang gewährt werden.
Weiters ist diese Diskussion in keinster Weise Bestandteil des
Gesetzesentwurfs."
Dr. Geppert regt in diesem Zusammenhang eine seriöse Diskussion
über Rabatte an: "Wir haben keinerlei Problem, wenn das bestehende
System seriös hinterfragt wird. Das setzt allerdings voraus, dass die
Rabattsituation im Einkauf der öffentlichen Apotheken und die
Gratisbelieferungen der Krankenanstaltsapotheken in die Diskussion
einbezogen werden, welche nach Schätzung der Ärztekammer für
Niederösterreich mehr als das Hundertfache der Summe aller
Hausapothekenrabatte betragen könnte." Krankenanstalten werden
derzeit dazu angehalten, die geschenkten Medikamente vermehrt
einzusetzen. Dabei handelt es sich durchwegs um teure
Originalpräparate. Generische Produkte kommen im Krankenhausbereich
de facto nicht zum Einsatz, was im niedergelassenen Bereich nach
Entlassung der PatientInnen zu großen Problemen führt.
Für Präsident Dr. Reisner liegt die Lösung des Problems der
Medikamentenkosten auf der Hand: "Eine gewünschte krampfhafte
Erhöhung des Generikaanteils bringt im Österreichischen System keine
Kostenersparnis. Die Nachteile für unsere Patientinnen und Patienten
sind jedoch enorm. Bereits jetzt unterliegen die Ärztinnen und Ärzte
jedoch derart umfangreichen und engmaschigen Verschreiberichtlinien,
die den von der Politik oft unterstellten Spielraum bei
Verschreibungen gar nicht zulassen. Wenn ein höherer Generikaanteil
jedoch von der Politik gewünscht ist, kann das auch effizienter und
vor allem sicherer als über Aut idem erreicht werden." Ein
bedeutender Punkt bei der Diskussion rund um die Medikamentenkosten
bleibt möglicherweise bewusst immer ausgespart: Dass
hausapothekenführende ÄrztInnen ihrerseits den Sozialversicherungen
einen höheren Preisnachlass gewähren müssen als die Apotheken. "Wir
haben bereits mehrfach vorgerechnet, dass ein duales System mit
Medikamentenabgabe sowohl direkt bei ÄrztInnen, als auch in
Apotheken, enorme Vorteile für unsere Patientinnen und Patienten
sowie ein enormes Einsparungspotenzial bringen würde", bringt
Präsident Dr. Reisner einen seiner Vorschläge zur Sanierung des
Gesundheitssystems auf den Punkt.
Rückfragehinweis:
Ärztekammer Niederösterreich
Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94, E-Mail: [email protected]
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