- 23.05.2008, 18:19:04
- /
- OTS0215 OTW0215
Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Von Jörg bis Sascha"
Ausgabe vom 24. Mai 2008
Wien (OTS) - Alle reden über den Benzinpreis - doch keiner tut
etwas dagegen. Halt, nein, einer tut schon was. In einem kleinen,
wilden Land hinter den Bergen reitet nämlich der in vielen
Niederlagen erprobte Don Quijote Jörg wieder einmal mit eingelegter
Lanze an. Sein hehres Ziel: ein Benzinpreisstopp für ganz Kärnten.
Und der Boulevard jubelt.
Eigentlich ist es sinnlos, dagegen zu argumentieren. In Österreich
sind wirtschaftliche Zusammenhänge ohnedies nicht vermittelbar. Man
sollte dem Ritter von der schaurigen Gestalt einfach seinen Willen
lassen und dann ein paar Wochen warten: nämlich bis die Kärntner zwar
die niedrigsten Preise, aber kein Benzin mehr haben. Denn jede
Treibstofffirma der Welt verkauft den energiereichen Saft in der
Regel dort, wo sie am meisten dafür bekommt. Also nicht mehr in
Kärnten. Sagen doch Studien, dass die globale Nachfrage nach
Treibstoff das Angebot um 15 Prozent übersteigt. Aber wer liest in
Kärnten schon internationale Studien?
Sollten die dortigen Tankstellen dennoch beliefert werden, dann
wird etwas anderes passieren: Halb Südeuropa wird bei ihnen billig
tanken. Und die Einheimischen stehen stundenlang Schlange.
*
"Brandstiftungen", "Gasanschläge", "schwere Sabotageakte":
Gravierend sind die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen zehn
sogenannte Tierschützer, die nun in Haft sind. Am selben Tag deckt
die Medizin-Uni auf, dass eine fanatische Handy-Gegnerin
Forschungsergebnisse bewusst gefälscht hat, um eine angebliche
Gesundheitsgefährdung durch den Mobilfunk zu beweisen. Knapp zuvor
haben zwei Dutzend betrunkene Hausbesetzer fast einen halben Tag die
Ringstraße und damit große Teile des Verkehrs blockiert.
In der Grün-nahen Subkultur geht es wieder einmal ziemlich heftig
zu. Ganz abgesehen vom lockeren Umgang von Greenpeace mit der
Wahrheit oder dem von Peter Pilz mit gesetzlichen
Verschwiegenheitspflichten.
Politisches Fazit: Es wäre dringend an der Zeit, vom würdigen
Professor oder seiner lustigen Stellvertreterin einmal eine klare
Distanzierung zu solchen Umtrieben zu hören, die in seiner Partei
gerne verteidigt werden. Sonst könnten gar jenen bürgerlichen
Träumern die Augen aufgehen, welche die Anarcho-Freunde für
koalitionsreif halten.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR






