• 23.05.2008, 13:17:06
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Man will den Patienten offenbar bewusst im Unklaren lassen

Ärztekammer für Niederösterreich kritisiert falsche Informationspolitik der Regierung

Wien (OTS) - Die bevorstehende Gesundheitsreform hat es geschafft,
unmittelbar vor der Fußball-EM von den Medien in Österreich als
Hauptthema aufgegriffen zu werden. "Leider entbehrt vieles des
gesendeten und gedruckten Materials jeder Grundlage", so Dr.
Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich.
"Wenn sich etwa selbst ernannte Experten aus dem Ausland über die Aut
idem Regelung auslassen. Offenbar unwissend, dass es bei uns im
Gegensatz zu unseren Europäischen Nachbarstaaten keinen
Medikamentenmarkt mit freier Preisgestaltung gibt, sondern ein
Preisdiktat, welches zur Folge hat, dass Originale und Generika
bereits nach kurzer Zeit preisgleich sind."

Aber auch die Regierung insbesondere Bundesministerin Kdolsky
sowie die so genannten Sozialpartner lassen alle anderen Beteiligten
im Unklaren. "Kalkulationen und angeblich vorliegende Studien werden
nicht auf den Tisch gelegt, sondern lediglich zitiert, wobei das
Zahlenmaterial meistens nicht einmal annähernd mit den uns und
anderen betroffenen Organisationen zur Verfügung stehenden
Statistiken vereinbar ist", so Präsident Dr. Reisner. Weiters wird
vieles bewusst unter Verschluss gehalten. So hat die Ärztekammer
beispielsweise Daten des Pilotprojekts Arzneimittelsicherheitsgurt in
Salzburg angefordert, diese werden jedoch streng geheim gehalten, als
hätte man etwas zu verbergen. "Offenbar will man gar nicht, dass wir
uns konstruktiv an einer Gesundheitsreform beteiligen, obwohl man uns
über die Medien ständig dazu auffordert."

Präsident Dr. Reisner hatte dem Gesundheitsministerium bereits vor
einiger Zeit ein umfangreiches Konzept über die Reformierung eines
Teilbereichs der Reform vorgelegt, welches bis dato noch nicht einmal
kommentiert, geschweige denn geprüft wurde. "Es schmerzt mich schon,
wenn dann gerade aus diesem Ministerium der Vorwurf kommt, die Ärzte
würden keine Vorschläge machen, denn sie wären ja alle in Grado." Die
von allen Ärztekammern jedoch seit Jahren kolportierten Vorschläge
finden offenbar nicht den Gefallen des Ministeriums und werden daher
nicht verfolgt.

Präsident Dr. Reisner erlaubt sich daher, einige Anregungen für
unverzügliche Sparmaßnahmen ohne Belastung der Patienten aus seiner
Sicht zusammenzufassen und somit in die laufende Diskussion
einzubringen:

- Hausärzte als Drehscheibe des Gesundheitssystems. Beim Hausarzt 
   laufen alle Informationen über den Patienten zusammen. 
 - Einführung der Wahlarzt - Kostenrückerstattung von "echten" 80 
   Prozent vom Kassenhonorar und nicht wie derzeit um Limits oder 
   Degressionen reduziert. 
 - Auslagerung der Finanzierung der Spitalsambulanzen an die 
   Gebietskrankenkassen, selbstverständlich mit entsprechendem 
   Finanzausgleich. 
 - Einstellung des Projektes ELGA und Verwendung der dafür 
   vorgesehen Kosten zur Verbesserung der Versorgung der 
   PatientInnen. 
 - Parallel dazu Einführung eines dualen Systems der 
   Medikamentendistribution über ÄrztInnen und Apotheken. 
 - Reduktion des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger auf 
   eine Art Dachverbandsorganisation.

Mögliches Einsparungspotenzial aus Sicht von Präsident Dr. Reisner
alleine durch diese Maßnahmen: Jährlich rund eine Milliarde Euro.
"Und zwar ohne Zusatzbelastungen für unsere Patientinnen und
Patienten", so Präsident Dr. Reisner abschließend.

Rückfragehinweis:
Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94
mailto:[email protected]

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